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Kriminalisiert von Schmidt, Hans-Joachim (eBook)

  • Verlag: neobooks Self-Publishing
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Kriminalisiert

Wie ein Staat -die DDR- es geschafft hat, einen Menschen immer wieder mit dem 'Gesetz' in Konflikt zu bringen, ohne, dass dieser Mensch tatsächlich kriminell -im eigentlichen Sinne- ist. Hunderttausende haben diese oder ähnliche Erfahrungen in der DDR machen müssen. Dieses Buch beschreibt ein ganz spezielles Beispiel dafür. Hans-Joachim Schmidt beschreibt sehr eindringlich wie viele Ungerechtigkeiten er erfahren musste, wie 'kriminell' erwar. Und er gibt nebenbei sehr viele neue Einblicke in den uns völlig unbekannten Alltag eines ehemaligen DDR Bürgers, in eine Welt, die wir und im freien Europa so gar nicht denken können. 'Kriminalisiert' zeigt aber auch auf, wie aus 'Staatsdienern' -über die eingetrichterte Ideologie der DDR Kriminelle wurden. Der Autor ist im März geboren und verbrachte seine Kindheit in 8 Heimen. Nach mehreren politischen Inhaftierungen siedelte er in die BRD über. Da dort sein Beruf nicht anerkannt wurde erlernte er den Beruf eines Elektroinstallateurs. Jahre später wurde durch eine Rehabilitierung sein Beruf anerkannt als Industriemechaniker. Zudem erhielt er einer Abfindung wovon er sein Studium finanzierte, welches er ebenfalls erfolgreich abschloss.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 198
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783742770820
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 1760 kBytes
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Kriminalisiert

Anfang vom nicht Endenden

Irgendwie machte ich mich immer unbeliebt, wenn es um die Belange der DDR und deren Vertreter ging. Sei es mein Verhalten dem System gegenüber oder meine etwas andere Weltanschauung in Bezug auf Kapitalismus und Sozialismus. Dabei hatte ich nur Fragen, die ich gern beantwortet gesehen hätte.

In der Schule lehrte man mich, dass es keine dummen Fragen gibt, sondern nur dumme Antworten. Aber dass allein schon Fragen Menschen zu Wutausbrüchen und zu unmenschlichen Handlungen bewegen konnten, wurde mir in den nächsten Jahren bewusst. Nein, ich habe nicht aufgehört zu fragen, denn ich wollte ja nicht doof sterben. Damals dachte ich noch: "Der muss es ja wissen, denn er ist älter und erfahrener als ich", wenn ich fragte und nicht ganz sicher war, ob es sich in der Tat so verhielt, wie es mir vermittelt wurde. Allerdings wusste ich nicht, dass die, die ich damals fragte, ihre Antworten von der sozialistischen Führung, also der Partei, vordiktiert bekamen - und es sah so aus, dass einige Fragestellungen gar nicht erst in ihrem Programmkatalog vorkamen.

Schnell erkannte ich, dass die DDR kein Staat der Diktatur des Proletariats, sondern schlichtweg eine Diktatur durch die Staatsführung, der Partei, selbst war. Die DDR war ein totalitäres Staatssystem.

Schon eine solche Erkenntnis, im falschen Umfeld laut geäußert, zog damals empfindliche Strafen nach sich.

Ebenso wurden Handlungen von meiner Seite, durch staatstreue Empfänger, falsch interpretiert, was ebenfalls nicht selten ohne Spuren an mir vorüberging.

Gerade weil ich oft missverstanden wurde, ging mir damals ein Satz von den Lippen, über den ich selbst erstaunt war, ihn so gesagt zu haben, der mir allerdings zusätzlichen Ärger einbrachte. Aber lest selbst, welches Ereignis mich zu diesem Satz, oder auch Zitat, trieb.

Schon in der 10. Klasse, als die Musterungskommission aus dem Wehrkreiskommando Berlin-Köpenick bei uns vorstellig wurde, um uns auf den Wehrdienst vorzubereiten und gegebenenfalls Rekruten zu ordern, die sich für mehr als 18 Monate verpflichten würden, fiel ich unangenehm auf.

An jenem Tag hatte ich Tafeldienst, als wir von unserem Lehrer die Meldung von diesem hohen Besuch bekamen, der allerdings sehr kurzfristig anberaumt worden war. Er befahl uns unser Klassenzimmer auf Hochglanz zu trimmen, dafür ließen sie sogar eine Unterrichtsstunde ausfallen. Uns blieben etwa 45 Minuten bis zum Eintreffen der militärischen Delegation, wie unser Lehrer den Besuch auch nannte.

Der Bereich rund um die Tafel sowie der Lehrertisch und die komplette Front des Klassenzimmers, an der auch der Kartenständer und das Bild unseres Staatsratsvorsitzenden angebracht waren, oblagen meiner Wenigkeit. Voller Eifer und sehr beflissen ging ich meinen Reinigungsarbeiten nach. Vielleicht war ich etwas zu eifrig oder auch zu hektisch in meinem Tun, gerade als es darum ging, ein Bild zu reinigen. Es war nicht irgendein Bild, sondern eins, worauf man stolz sein sollte, es in seinem Klassenzimmer hängen zu haben.

Anstatt das Bild von der Wand zu nehmen, schmierte ich mit einem feuchten Lappen darüber.

Jedenfalls fiel mir beim Putzen des Glases jenes Bild, auf dem Walter Ulbricht abgelichtet war, von der Wand.

Jener Walter Ulbricht war zu der Zeit der bedeutendste Politiker der DDR, er war der Staatsratsvorsitzende und stand bis 1971 an der Spitze des Zentralkomitees der SED. Es ist auch der Ulbricht, der die Mauer bauen ließ.

Der Nagel in der Betonwand hielt wohl nicht mehr, was man sich vor dem Einschlagen von ihm versprach - er versagte seinen Dienst.

Somit begann der Ärger.

Nachdem ich über das Bild mit einem trockenen Tuch gewischt hatte, versuchte ich es wieder an seinem angestammten Platz zu befestigen, aber vergebens. Da sich der Nagel auch nicht mehr in diese Betonwand fest hineinschieben ließ, weil ei

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