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Lady Annes Geheimnis Historischer Roman von Marcus, Martha Sophie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.05.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Lady Annes Geheimnis

Sommer 1714. Seit drei Jahren lebt Anne als Zofe am Hof des Kurfürsten Georg Ludwig. Ihre Eltern haben sie zur Vertuschung einer unehelichen Schwangerschaft nach Hannover verbannt und ihr das Kind weggenommen. Nichts will Anne mehr, als nach England zurückzukehren und ihren Sohn zu finden. Als Georg Ludwig zum englischen König ausgerufen wird und mit seinem Hof nach London zieht, bietet sich ihr die erhoffte Gelegenheit. Zugleich wird ihr Geheimnis für sie noch gefährlicher, denn der Vater ihres Kindes zählt zu Georgs erbittertsten Gegnern ... Martha Sophie Marcus wurde 1972 im Landkreis Schaumburg geboren, studierte in Hannover Germanistik, Pädagogik und Soziologie und verbrachte anschließend zwei Jahre in Cambridge. Heute lebt Martha Sophie Marcus mit ihrer Familie in Lüneburg. Im Herbst 2016 erhielt sie den Kulturförderpreis des Landkreises Lüneburg in der Sparte 'Literatur'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 543
    Erscheinungsdatum: 31.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732572144
    Verlag: Bastei Lübbe AG
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Lady Annes Geheimnis

2. Kapitel

A nne war nicht die einzige Engländerin am kurfürstlichen Hof. Viele hatten darauf gesetzt, dass die Krone wie angekündigt den Deutschen zufallen würde. Mit der typischen Begeisterung der Engländer für Wetten aller Art hatten sie beachtliche Einsätze von Zeit, Aufwand und Vermögen riskiert, um frühzeitig ins Spiel um königliche Gunst und Machtpositionen einzusteigen.

Zwei Tage nach dem Tod von Herzogin Sophie stand Anne im Schlafgemach einer Frau, die in diesem Spiel bisher ein glückliches Händchen bewiesen hatte, und arrangierte ihre Frisur. Mit der Zeit hatte sie ein besonderes Geschick dafür entwickelt, das natürliche Haar so um kleine Polster aus falschem Haar zu drapieren, dass niemand den Unterschied feststellen konnte.

Henrietta Howard war keine der Damen, die alles dafür taten, dass ihre Schönheit auf den ersten Blick ins Auge stach. Oft ließ sie ihr feines hellbraunes Haar auch ganz schlicht frisieren, und Schmuck trug sie sparsam. Dennoch war es ihr auf ihre zurückhaltende, aber unterhaltsame Art schon kurz nach ihrer Ankunft gelungen, bei Prinzessin Caroline Kammerfrau zu werden. Außerdem munkelte man, dass auch der Kurprinz selbst ein besonders enges Verhältnis zu ihr hatte. Sogar Madam Howards Ehemann, der sie nach Hannover begleitet hatte, verdankte ihr seinen Posten bei Hof. Es war kein Geheimnis, dass das Einkommen daraus für ihn ein Segen war, da er sein Vermögen in England verspielt und hohe Schulden angehäuft hatte.

Henrietta saß im dunklen Kleid vor ihrer Frisierkommode und beobachtete Annes Handgriffe in dem großen, verschnörkelt gerahmten Spiegel, der darauf thronte. Seit Anne sich ihr als Tochter von Sir Baynes von Madlock Country vorgestellt hatte, sprach die Dame nicht mehr Französisch, sondern Englisch mit ihr. Die deutsche Sprache beherrschte sie nur bruchstückhaft. Weil sie etwas schwerhörig war, sprach sie lauter, als es eigentlich zu ihr passte, und sah ihren Gesprächspartnern durchdringend ins Gesicht, was Anne im ersten Moment eingeschüchtert hatte.

"Madam Schulenburg hat mir ans Herz gelegt, deine Dienste als Coiffeuse in Anspruch zu nehmen. Mir erschien es unpassend, in dieser Trauerzeit besonderen Aufwand mit meiner Garderobe zu treiben. Doch sie überzeugte mich davon, dass es gerade jetzt notwendig ist. Angeblich stehen wir nun, da Seine Durchlaucht in der Thronfolge aufgerückt ist, noch stärker unter Beobachtung und müssen zeigen, dass wir der hohen Ehre in jeder Hinsicht würdig sind. Und Prinzessin Caroline besteht darauf, den Geburtstag ihrer kleinen Töchter zu feiern, gerade weil die Kinder über den Tod ihrer Urgroßmutter traurig sind." Sie sah Anne über den Umweg des Spiegelbilds verständnisheischend an. Offenbar wollte sie auf keinen Fall in den Verdacht geraten, dass sie ihrer Eitelkeit frönte, während die Herzogin noch im Schloss aufgebahrt lag.

Ohne eine Miene zu verziehen, blieb Anne auf ihre Arbeit konzentriert. "Wir legen einen dunklen Schleier über Euer Haar, um dem Anstand zu genügen. Es wird dennoch genug von der Frisur zu sehen sein, dass niemand Euch für nachlässig halten kann."

Madam Howard atmete mit einem Seufzen aus. "Gut."

Eine Weile schwieg die Dame, und ihr verschwimmender Blick verriet, dass sie in Gedanken versunken war.

Mit einem lauten Einatmen tauchte sie wieder auf und verfolgte erneut Annes Bewegungen im Spiegel. "Wirst du zu deiner Familie nach Madlock Country zurückkehren, wenn der Hof nach London zieht? Das ist in der Nähe von Glasgow, nicht wahr? Sicher ist es dort oben an der Westküste hübsch. Ich verbrachte meine Kindheit in Norfolk nahe der Ostküste und erinnere mich gern an unsere Besuche am Meer."

Dem Hofgeflüster konnte niemand ausweichen, deshalb wusste Anne, dass die junge Henrietta mit ihrer Mutter das Familienanwesen hatte verlassen und nach London ziehen müssen, nachdem ihr Vater bei einem Duell zu Tode gekommen war. Gleich als Madam

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