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Kosmopolis (Band 1&2)2 Ein Geschichte aus der Ewigen Stadt (Familiensaga) von Bourget, Paul (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.02.2017
  • Verlag: e-artnow
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Kosmopolis (Band 1&2)2

Dieses eBook: 'Kosmopolis (Band 1&2)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Aus dem Buch: 'Obwohl das schmale, von aufgestauten Büchern, Broschüren und Zeitungen fast überfüllte Gewölbe dem Besucher gerade nur so viel Raum ließ, sich umzudrehen, und obwohl dieser Besucher ein ständiger Kunde war, fand der alte Buchhändler es doch nicht der Mühe wert, sich von dem dreibeinigen Schemel zu erheben, worauf er, an einem tragbaren Pult schreibend, saß. Kaum daß sein seltsamer Kopf, dessen lange weiße Mähne unter dem breiten Rand eines einst schwarz gewesenen Filzhutes hervorquoll, beim Geräusch des Oeffnens und Schließens der Ladenthür einen Augenblick aufgetaucht war und ein fleischloses, runzeliges Fanatikergesicht, worin zwei braune Augen hinter runden Brillengläsern wild und boshaft funkelten, dem Ankömmling entgegengestarrt hatte. Dann hatte sich der Filzhut sofort wieder über ein Blatt Papier gesenkt, das die knorrigen, gelenkigen Finger mit den unsauberen Nägeln in einer Schrift, die eines andern Zeitalters würdig gewesen wäre, mit ungleichen, oft durchstrichenen Zeilen bedeckten.' Paul Bourget (1852-1935) war ein französischer Schriftsteller, der vor allem als Romancier tätig war.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 290
    Erscheinungsdatum: 21.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026873600
    Verlag: e-artnow
    Größe: 1015 kBytes
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Kosmopolis (Band 1&2)2

Zweites Kapitel.
Der Anfang einer Tragödie

Inhaltsverzeichnis
"Da hätten wir ja einen ganz gescheiten Menschen, dem doch nie ein Zweifel an seinen eigenen Ideen aufsteigt," dachte Dorsenne, dem Marquis nachsehend. "Es ist wie bei den ehrlichen Socialisten, da muß ich mich auch immer wundern. Was für ein Pathos er mir nicht aufgetischt hat, aber was für eine Jugendglut in dieser alten, abgenützten Maschine!"

Noch eine Minute verfolgte sein Blick den Verstümmelten von Patay, der die Propagandastraße entlang ging, und es lag mindestens ebensoviel Neid als Mitleid in diesem Blick. Der fehlende Arm machte Montfanons Größe und Magerkeit noch auffallender: er ging stramm mit dem raschen Schritt der von einer fixen Idee Behafteten, die, immer damit beschäftigt, kein Auge für ihre Umgebung haben. Die Sorgfalt, womit er den Schatten suchte und die Sonne mied, verriet indes den alten Römer, der die Gefahr ihrer ersten Strahlen im Frühling genau kennt.

Eine Minute darauf blieb der Marquis stehen, um einem der zahllosen Bettler, die den Spanischen Platz und seine Umgebung überschwemmen, ein Almosen zu reichen, was um so verdienstvoller war, als er mit seinem einen Arm und noch dazu durch das Gebetbuch gehindert, große Mühe hatte, in seine Tasche zu greifen. Dorsenne kannte den Sonderling hinreichend, um zu wissen, daß er niemals gelernt hatte, ein Bittgesuch irgend welcher Art abzuschlagen. Dank diesem Grundsatz befand sich der Gegner der schönen Fanny bei vierzigtausend Franken Jahreszins und der größten persönlichen Bedürfnislosigkeit fortwährend in Geldverlegenheit. Die bedeutende Ausgabe für den Montluc bewies, daß ihm die Abneigung gegen das reizende Mädchen schon zur Leidenschaft geworden war, einer Leidenschaft, die viel mehr unbewußte Logik enthielt, als Montfanon selbst ahnte. Der wahre Grund seiner Abneigung lag in der Liebe zum Kardinal Guérillot, die wie alle seine Gefühle heiß und mit Eifersucht gepaart war, und er konnte es Fräulein Hafner nicht verzeihen, daß sie, die er dem Bischof von Clermont als gefährliche Streberin bezeichnet hatte, dennoch in Verkehr mit dem Kirchenfürsten gekommen war. An die Beweise ihrer aufrichtigen Gesinnung, an all die edlen Handlungen seiner Feindin, wovon ihm der Kardinal seit Monaten erzählte, glaubte der eigensinnige Mensch einfach nicht, und sein Haß entbrannte um so wilder, als er an einem gewissen Unbehagen insgeheim dessen Ungerechtigkeit erkannte.

Während sich nun Dorsenne selbst nach dem Palast Castagna begab, dachte er indes bald nicht mehr an Montfanon und seine Vorurteile, sondern nur an die Nachricht von Boleslav Gorkas Rückkehr, die er eben aus dem Munde des Marquis erfahren hatte. Die Neuigkeit mußte dem Schriftsteller sehr unerwartet gekommen sein und ihn ernstlich beschäftigen, denn er warf nicht einmal einen Blick auf die Auslage des französischen Buchhändlers an der Ecke des Corso und sah nicht nach, ob die erwünschte Aufschrift "Vierzehntes Tausend" endlich auf dem gelben Umschlag seines letzten Bandes prange, der "Weltlichen Idylle", die im Herbst erschienen war und einen großen Erfolg gehabt hatte, dem aber seine sechsmonatliche Abwesenheit von Paris und jeder litterarischen Clique doch etwas Abbruch that. Ebensowenig nahm er sich heute die Mühe, im Spiegel der Schaufenster, woran wahrhaftig auf dem Wege vom Spanischen Platz nach dem Palast Castagna kein Mangel ist, festzustellen, ob die Lebensweise, die er sich nach Lord Byrons Muster zum Schutz gegen jeden Fettansatz auferlegte, ihre Schuldigkeit thue und seiner Gestalt die eleganten Umrisse erhalte, die seiner Eitelkeit, als hübscher Mann zu gelten, am Herzen lagen. Dorsenne vernachlässigte heute auch eine seiner liebsten Unterhaltungen, nämlich die Fäden an dem aus Erinnerungen zusammengewebten Teppich zu verfolgen, den ein Gang durch Rom vor den Augen des Unterrichteten aufrollt, und doch führte ihn der Weg zum Castagnaschen Palast, der am Ende der Jul

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