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Leas Spuren Roman von Storks, Bettina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.10.2019
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
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Leas Spuren

"Was für ein Roman! Bettina Storks hat mich absolut begeistert!" Maria Nikolai Paris 2016: Ein lukratives Erbe winkt der Stuttgarter Historikerin Marie und dem französischen Journalisten Nicolas, wenn sie eine schwierige Aufgabe lösen: Gemeinsam sollen sie ein lang verschollenes Gemälde finden und es den möglichen Überlebenden einer jüdischen Pariser Familie zurückgeben. Ihre Suche führt sie nicht nur in die Wirren des Zweiten Weltkriegs und an die Abgründe der Besatzungszeit, sondern wird rasch zu einem atemlosen Ringen mit der Vergangenheit ihrer Familien. Im Dickicht des Kunstraubs der Nazis muss sich Marie einem schrecklichen Geheimnis stellen - und bald auch ihren Gefühlen für Nicolas. Dramatisch, atmosphärisch und hoch spannend - mit großer Erzählkunst verwebt Bettina Storks reale Begebenheiten und Fiktion. Bettina Storks, geboren 1960 bei Stuttgart, ist promovierte Literaturwissenschaftlerin und Autorin. Sie war viele Jahre als Redakteurin tätig, bevor sie ihr erstes Buch veröffentlichte. Sie lebt und arbeitet am Bodensee. In ihren Romanen "Das geheime Lächeln", "Leas Spuren" und "Klaras Schweigen" vereint sie ihre Leidenschaft für Familiengeheimnisse und ihre Faszination für die deutsch-französische Geschichte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 14.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641244385
    Verlag: Diana Verlag
    Größe: 2536 kBytes
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Leas Spuren

MARIE

1

Paris

Oktober 2016

Es gibt Familien, in deren Kellern Leichen liegen. Dunkle Geschichten, vor langer Zeit archiviert und über Jahrzehnte weggesperrt, geraten in Vergessenheit. Trotzdem sind sie da. Als tickende Zeitbomben haben sie viele Namen. Angst. Schuld. Scham. Verleugnung. Die Gründe für ihre Verbannung in die tiefsten Schichten des Vergessens sind vielfältig und sorgen für einen sonderbaren Pakt zwischen all jenen, die das geheime Wissen teilen. Ein Pakt des Schweigens, der sie gut schlafen lässt. Aber das Ausblenden verdrängter Wahrheiten gewährt nur einen zerbrechlichen Schlaf.

Bis etwas Unerwartetes geschieht.

Etwas Unerwartetes hatte Marie Bergmann an einem Herbsttag im Jahr 2016 nach Paris in die Rue de Rivoli geführt.

Mit einem vor Tagen an sie gerichteten Brief eines Pariser Notars stand sie vor einem Haus mit einer Jugendstilfassade am Rande des Marais und verglich das vergoldete Schild des Notariats Maître Lambert mit dem Briefkopf.

Hier war sie also richtig - in unmittelbarer Nachbarschaft des imposanten Gebäudes Hôtel de Ville, dem Rathaus von Paris. Auf dem riesigen Platz davor drehte sich ein Kinderkarussell im Kreis.

Vor Maries Paris-Reise hatten zu Hause in ihrer Heimatstadt Stuttgart die Telefonleitungen geglüht. Was bedeutete diese Einladung in der Erbangelegenheit eines Verstorbenen namens Victor Blanc? Warum gerade Marie? Niemand in der Familie hatte den Verstorbenen gekannt. Nicht einmal Maries Großmutter, Oma Fredi, die Autorität in Sachen Familiengeschichte. Die Frage, darüber waren sie sich schnell einig, nachdem sie den Sachverhalt bei Kaffee und Kuchen ausgiebig diskutiert hatten, konnte nur eine Tote beantworten. Charlotte Schneider, die ältere Schwester von Oma Fredi. Sie hatte als junge Frau einige Zeit in Paris verbracht. Charlotte allerdings war seit fast siebzig Jahren tot.

Nach gründlicher Überlegung hatte sich Marie schließlich zwei Tage freigeschaufelt, eine Vertretung für ihre Schulklassen-Führungen im Landesmuseum Stuttgart organisiert und war an jenem sonnigen Herbsttag mit vielen Fragen im Gepäck nach Paris gereist. Was erwartete sie hier in der Rue Rivoli?

Beherzt betrat sie das Gebäude, stieg in den altmodischen Aufzug und betätigte die Taste für den dritten Stock. Auf dem Weg nach oben sah sie im Spiegel ihr Gesicht, das ihr heute, trotz Sommersprossen, besonders blass vorkam. Das kupferrote Haar bildete einen auffälligen Kontrast zu ihrem hellen Teint, den grünen Augen.

Beim Aussteigen beschlich Marie ein seltsames Gefühl - eine Vorahnung? Sie war vorsichtig mit solchen Deutungen. Nachdem sie geklingelt hatte, fuhr sie sich mit beiden Händen durch das gewellte, halblange Haar.

Eine Sekretärin führte Marie in einen großen Raum, wo ein etwas untersetzter Mann mit grauem Haar am Fenster stand, ein Smartphone am Ohr. Wenige Meter von ihm entfernt unterhielten sich eine jüngere Frau und ein Mann in Maries Alter miteinander. Abrupt unterbrachen sie ihr Gespräch. In der Mitte des Raums stand ein großer runder Tisch aus Nussbaumholz, daran mit Samt bezogene Stühle.

Eilig beendete der Mann sein Gespräch und ging lächelnd auf Marie zu. Sein rundliches Gesicht und die Grübchen in den Mundwinkeln verliehen ihm etwas Unbeschwertes.

"Herzlich willkommen in Paris, Madame Bergmann, mein Name ist Pierre Lambert. Darf ich Sie mit Nicolas Blanc, dem Enkel von Victor Blanc bekannt machen? Und mit Madame Galland, unserer Dolmetscherin? Sie wird gleich jedes Wort ins Deutsche übersetzen."

Erleichtert atmete Marie auf und reichte beiden die Hand. Die Verständigungsfrage war geklärt. Aber auch ohne Dolmetscher hatte Marie Maître Lamberts einführende Worte verstanden, obwohl ihr Schulfranzösisch knapp fünfundzwanzig Jahre zurücklag. Vielleicht war es mit den Fremdsprachen wie mit Fahrradfahren - man verlernte sie nie.

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