text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Leben auf den zweiten Blick von Winkler, Anton (eBook)

  • Verlag: neobooks Self-Publishing
eBook (ePUB)
2,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Leben auf den zweiten Blick

Auf den ersten Blick scheint Markus es gar nicht so schlecht getroffen zu haben: Er ist Anfang 30, gesund und hat eine attraktive, erfolgreiche Freundin. Dem angehenden Lehrer steht bei seinen Planungen für eine wohlige Zukunft als Oberhaupt einer Vorzeige-Familie eigentlich nichts im Wege. Doch hinter dieser Fassade lauern Probleme, die seinen Alltag gehörig aus dem Ruder laufen lassen. Und just als er beschließt, endlich reinen Tisch zu machen und der Wahrheit ins Auge zu sehen, stolpert er von einer Katastrophe in die nächste. Währenddessen macht der Staatsanwalt Nikos Abiturplänen einen Strich durch die Rechnung, und am Ende ist nichts mehr, wie es war - bis auf die Hoffnung, dass alles besser wird...

Anton Winkler, Anfang 30, lebt mit Frau und Kindern in Berlin. Wenn er sich nicht gerade dem Schreiben widmet, unterrichtet er Deutsch und Geschichte an einem Kreuzberger Gymnasium. 'Leben auf den zweiten Blick' ist seine zweite literarische Veröffentlichung nach dem Öko-Thriller 'Summ summ summ Bienchen bringt dich um'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 120
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783738036183
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 772 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Leben auf den zweiten Blick

1.

Der Tag fing nicht gut an, ganz und gar nicht. Zwar konnte er kaum behaupten, dass in letzter Zeit überhaupt ein Tag gut angefangen hätte, geschweige denn erfreulich verlaufen wäre oder einen angenehmen Ausklang gefunden hätte: Markus hatte zunehmend das Gefühl, dass sein ganzes Leben nur noch aus einer einzigen Ansammlung missratener Tage bestand.

Aber heute ging es ganz besonders unangenehm los, so viel stand fest. Dass die folgenden Ereignisse ihn zu der Entscheidung führen sollten, seinem Leben in dieser Form ein Ende zu bereiten, konnte er freilich noch nicht ahnen.

Allerdings fühlte er sich wie ein alter Mann, wie ein gebrechlicher Greis, der stumpf und unter Schmerzen dem Ende seines Daseins entgegen vegetiert, als er sich verschwitzt aus seiner Bettdecke schälte. Und er roch auch so, wie er zu seinem Missfallen feststellen musste, als er routinemäßig sein T-Shirt einer Geruchsprobe unterzog. Wie ein alter Opa aus dem Seniorenheim. Widerlich.

Angeekelt und von dem dringenden Wunsch nach einer Dusche erfüllt, öffnete er das Fenster und konnte sich bei dieser Gelegenheit davon überzeugen, dass er nicht nur nach Schweiß müffelte, sondern sich offenbar im Schlaf den Hals verrenkt hatte. Na fabelhaft, dachte Markus mit einer deutlichen Spur von Sarkasmus, das ist ja wie in einem schlechten Film, als er in Richtung Badezimmer wankte. Es fühlte sich an, als hätte ihm jemand eine Schneeschaufel zwischen die Schulterblätter gerammt und würde bei jeder Bewegung, die er machte, noch einmal nachstoßen.

Ein dröhnendes Pochen in seinen Schläfen erinnerte ihn an seinen Vorsatz, weniger Rotwein zu trinken, den er aber - so viel Ehrlichkeit sich selbst gegenüber musste schon sein - am Vorabend eigentlich nur deshalb gefasst hatte, weil der Bestand in seinem Weinregal sich aktuell auf eine Flasche 2004er Lambrusco "Edition Zack-Umzüge" beschränkte, ein billiges Werbegeschenk, das er selbst im Zustand fortgeschrittener Alkoholisierung nicht anzurühren wagte.

Ein Glück, dass Anne schon in die Schule gefahren ist und mich jetzt nicht sehen kann, dachte er, als er sich vor dem Spiegel ein Bild seiner desolaten physischen Gesamtverfassung machte. Obwohl - sie musste ja wohl wahrgenommen haben, wie er schwitzend und miefend, wahrscheinlich auch noch schnarchend, neben ihr im Bett gelegen hatte.

Er war blass und fahl im Gesicht, was durch eine rotweinbedingte leicht bläuliche Färbung seiner Lippen besonders zur Geltung gebracht wurde. Immerhin korrespondierte die Farbgebung hier trefflich mit den Ringen unter seinen Augen, die von einer Vielzahl kleiner Fältchen - Krähenfüße, so nannte man die wohl - eingerahmt wurde. Fortgeschrittene Geheimratsecken ließen ihn etwas älter wirken als seine 32 Jahre, die aber sowieso nicht seinem gefühlten Alter entsprachen, schon gar nicht an diesem Morgen.

Im Grunde hätte er dies gern in Kauf genommen, wenn die Geheimratsecken nur im Einklang mit einer entsprechenden beruflichen Stellung gestanden hätten. Davon war er allerdings weit entfernt, eine ernüchternde Erkenntnis, die zwar nicht neu war, in diesem Moment aber sprichwörtliche Wirkung zeigte.

Er musste etwas an seinem Leben ändern, diese Einsicht erfüllte schlagartig seinen spärlich behaarten Schädel, als hätte jemand eine Glühbirne angeknipst. Die Nebelglocke aus Restalkohol, die sein Gehirn eben noch verdunkelt hatte, wich ganz unvermittelt einem befreienden Gefühl von Klarheit.

Das Dumme war, dass er bloß noch nicht genau wusste, wie diese Änderung aussehen sollte.

Daher beschloss er, Schritt für Schritt vorzugehen und mit dem Naheliegenden zu beginnen, indem er sich rasierte und den unteren Teil seines Kopfes von überflüssigen Haaren befreite, die doch an anderer Stelle so unvergleichlich viel besser aufgehoben gewesen wären. Wie seltsam widersinnig die Welt manchmal ist, dachte Markus.

Nachdem er seinen Körper mithilfe aller

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen