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Leuchtspielhaus von Randt, Leif (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.08.2010
  • Verlag: Berlin Verlag
eBook (ePUB)
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Leuchtspielhaus

Beas Spuren finden sich in allen Bezirken Londons: Statements, leuchtende Sonnen, Pandas und Astronauten. Sie ist die bedeutendste Künstlerin Europas. Daran glaubt mit Eric und Helen auch die Avantgarde des East End. Doch Bea ist verschwunden. Eric, der eine zerrissene Existenz zwischen südhessischen Videoclips und neuen britischen Frisuren lebt, begibt sich auf eine Suche in London, Osteuropa und der Schweiz... Leif Randts Debüt öffnet eine vielfarbige Welt zwischen Gegenwart und Trash-Fiktion; gestochen scharf und betörend schön.

Leif Randt, 1983 in Frankfurt am Main geboren, studierte in Gießen, London und Hildesheim. Er wurde u. a. ausgezeichnet mit dem Ernst-Willner-Preis in Klagenfurt, dem Nicolas-Born-Debütpreis und dem Düsseldorfer Literaturpreis. Leif Randt lebt in Berlin und in Maintal-Ost. Bislang erschienen von ihm die Romane "Leuchtspielhaus" (2010) und "Schimmernder Dunst über Coby County" (2011).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 07.08.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827072955
    Verlag: Berlin Verlag
    Größe: 953 kBytes
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Leuchtspielhaus

VINTAGE_HAIR

Wir haben neue Glühbirnen in die Fassungen gedreht, um in gelberem Licht zu sitzen. Es ist absolut mild in unserem Salon, als lebten wir weit im Süden. Hinter der Frontscheibe tragen Passanten Kombinationen aus Baumwolle, Polyester und Filz, sie tragen alles übereinander, lehnen sich in den Sturm und atmen Wolken aus. Die Gehsteige wurden von den Stadtwerken mit Splitt bestreut, damit niemand mehr Rollerblades fährt [DON'T SPORT ROLLER BLADES;]. Wir sind ein warmer Würfel zwischen den Signallichtern der Shops und Bistros. Die meisten Shops verkaufen Joghurt und Drinks, in den Bistros stehen uniformierte Männer vor frittierten Hähnchenteilen. Die weiß ausgeleuchteten Chickenräume geben Londons Straßen ihren Rhythmus, die Menüs und Snacks sind ständig zu riechen. Wir haben uns vorgenommen, mit unseren neuen Blousons solche Räume niemals zu betreten. Jeder Member trägt einen anderen Schnitt und eine von vierzehn Farben; manchmal gehen wir aufgereiht als Regenbogen durch die Stadt. Ich trage den Blouson heute in Oliv und offen und so lang, dass ich zu Teilen auf ihm sitze, während ich durch Helens Skript blättere.

WOHNHEIM_WILEYS ZIMMER [innen / tag]

Wiley sitzt auf seinem Bett (der Bezug ist mit naiven Spaceshuttles bedruckt). Sein Zimmer läuft schlauchförmig auf ein Fensterquadrat zu. Draußen singen Vögel, der Himmel ist grell blau. Wiley hat die melancholischsten Augen (Teenage-Wasteland-Augen). Ein helles Türkis umgibt seinen Körper und summt energetisch. Auf dem Teppichboden liegen Sportmagazine (auf den Covers: glänzende Muskeln unter lachenden Gesichtern). Wiley ist hager, beinahe dürr, sein Gesicht wirkt blass. Er steht vorsichtig auf, tritt vor sein Fenster und schaut nach draußen. Seine Umrisse flackern.

Durch Wileys Augen: Der Campus im Licht. Junge Studenten tanzen in Frotteeanzügen auf der Wiese (auf der DVD-/BluRay-Edition lässt sich der Song, den sie befeiern, lauter drehen: Springtime in Rainbow County! , fröhliche Kinderverse). Ein Vogel kreuzt das Fensterquadrat. Wileys Türkis erfasst ihn. DUFFFFFF! Der Vogel zerpufft blitzend zu Staub. Einzelne Federn rotieren in Richtung Campusgrün. Wileys Augen füllen sich mit Tränen. Er lässt sich auf seiner Bettkante nieder und stützt seinen Kopf in die Hände. Sein Powerrahmen knistert.

Es sind erst vier Seiten, doch ich empfinde bereits Trost. Helen hat in ihrem Teenage nie gelesen, aber will sich ganz in den Text hineinwerfen, will grelle Sequenzen schreiben; aus ihrer Generation heraus, in die anderen Generationen hinein. Ich lese von Wiley wie von einem guten Freund. Als Helen mir das Skript gab, sagte sie: "Das wird mein erster Film. Halt dich zurück. Wer Talente zu früh lobt, macht sie kaputt." Also schweige ich und meide ihren Blick, als sie mit Knusperjoghurts in den Salon zurückkehrt. Auf der anderen Straßenseite kaufen einheimische Jugendliche Pappschachteln voller Geflügelnuggets. Sie tragen Rollerblades von vor vielen Jahren wie neu über ihren Schultern. Den meisten geht es überhaupt nicht ums Bladen [WATCH THE MOVEMENTS DIE;]. Die Generation nach uns ist teils schwer zu akzeptieren, nur vereinzelte Bea-Fans und Talente werden zu Members und Freunden. Helen schaut mich an, als mache sie sich Sorgen. Ich halte ihren Text vor mein Gesicht.

DINING_HALL [innen / tag

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