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Liebe, Zimt und Zucker von Hanel, Julia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.09.2016
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
8,99 €
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Liebe, Zimt und Zucker

Wenn das Leben dir nur schwarzen Kaffee gibt, frag nach Zimt und Zucker!

Marit zieht für ihre große Liebe extra von Hamburg in die Kleinstadt. Doch dann verlässt Tobias sie von einem Tag auf den anderen, und Marit steht vor dem Nichts. Spontan nimmt sie einen Job im Coffeeshop an, was eigentlich so gar nicht ihr Ding ist. Und während sie sich mit ihrem dauerentspannten Kollegen Moritz und den anderen skurrilen Kleinstadtbewohnern herumschlägt, tritt plötzlich ein ganz neuer Mann in ihr Leben. Als sie im Coffeeshop einen USB-Stick findet, macht sie sich auf die Suche nach dessen Besitzer. Mit Julian hat sie zunächst nur per E-Mail Kontakt, doch Marit merkt, dass sie mehr möchte. Von Julian, vom Leben.



Julia Hanel, geboren 1987 in Ansbach, studierte Germanistik in Bamberg und arbeitete danach als Redakteurin in Fulda. Heute lebt und arbeitet sie in Würzburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 09.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843712859
    Verlag: Ullstein
    Serie: Ullstein Taschenbuch 28788
    Größe: 1609 kBytes
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Liebe, Zimt und Zucker

1.

Eine Woche zuvor

»Cappuccino und Expresso, bitte.«

Wer in einem Coffeeshop arbeitet, lernt fürs Leben: 86,9 Prozent aller Menschen können kein Italienisch.

»Für hier oder zum Mitnehmen?«

»Zum hier«, antwortet der Mann auf der anderen Seite des Tresens.

86,9 Prozent können weder Italienisch noch Deutsch.

»Klein, mittel oder groß?«

»Normal.«

»Also klein?«, hake ich nach.

»Na, normal.«

Er sieht mich verständnislos an, und ich zwinge mich zu einem freundlichen Lächeln, einem, bei dem man sogar meine Zähne sieht. Routiniert schiebe ich eine kleine weiße Tasse unter den Vollautomaten, der wuchtig vor mir thront. So routiniert, als hätte ich mein Leben lang nichts anderes gemacht. Als wäre es meine Berufung, kleine weiße Tassen unter Vollautomaten zu stellen.

»Das ist doch aber der kleine«, bemerkt der Kunde grimmig, während sein wurstiger Zeigefinger auf die brummende Maschine deutet, aus der gerade ein brauner dünner Strahl in die Tasse schießt und kleine Dampfwolken dabei erzeugt. Er ist groß und kräftig und sieht in seinem neongelben T-Shirt aus, als hätte er eine ganze Packung Textmarker zum Frühstück vertilgt.

»Ja, Sie haben normal gesagt.«

»Ich will aber den in der größeren Tasse, den mittleren!«

Er bläst die Backen wie ein Hamster auf, während auf seiner Stirn eine feine Ader hervortritt.

»Normal ist immer klein«, erkläre ich geduldig - zum gefühlten dreiundvierzigsten Mal in dieser Woche und füge ein gemurmeltes »zumindest bei uns« hinzu, weil mir diese Regel selbst nicht ganz einleuchtet. Aber wer längere Zeit in einem Coffeeshop arbeitet, lernt schnell, dass der Ausdruck normal so ziemlich alles heißen kann.

»Bei mir heißt normal aber mittel.«

»Tut mir leid, aber bei uns bedeutet normal immer klein.«

»Dann müssen Sie das schon hinschreiben«, wettert er.

Ich kämpfe gegen den Drang an, »Expresso« zu sagen, dass es keinen Sinn macht, unsere Kunden darauf aufmerksam zu machen, dass normal bei uns klein bedeutet, denn dann müsste ich ihm auch gleich erklären, dass normal nicht einmal auf unserer Karte steht, und dann würde er mir womöglich empfehlen, normal in die Karte aufzunehmen, und ich müsste diesen Vorschlag respektvoll ablehnen und wieder mein Zahnpasta-Lächeln aufsetzen, das mir erschreckenderweise von Tag zu Tag leichter fällt.

»Das gebe ich gern an meine Chefin weiter.«

So gern, wie Menschen Marder unter ihren Autos hervorspringen sehen.

»Expresso« scheint für den Augenblick besänftigt, legt den passenden Betrag an Münzen auf den Tresen und balanciert die beiden Tassen ungelenk an Tisch drei, wo seine Frau geradezu ekstatisch mit dem Zuckerstreuer über ihren Cappuccino herfällt. Wahrscheinlich wünscht er sich in diesem Moment, sie würde sich nur einmal in ihrem Leben so auf ihn stürzen.

Ich kehre den beiden den Rücken zu und räume das Geschirr in die Spülmaschine, das mein Kollege Moritz zu so instabilen Türmchen gestapelt hat, dass ein einziger falscher Handgriff alles zum Einsturz bringen könnte. Ein bisschen wie beim »Jenga«-Spielen. Und wenn's schiefgeht, wie bei einem Polterabend.

»Da fehlt noch Ma-ze-do-nia.«

Ich weiß schon, bevor ich mich umdrehe, wer am Tresen steht und die Silben dieses Wortes so lange dehnt, als bestünden sie aus extra elastischem Kaugummi. Als ich nicht reagiere und fieberhaft überlege, was ein Balkanstaat mit Cappuccino zu tun haben könnte, bringt »Expresso« wieder den Wurstfinger ins Spiel und deutet auf die Coffee-Flavour-Flaschen, die in allen erdenklichen Farbtönen in einer akkuraten Reihe hinter mir auf einem Regal stehen.

»Das da«, murrt er ungeduldig.

»Meinen Sie die Flavours?«

Als mir das Wort »Flavours«

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