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Leben spielen von Kossdorff, Jan (eBook)

  • Erschienen: 22.02.2016
  • Verlag: Deuticke im Paul Zsolnay Verlag
eBook (ePUB)
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Leben spielen

Mischa hat die Leidenschaft fürs Theater gegen die Liebe zu Valerie eingetauscht. Doch als sein Freund Sebastian mit einer grandiosen Geschäftsidee auftaucht, kann er nicht widerstehen: Es geht um Inszenierungen, in denen die Kunden selbst, ganz nach Wunsch, eine Rolle spielen. Die Auftraggeber zahlen für die Darstellung privater Wünsche und Träume, für 'Leben spielen'. Ausgerechnet Valerie zieht den ersten Auftrag an Land. Im Mittelpunkt der Szene, die in Wien im Österreich der Nachkriegszeit spielt, steht eine junge Frau, der Valerie verblüffend ähnlich sieht ... Eine Geschichte über Liebe, Freundschaft und das Spiel, das kaum jemandem so einfach gelingt: das Leben.

Jan Kossdorff, geboren 1974, lebt in Wien und Altmünster. Er ist ausgebildeter Drehbuchautor und arbeitet als Journalist und Werbetexter. Bisher erschienen die Bücher: 'Sunnyboys' (2009), 'Spam! - ein Mailodram' (2010). Für 'Kauft Leute' (2013) erhielt er die Buchprämie der Stadt Wien und den Samiel Award für den besten literarischen Schurken. Sein neuer Roman 'Leben spielen' erscheint im Februar.

Produktinformationen

    Größe: 1454kBytes
    Herausgeber: Deuticke im Paul Zsolnay Verlag
    Untertitel: Roman.
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 384
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
    ISBN: 9783552063228
    Erschienen: 22.02.2016
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Leben spielen

2

Es war Abend. Mischa saß in Valeries Wohnung in der Küche, sein Hund lag auf seinem Schoß und schlief. Valerie schälte Äpfel für einen Kuchen und hörte Radio. Sie trug ihre alte Wohnungshose mit einem Loch am Knie und einem am Hintern, dazu ein T-Shirt der Band Mudfuzz, die es längst nicht mehr gab. Die Haare hatte sie hochgesteckt, und ihr Blick bohrte sich gebannt in eine Ecke des Raumes, wo sich überhaupt nichts tat, während sie der Geschichte im Radio folgte. Mischa gähnte herzhaft, dann nahm er noch einen Schluck Weißwein, steckte sich ein paar Nüsse in den Mund und öffnete den obersten Knopf seiner Jeans. Seine Hosen wurden ihm eng. Valerie sah, dass die Decke, in die seine Füße eingewickelt waren, etwas verrutscht war, und richtete sie wieder. Die Therme knackte, der Hund zuckte kurz im Schlaf, es juckte ihn hinterm Ohr. Der Stundenzeiger der Küchenuhr wanderte Richtung neun, sonst tat sich nichts.

Er dachte an Otto und wie er seine Schüler zur Disziplin zu erziehen versucht hatte. Euer Körper und eure Stimme sind euer Instrument. Trainiert sie im selben Maße wie ihr sie schont. Otto verabscheute Alkohol, und er hasste es, sie betrunken zu sehen. Wenn sie bei einer Feier zu viel getrunken hatten, verließ er beleidigt das Lokal. Er wollte sie fürs Wandern und Schwimmen begeistern, aber sie wollten nur spielen. Spielen, lieben, trinken. Eine Bande von Schwererziehbaren. Noch schlimmer war es mit dem Essen. Er hatte einen Menüplan für sie entwickelt, eine Schauspieler-Diät. Er liebte Fisch, Gemüse, Kleie, die japanische und tibetische Küche. Sie kümmerten sich nicht darum. Wenn sie spielten, vergaßen sie aufs Essen, und wenn irgendwann der Hunger kam, schlangen sie alles in sich hinein, was gerade verfügbar war. Wenigstens vor der Premiere esst vernünftig , forderte er, aber gerade dann war es sinnlos, schon die Tage davor behielt man kaum etwas bei sich; am Premierentag selbst war Kotzen dann ohnehin unvermeidlich. Immer wieder riet er ihnen zu Yoga, und manche von ihnen probierten es und mochten es auch, aber keiner blieb dabei, sie waren zu unstet. Christa , sagte Otto zu Mischas Mutter, hier ist dein Junge stark , und er deutete auf sein Herz und seine Stirn, aber hier und hier sind seine Schwachpunkte , und er zeigte auf seine Knie und seinen Rücken. Das war zehn Jahre bevor er dort wirklich Probleme bekam.

Wenn ihr Schnaps trinken wollt, trinkt ein Bier. Wenn ihr Bier wollt, trinkt Limonade. Schaut nicht Tatort , lest Othello . Anstatt zu rauchen, öffnet das Fenster. Wenn ihr einmal um den Block gehen wollt, geht einmal um die Stadt. Verliebt euch, aber bitte erzählt mir nichts davon!

Als die Sendung, die Valerie hörte, zu Ende war und die Sound-Signation des Senders erklang, sagte Mischa: "Mein ehemaliger Schauspiellehrer ist gestorben!"

Valerie schaute auf und ließ das Schneidemesser sinken.

"Wie denn und wann?", fragte sie, und er konnte hören, dass sie sich nicht sicher war, ob sie wissen müsse, ob oder wie sehr ihn das mitnahm. Auch sein Hund war plötzlich aufgewacht und sah ihn erwartungsvoll an, als hätte Mischa einen Spaziergang in Aussicht gestellt.

"Ich weiß gar nichts", sagte er, "ich hab nur eine Einladung zu der Abschiedsfeier bekommen."

"Wie alt war er?", wollte Valerie wissen.

Er musste überlegen. "Schwer zu sagen, so Anfang siebzig vielleicht. Aber er ist ja immer unheimlich fit gewesen. Sein Körper war sein Tempel, er hat wirklich auf sich achtgegeben."

Valerie machte damit weiter, Äpfel zu schälen.

"Magst du mir von ihm erzählen?"

Er zögerte, er wusste nicht, ob er das wollte, aber dann kam es einfach aus ihm heraus:

"Er war ein spiritueller Mensch. Er hat sich seine eigene Religion zusammengebastelt. Großteils aus dem Buddhismus-Baukasten, aber auch aus d

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