text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Lesen, was kommt! 2.2015: Fern

  • Erscheinungsdatum: 16.07.2015
  • Verlag: Hanser
eBook (ePUB)
kostenlos
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Lesen, was kommt!

Wie ist das Leben in der Ferne? Abenteuerlich, aufregend, gefährlich? Welchen Gefahren sind die Menschen ausgesetzt, welche Wünsche und Träume haben Sie? Wie lebt und liebt man in anderen Gesellschaften, Kulturen und Staatssystemen? Folgen Sie unseren Autoren in andere Länder und Welten - egal ob in der Vergangenheit oder Gegenwart. Gleich hier anhand der zusammengestellten Leseproben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 16.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446250444
    Verlag: Hanser
    Größe: 19576 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Lesen, was kommt!

Peter Høeg:

Der Susan-Effekt
Über das Buch

Susan ist Physikerin, bäckt nachts um drei Croissants für ihre Familie - und sie hat eine außergewöhnliche Gabe: Jeder, der mit ihr spricht, wird absolut aufrichtig. Als sie einem hochrangigen Justizbeamten das Protokoll eines geheimen Gremiums beschaffen soll, wird plötzlich ein Mitglied nach dem anderen ermordet. Mit irrwitzigen Einfällen und ihrem einzigartigen Effekt kämpft Susan darum, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Ein phantastischer Pageturner mit einer unschlagbaren Heldin.

ZUR LESEPROBE

ZUM AUTOR

ZUR WEBSITE DES BUCHES

<< ZURÜCK ZUM INHALTSVERZEICHNIS
Leseprobe

29

Die Kurve, die unser Verhältnis zu anderen Menschen als Funktion der Zeit abbildet, nähert sich einer Geraden an. Das bedeutet, dass in unseren Beziehungen zueinander ein Tag dem anderen gleicht. An manchen Tagen geht's bergab, in der Regel bleibt alles beim Alten. Die Augenblicke, in denen man an einem Punkt differenziert und entdeckt, dass die Tangente einen positiven Neigungskoeffizienten hat, dass wir uns also annähern, sind rar.

Und sehr selten sind die Augenblicke, in denen die Funktion unterbrochen wird und plötzlich springt.

Einem derartigen Augenblick scheinen wir uns gerade mit Dorthea Skousen zu nähern.

Sie sitzt auf dem Beifahrersitz neben Laban, auf ihrem Schoß liegt ein auseinandergefalteter Plan des Gangsystems unter Christiansborg, dem Sitz des Parlaments.

Es ist eine Fotokopie, die aus der Kinderzeit der Kopiermaschine in den sechziger Jahren stammen muss. Das Papier ist vergilbt, die Linien sind körnig, die Maschine schaffte nur DIN-A4-Formate, so dass der Plan aus fünf oder sechs Blättern dieser Größe zusammengeklebt ist. Wo der Klebstoff nicht mehr haftete, sind die Teile mit Tesafilm verbunden.

Jeder Bogen trägt den Stempel "Vertraulich", mit vermutlich roter Stempelfarbe, die auf der Kopie als verwischtes Grau erscheint.

Dorthea hatte immer etwas Kommunal-Verantwortliches an sich. Damit ist nicht nur ihre Sauberkeit gemeint, sondern auch die Sorgfalt, mit der sie und Ingeman den Bürgersteig vor ihrem Haus vom Schnee geräumt und gestreut haben. Und vor unserem, weil wir es vergessen hatten. Und die Korrektheit, mit der sie ihren alten Volvo fahren, ein Fahrzeug aus den Sechzigern, eigentlich ein Oldtimer, aber am Leben gehalten mit süßen Worten und einer geheizten Garage und vierzig Jahren unfallfreiem Fahren und der generellen Atmosphäre, die seine Halter umgibt.

Diese Seite von Dorthea verstehe ich sehr gut. Ich bin selber kommunal. Fünfundneunzig Prozent der Wissenschaft sind es. Ein umfassendes Regelwerk, verwaltet von Buchhaltern mit Universitätsausbildung.

Aber was jetzt bei Dorthea sichtbar wird, ist etwas anderes. Sie ist ganz ruhig, aber sie und wir wissen, was der verwischte Schatten des Vertraulich-Stempels auf den Bögen bedeutet. Sie steht im Begriff, ihre kommunale Schweigepflicht zu brechen, zu der sie sich einst per Unterschrift verpflichtet hatte.

"Das Gangsystem unter Christiansborg war im Tag-der-offenen-Tür-Scheckheft achtmal hintereinander vertreten. In den ersten Jahren habe ich die Führung selber geleitet. Ich hatte eine Vollmacht. Wer hätte es auch sonst machen sollen? Nur die Hausmeister kannten die Tunnel und hatten da unten überhaupt etwas zu tun. Mehrere Gänge waren wegen Einsturzgefahr gesperrt. Aber die Hausmeister konnten wir schlecht bitten, die Leute herumzuführen. Das mussten wir selber tun. Die Gänge fangen unter dem Thorvaldsen Museum an. Führen durch die Krypta unter der Schlosskirche. Ein Teil verzweigt sich dann unter den königlichen Ställen. Ein anderer Teil führt durch die Kopenhagener Kasematten, die Keller mit der Ausstellung dessen, was noch von Absalons Hof übrig ist. Danach setzen sie sich unter dem Folketing fort und

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.