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Liebe ist die beste Köchin Roman von Kramer, Irmgard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.09.2019
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Liebe ist die beste Köchin

Die wilden Weiber vom Gasthaus 'Lamm' - so nennen die schrulligen Dorfbewohner die Frauen der Familie Lehner. Johanna, die achtunddreißigjährige Köchin, hat es nicht leicht mit ihren vier durchgeknallten Tanten und ihrer Mutter, die an Demenz leidet, aber trotzdem in der Küche mithelfen will. Und als dann auch noch der Buchhändler Jerome auftaucht und Johanna den Kopf verdreht, ist das Chaos komplett. Johanna flüchtet sich in die Welt der Bücher und schreibt heimlich an ihrem Manuskript. Ohne zu ahnen, dass dieser Roman ihr Leben radikal verändern wird ...

Irmgard Kramer, geboren 1969 in Vorarlberg und aufgewachsen, lebt als freie Autorin im Bregenzerwald in Österreich. 2011 hängte sie ihre Arbeit als Volksschullehrerin an den Beamtennagel und schreibt seither Kinder- und Jugendbücher, sowie Artikel und Porträts für Magazine. 2014 erschien mit 'Sunny Valentine' ihr vielbeachteter erster Kinderroman, der schnell ein größeres Publikum erreichte. Viele weitere Bücher folgten. Im Jahr 2016 wurde sie mit ihrem Jugendroman 'Am Ende der Welt traf ich Noah' für den DeLiA nominiert. Kramer schreibt sowohl für Kinder, Jugendliche als auch für Erwachsene.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 02.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492992893
    Verlag: Piper Verlag
    Serie: Piper Taschenbuch 31320
    Größe: 6224 kBytes
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Liebe ist die beste Köchin

EINS

 

Die Sonne ging gerade auf, als ich sechs Kilo Rinderknochen vom Keller in die Küche schleppte, um sie in der Spüle zu waschen. Die alten Elektroplatten auf der Kochinsel glühten bereits, und Zwiebelhälften schmurgelten im Suppentopf. Auf nüchternen Magen fand ich den Geruch unangenehm - vielleicht sollte ich doch frühstücken. Ich schaltete den Dunstabzug auf die höchste Stufe. Das alte Ding machte einen Höllenlärm. Im Vorbeigehen schnappte ich mir eine Scheibe Brot vom Vortag aus einem Korb, kaute daran herum, gab die Knochen zu den Zwiebeln und goss vierzig Liter kaltes Wasser darüber. Aus der Kühlkammer holte ich Sellerie, Liebstöckel, Petersilienwurzeln und zwei Kilo Karotten für die Rindssuppe, die ich dann mit Backerbsen und anderen Einlagen anbieten konnte. Wo waren die Lauchstangen? Ich zog jede Kiste aus dem untersten Regal: Äpfel, Rote Beete, Kürbis. Geschälte Kartoffeln schwammen im Wassereimer. Auf dem Weg in den Keller überholte ich Tante Elisabeth, die einen Korb Tischwäsche zu den Waschmaschinen schleppte.

»Du meiner Seel', kann ich dir helfen?«

»Haben wir noch Lauch?«, fragte ich und eilte an ihr vorbei, ohne eine Antwort abzuwarten.

Im Trockenraum fand ich Schalotten, Mehl und Kürbiskernöl, aber keinen Lauch. Ich öffnete die Tür zur Schleuse, in die unsere Lieferanten, die alle einen Schlüssel besaßen, frühmorgens ihre Waren stellten. Dort standen zwar vierhundert Eier, mehrere Kisten Lollo Rosso, Feldsalat und Gurken, aber den Lauch hatte Toni vom Foodexpress schon wieder vergessen. Langsam hatte ich den Verdacht, dass er sich für Tante Germanas grausame Verhandlungstaktik rächte, indem er immer wieder Teile unserer Bestellung »vergaß«. Tante Germana war unnachgiebig, wenn es darum ging, die Preise zu drücken.

Ich nahm einen Stapel Eier mit hinauf in die Küche - kein Weg umsonst, das hatte ich mir längst zum Grundsatz gemacht. Tante Elisabeth folgte mir, band sich eine Schürze um und fing mit den Vorbereitungen für das Mittagessen an: Salat in Eiswasser waschen, Kräuter hacken, Karotten schälen und hobeln, Salatdressing anmachen. Dabei sang sie mit hoher Stimme und ihrem Altfrauenvibrato Du bist das Licht der Welt. Man musste dankbar sein, dass es zu so früher Stunde nicht das Ave Maria war.

Während ich Schaum von der inzwischen köchelnden Suppe schöpfte, rief ich Germana an, die in aller Herrgottsfrüh mit meiner Mutter in die Stadt zum Friseur gefahren war, der extra für sie zeitig öffnete.

»Kannst du Lauch mitbringen?«, brüllte ich gegen den Lärm des Dunstabzuges an und riss eine Kühlschublade nach der anderen auf, um zu kontrollieren, ob sonst alles da war, was ich brauchte.

»Sag bloß, der Trottel hat schon wieder falsch geliefert!«, keifte Tante Germana. »Es muss doch möglich sein, einen Lieferanten zu kriegen, der einen höheren IQ hat als sein Gemüse?«

»Bring einfach den Lauch mit, ja? Bitte.« Ich würgte das Gespräch ab und warf das Telefon neben die Fritteuse.

Bis Germana mit meiner Mutter vom Friseur zurückkam, musste ich möglichst viel geschafft haben. Ich erhitzte Rapsöl, verquirlte Wasser, Salz, Mehl und Eier zu einem Teig und ließ ihn durch ein grobes Sieb in das heiße Öl tropfen. Die goldgelben Backerbsen verteilte ich auf Küchenkrepp. Kühl gelagert in einer Plastikschüssel, müssten sie für wenigstens vier Tage reichen.

Schon zehn. Die Zeit rann mir davon. Ich verarbeitete eine große Masse Hackfleisch zu einem Falschen Hasen - sobald er fertig war, würde ich ihn kalt stellen, dann brauchte man ihn nur noch scheibenweise in einer Soße aufzuwärmen. In Gedanken hakte ich die Speisekarte ab: Kürbiscremesuppe fertig. Backerbsensuppe so gut wie. Das Kalbsragout hatte gestern sieben Stunden geköchelt und würde bis Mitte nächster Woche reichen. Vom Schweinebraten waren noch fünf Portionen übrig - ich musste mich morgen um Nachschub kümmern

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