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Lehrerin einer neuen Zeit Maria Montessori - Die schwerste Entscheidung ihres Lebens traf sie für das Wohl der Kinder von Baldini, Laura (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.08.2020
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Lehrerin einer neuen Zeit

Die Ausnahmepädagogin, die ihr Leben den Kindern widmete Rom, 1896. Die junge Maria Montessori ist erschüttert, als sie den vermeintlich schwachsinnigen Kindern in der Psychiatrie begegnet: Gespenstische Stille herrscht in dem nackten Raum, und sie blickt in todtraurige Gesichter. Als Maria darauf besteht, den Kindern Spielzeug zu geben, erwachen sie zum Leben. Die Klinikärzte können nicht fassen, welche Verwandlung sich vor ihren Augen abspielt. Für Maria ist es einer ihrer größten Glücksmomente und der Beginn einer beispiellosen pädagogischen Karriere. Bald jedoch stellt die Liebe zu einem Kollegen sie vor die schwerste Entscheidung ihres Lebens.

Laura Baldini absolvierte eine Ausbildung zur Kindergartenpädagogin, arbeitete zunächst als Kindergärtnerin und veröffentlichte Kindergeschichten, Kinderbücher und pädagogische Fachbücher. 2007 erhielt sie das Wiener Autorenstipendium für den Entwurf zu ihrem ersten historischen Roman Die Hebamme von Wien. Mit dem Stipendium nahm sie sich eine Auszeit vom Kindergarten und beendete neben dem Roman auch eine Zusatzausbildung zur mobilen Frühförderin, seitdem ist sie in der Frühförderung tätig. Leben und Werk von Maria Montessori haben Beate Maly seit vielen Jahren fasziniert und begeistert. Beate Maly ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Wien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 10.08.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492996747
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 5558 kBytes
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Lehrerin einer neuen Zeit

Rom, Herbst 1895

Signorina Montessori, bitte kommen Sie nach der Vorlesung in mein Büro!« Ohne von seinen Unterlagen aufzublicken, fuhr Professor Bartolotti in seinem Vortrag über Hygiene fort. Die Aufmerksamkeit der Studenten war unterdessen auf Maria gerichtet, die wie immer in der letzten Reihe saß und den Raum erst betreten hatte, als alle anderen bereits Platz genommen hatten. Einige drehten die Köpfe zu ihr und tuschelten hinter vorgehaltener Hand. Testoni und Balfano, die in der Reihe vor Maria saßen, machten sich nicht einmal die Mühe zu flüstern. Sie redeten so laut, dass sie die Worte »elende Streberin« und »ein Mannsweib, das ist gegen die Natur« problemlos verstehen konnte.

»Testoni, haben Sie meinem Vortrag etwas Wertvolles hinzuzufügen?«

Das Gesicht des angesprochenen Studenten lief dunkelrot an. Er schüttelte verlegen den Kopf.

»Dann halten Sie bitte die nächsten fünfzig Minuten lang Ihren Mund. Das ist in unser aller Interesse.« Jemand in der ersten Reihe kicherte schadenfroh. Testoni schwang zwar in den Pausen große Reden, doch im Unterricht war er zurückhaltend, was damit zu tun hatte, dass er zu wenig lernte, seine Prüfungen immer erst im zweiten Anlauf bestand und auch dann nur miserable Noten erzielte. Es war zu hoffen, dass er niemals als Arzt arbeiten würde. Wie viele andere junge Männer aus reichen römischen Patrizierfamilien besuchte er die Universität aus reinem Zeitvertreib, bis er Anspruch auf sein Erbe hatte. Es war anzunehmen, dass er über kurz oder lang eine einflussreiche Position in der Politik innehaben würde, genau wie sein Vater, der in der Stadtregierung saß und über die Verwendung der Steuergelder von weitaus weniger Privilegierten entschied.

Maria konnte dem Vortrag nur mit halber Aufmerksamkeit folgen. Sie fragte sich, was Bartolotti von ihr wollte. Würde er ihr weitere Übungen im Anatomiesaal aufbrummen? Das konnte nicht sein. Dank der Zigarren ihres Vaters hatte sie das Semester überstanden. Jede Übung war eine Tortur gewesen, aber sie hatte sich bloß ein einziges Mal übergeben müssen. Nach der letzten Stunde hatte sie sich geschworen, den Saal nie wieder allein zu betreten und jeden Raum sofort zu verlassen, in dem mehr als zwei Leute rauchten.

Während Bartolotti über die Ausbreitung von Seuchen dozierte und erklärte, wie Ärzte sich vor möglicher Ansteckung schützen konnten, malte Maria Spiralen und Kreise auf ihren Notizblock, eine Angewohnheit seit der Grundschulzeit. Sobald sie nervös war oder Probleme mit der Konzentration hatte, wanderte ihr Stift in Dauerschleifen übers Papier. Manchmal entstanden dabei hübsche Muster, dann wieder nur wirre Kritzelei. Als der Professor endlich seine Ausführungen beendete, hatte Maria ein ganzes Blatt mit Kringeln gefüllt. Rasch klappte sie den Block zusammen und klemmte ihn unter den Arm, bevor sie aufstand und aus dem Vorlesungssaal ging. Sie musste nicht nur als Letzte den Raum betreten, sondern ihn auch als Erste wieder verlassen. Zu Beginn des Studiums hatte sie sich vor diesen Situationen gefürchtet. Die Kollegen hatten absichtlich alle Plätze bis auf einen einzigen direkt vor dem Rednerpult des Professors belegt, weshalb Maria jedes Mal vor den Augen aller den Saal hatte durchqueren müssen. Mittlerweile scheute Maria die Aufmerksamkeit nicht mehr. Meist erhielt sie einen Platz in der letzten Reihe.

Zügig ging sie auf das Büro des Professors zu. Vor der hohen, glänzenden Holztür blieb sie stehen und wartete. Schon nach wenigen Minuten folgte ihr Bartolotti mit langsamen Schritten. Unter seinem Arm hatte er die Mappe eingeklemmt, aus der er eben noch vorgetragen hatte.

»Treten Sie ein, meine Liebe«, sagte er zuvorkommend und öffnete ihr die Tür. Es war nicht das erste Mal, dass Maria im Büro des Professors war. In einem kleinen Vorzimmer hockte Bartolottis Sekretär hinter einem Schreibtisch, auf dem sich das Papier türmte. Der hagere Mann trug Ärmelschoner über dem grauen

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