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Labyrinth der unerhörten Liebe von Göbel, Gabriele M. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.07.2013
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Labyrinth der unerhörten Liebe

Die schöne Selvaggia wird zur Muse des Malers Claudio, eines von der Kunst besessenen Sonderlings. Vergeblich versucht sie, seine Liebe zu erringen - und gerät in einen schweren Konflikt mit ihrem Stiefbruder, der Claudio hasst und ihn vernichten will. Ein historischer Roman, der das freizügige Leben der zu Ende gehenden Epoche der Medici farbenprächtig beschreibt und das eindrucksvolle Panorama der Stadt Florenz hinreißend detailgenau schildert!

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 19.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955301699
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 2340 kBytes
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Labyrinth der unerhörten Liebe

2. Kapitel

Spiralen und Labyrinthe

In den frühen Jahren blieb Selvaggia selten sich selbst überlassen. Eltern, Verwandte, Dienstboten und sogar die Geschwister, alle wetteiferten um ihre Gunst, ohne die ihnen kein Segen mehr auf dem Hause Salvestrini zu liegen schien.

Die Gesichter, die sich tagnächtlich dem des Kindes zuneigten, verschmolzen zu einer einzigen Grimasse aus Wohlwollen und Erwartung. Mit der Zeit lernte Selvaggia zu unterscheiden: Camilla, die sie auch außerhalb der Stillzeiten an die bloße Brust drückte, damit die Tochter den Herzschlag nicht entbehren mußte, dem sie schon im Mutterleib gelauscht hatte, vom Vater, der ihr mit ruhiger Stimme den Lauf der Dinge erläuterte; die Schwestern, welche ihr die Kunststücke der Haustiere vorführten - Spielzeugwagen, von weißen Mäusen gezogen, eine schwarze Grille, zirpte sie sich zu Tode oder zerfeilte sie die Stäbe ihres Käfigs? -, vom Bruder Tribolo, der vor ihren Augen kleine bleiche Knöchelchen jonglierte und mit dem Handrücken wieder auffing. Faustinas rotes, rundes Gesicht schwebte über dem Badezuber mit duftendem Rosenwasser und über der Wiege, da sang es, und über dem Wickeltisch, da flüsterte es Koseworte, während ihre Fingerspitzen, die sie zuvor in warmes Mandelöl getaucht hatte, einer geheimen Choreographie folgend über den Kinderkörper tanzten.

Alles, was geschah, diente zu Selvaggias Erheiterung. Sie sammelte Lächeln und gab sie gerne zurück, vermochte in einem einzigen Aufleuchten ihres Gesichtes widerzuspiegeln, was sie so vielfältig empfangen hatte. Es war dieses Lächeln, um das alle buhlten. Allein darum ging es. Um diese Augenbrauen, die sich zu zarten Spitzbögen wölbten und doch Stirn und Nase unberührt ließen, vollkommen glatt, um das hüpfende Licht in den sonst so stillen Augen, die geschlossenen Lippen, die, ohne sich merklich zu verziehen, den Mundwinkeln winzige Grübchen zauberten, an jeder Seite eins.

"Wie sie das nur macht!" sagten die Schwestern und übten dieses Lächeln heimlich vor Camillas venezianischem Spiegel, aber es wurde immer nur ein aufgesetztes Grinsen daraus.

"Sie muß es nicht machen", erklärte Faustina. "Sie ist damit zur Welt gekommen. Einst wird es den Männern den Kopf verdrehen."

"Das Lächeln einer Sphinx aus dem Land der Ägypter", nannte Giovanni es stolz.

Das Lächeln einer potentiellen Sünderin, dachte Tribolo. Sie wird es verlieren, wenn man ihr Geheimnis kennt. Sie wird reden lernen und es verlieren. Mochten sich alle etwas vormachen lassen, er wußte es besser und wartete ab.

Durch die stetige Zuwendung der gesamten Familie verlief Selvaggias Entwicklung in Sprüngen. Sie verschwendete keine Zeit damit, zu krabbeln und zu brabbeln wie andere Kinder ihres Alters, sondern lief aufrecht auf zwei Beinen, sobald sie imstande war das Gleichgewicht zu halten. Auch sprach sie von vornherein in ganzen Sätzen, da sie keine anderen kannte. Doch ebenso rasch, wie sie ihre Fähigkeiten erworben hatte, schien sie ihrer überdrüssig zu werden.

Als sie alles sagen konnte, zog sie es vor, tagelang zu schweigen, zumal sie den Verdacht nie loswurde, die Worte, die man ihr sagte, könnten in Wahrheit etwas ganz anderes bedeuten, etwas, das man ihr verheimlichte.

Als sie sich frei bewegen konnte, verkroch sie sich immer häufiger in entlegene Winkel des Hauses, fern von mütterlichen Umarmungen und väterlichen Monologen, unbehelligt von der Menagerie der jüngsten Schwester und den Einfällen Tribolos. Da hockte sie allein oder mit ihrer Lieblingspuppe im Arm mucksmäuschenstill hinter losen Wandbehängen und in staubigen Nischen, ohne sich vom Fleck zu rühren, und vergaß, daß man sie suchte, obwohl sie ihren Namen rufen hörte. Selbst wenn es ihr wichtig gewesen wäre, hätte sie jetzt nicht antworten können. Etwas anderes war wichtiger. Mit fest geschlossenen Lidern wartete sie auf den Augenblick:

Aus rauchblauen Nebelringen entstand die Figur einer Spi

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