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Kummer ade! Roman über einen humoristischen Kriminalfall von Brandstetter, Alois (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.09.2013
  • Verlag: Residenz Verlag
eBook (ePUB)
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Kummer ade!

In Klagenfurt wurde im Sommer 2012 aus dem 'Paradies' der Don-Bosco-Kirche der Kummerkasten gestohlen. Hat ihn der Dieb für den Opferstock gehalten, obwohl darauf stand: 'Ihre Meinung bitte! Anregungen, Wünsche und Beschwerden'? Oder war der Beseitiger ein mit der grassierenden Unzufriedenheit an Vater Staat und Mutter Kirche Unzufriedener, ein der ewigen Raunzerei und Schimpferei der Kummerkästen müde Gewordener? Ein Harmoniesüchtiger,der sich 'Stoff' besorgen wollte? Alois Brandstetter hat den merkwürdigen Fall kriminalistisch, detektivisch, vor allem aber poetisch-humoristisch untersucht und ist auf seltsame Zufälle und Indizien gestoßen. Ein geistreiches Lesevergnügen der Sonderklasse. Alois Brandstetter geboren 1938 in Pichl (Oberösterreich), lehrte als Professor für Deutsche Philologie an der Universität Klagenfurt. Zahlreiche Auszeichnungen, u. a. Kulturpreis des Landes Oberösterreich 1980, Wilhelm-Raabe-Preis der Stadt Braunschweig 1984, Kulturpreis des Landes Kärnten 1991, Heinrich-Gleißner-Preis (1994), Adalbert-Stifter-Preis und Großer Kulturpreis des Landes Oberösterreich (2005). Zuletzt erschienen: 'Zur Entlastung der Briefträger' (2011).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 09.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783701743575
    Verlag: Residenz Verlag
    Größe: 973 kBytes
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Kummer ade!

Vorleben, Ministranten. Während ich darüber nachdenke, wie ich der Polizei bei der Ausforschung des Kummerkastendiebes mit meinen bescheidenen kriminellen und kriminalistischen Lebenserfahrungen helfen könnte, brachte mir am Sonntag, dem 21. Oktober 2012, in der Bahn der Schaffner die Zeitung ÖSTERREICH und ich las zu meiner Verblüffung und Bestätigung eine Überschrift in fünf Zentimeter hohen Buchstaben: SÄNGERKNABE ERSCHLÄGT STUDENTIN. Ein Sängerknabe, eigentlich ein gewesener Sängerknabe, müßte es korrekterweise heißen, da der 26jährige Christopher L. aus Ebreichsdorf im Knabenchor so lange nach dem Stimmbruch nicht mehr singen konnte, übertrifft natürlich jeden Ministranten. Ministrant war bald einer, selbst sozialistische Bundeskanzler und Leiter des Parlamentsclubs sind einmal Ministranten gewesen, wie es in ihren Biographien steht und womit sie in Wahlkämpfen auch gern Reklame machen, um auch kirchlich gesinnte Menschen anzulocken, Sängerknabe aber nicht, denn dazu braucht es ganz besondere Voraussetzungen und das Bestehen einer schweren Aufnahmeprüfung. Ich weiß es, weil ich bei einer solchen Aufnahmeprüfung für den Chor des Kollegium Petrinum bei dem berühmten Kirchenmusiker Hermann Kronsteiner in Urfahr durchgefallen bin. So wie ich sechs Jahre später bei der Aufnahmeprüfung an der Akademie der bildenden Künste in Wien durchgefallen bin. Dort ist übrigens exakt 50 Jahre früher, im Jahr 1907, ein Aspirant und Anwärter aus Braunau in Oberösterreich durchgefallen und man hat später dem Akademieprofessor und rigorosen Vorsitzenden der Prüfungskommission Karl Kriepenkerl, jenem berühmten Lehrer, in dessen Meisterklasse so bedeutende Maler wie Egon Schiele, Anton Faistauer und Josef Dombrowski gelernt haben, indirekt den Vorwurf gemacht, daß er am ganzen Elend und Unglück des 20. Jahrhunderts, das jener als Künstler gescheiterte junge Mann später in der Politik als Schwerstverbrecher heraufbeschworen und angerichtet hat, eigentlich mit schuld sei. Was natürlich absurd ist. Einer der erfolgreichen Prüflinge bei der Aufnahmeprüfung im Jahre 1907 war übrigens der erwähnte Josef Dombrowski, der später selbst als Kriepenkerl-Schüler Akademieprofessor wurde. Er saß noch bei meinem Prüfungstermin 1957 in der Prüfungskommission. Bei ihm hätte ich, so sehr ich ihn auch als Künstler schätze, aber nicht mehr studieren können, weil er als Lehrer schon in Pension und Emeritus war. Gern hätte ich mich zu seinen Schülern gezählt wie etwa Alfred Hrdlicka oder mein verstorbener Freund Josef Mikl, der Meister des österreichischen Informel. Ich bin dann Germanist, Philologe und Schriftsteller geworden, was sich im nachhinein als gute zweite Wahl herausgestellt hat ... Josef Mikl hätte mich übrigens Jahre später, nach dem Tod des Kunstwissenschaftlers und Lehrers der Ästhetik, des Jesuitenpaters Alfred Focke, der im Jahr 1983 auf mysteriöse Weise bei einer Bergtour umgekommen ist, gern als dessen Nachfolger an der Akademie für Lehrveranstaltungen über das Verhältnis der Künste zueinander, vor allem über das Verhältnis bildende Kunst und Literatur gesehen. Auch daraus ist nichts geworden. Ich bin weder Sänger im Petrinerchor noch Kunststudent noch Akademieprofessor am Schillerplatz geworden, und obwohl man mir nicht immer wohlwollend mitgespielt hat und ich einiges an Kummer und Beschwerden in Kummerkästen abladen hätte können, kann ich doch, ohne mich zu rühmen, sagen, daß ich nicht verbittert und verbiestert bin. Ich male, schreibe vor mich hin und singe, wenn auch in keinem Chor. Ich singe nicht, ich singe mit - bei den Kirchenliedern für das einfache Volk ... Es gibt aber durchaus Wunden, an denen man wahrscheinlich noch am Totenbett leckt. Und im Traum tritt man außerdem auch als alter Mann immer wieder einmal bei Mathematik-Maturaprüfungen, bei Aufnahmeprüfungen oder Fahrprüfungen an und erwacht, durchgefallen und schweißgebadet. Bei meiner Fahrprüfung habe

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