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Liebe kann man nicht googeln Roman von Stein, Julia K. (eBook)

  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (PDF)
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Liebe kann man nicht googeln

Lena ist 33 Jahre und ganz frisch Single. Sie schreibt für das Frauenmagazin "Grace" - jedenfalls wenn sie nicht gerade googelt, im Internet shoppt oder Facebook durchkämmt. Um ihren Traummann Björn zu beeindrucken, muss eine neue Lena her: eine ernsthafte Journalistin mit perfektem Styling, die Bergsteigen liebt statt Blaubeer-Muffins. Leider hat diese Frau nichts mit der echten Lena gemein. Björn verliebt sich dennoch in sie, aber wie lange kann das gut gehen? Hat Lena ihre Chance vergoogelt?

Julia K. Stein wurde im Ruhrgebiet geboren. Sie hat Philosophie studiert, über Literatur promoviert und viele Jahre in den USA gelebt. Aus eigener Erfahrung und den Gesprächen mit ihren internetsüchtigen Freundinnen entstand die Idee zum Roman "Liebe kann man nicht googeln". Zuvor hat Julia K. Stein Sachbücher, Kurzgeschichten und Gedichte veröffentlicht. www.jkstein.de

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 476
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839242773
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 2458 kBytes
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Liebe kann man nicht googeln

11:10 Uhr

Sorry, dass die nächtliche Live-Berichterstattung eingestellt werden musste. Die Autorin fühlte sich unpässlich. Falls jemand hochhackige goldene D&G-Schuhe am Kampener Strand findet, diese bitte umgehend in der Pension Bei Greta abgeben. Man könnte jetzt falsche Rückschlüsse dahingehend ziehen, was gestern Abend passiert ist. Möglicherweise hatte ich die Situation bei meinem letzten Live-Eintrag falsch eingeschätzt. Dies war schließlich meine Chance, meine elfjährige Flirt-Abstinenz und daraus resultierende Flirt-Unfähigkeit zu überwinden und mal wieder mit einem niedlichen Typen zu knutschen und zu fummeln (sagt man das heute noch?). Es war der ersehnte Wink des Schicksals, der mich davor bewahren sollte, als spätes Mädchen , wie meine Oma das bezeichnet hätte, mit aschgrauem Pagenkopf in Polyesterhose den Rest meines Lebens auf dem Chenille-Sofa meines Vaters zu verbringen. Ich erzähle der Reihe nach, wie es zu dem hoffnungsvollen letzten Eintrag um 2:12 Uhr kommen konnte.

Es begann vielversprechend. Jörn und ich tanzten im Pony zusammen, beziehungsweise nebeneinander. Umspielt von weichem Rotlicht drehten wir uns voreinander hin und her, ohne uns zu berühren, beziehungsweise nur gelegentlich aus Versehen . Wir schüttelten die Schultern, gingen in die Knie und ich schleuderte meine Hüften mit einer derartigen Wucht hin und her, dass die Gelenke in den Hüftpfannen bei meinen Ü-Dreißig-Knochen hörbar geknirscht hätten, wenn die laute Musik nicht gewesen wäre. Manchmal grinsten wir uns an, wenn der andere einen besonders absurden Move versucht hatte. Jörn hatte inzwischen Schweißperlen auf der Stirn und einige dunkelblonde Haarsträhnen klebten an seinen Schläfen, die er gelegentlich nach hinten strich. Wenn ich aus Versehen beim Tanzen mit der Nase an sein blaues Polohemd kam, roch es nach dieser wundervollen Zitrone trotz der Hitze im Pony . Gelegentlich wandten wir uns unseren Freunden oder anderen x-beliebigen Personen zu und lächelten die freundlich an, wie man das macht, wenn man sich unverbindlich aneinander herantanzt, aber noch ein bisschen auf schwer zu haben macht. Irgendwann begannen wir die anderen Tanzenden und ihre Moves zu parodieren, was zu gelegentlichen Lachanfällen führte und dazu, dass wir immer mehr ausschließlich voreinander tanzten und mein Grinsen fest in mein Gesicht einzementiert war. Der Raum verschwamm wie ein unscharfes Hintergrundbild, nur sein Gesicht war scharf gestellt. Dann allerdings drängte sich ein älterer Headbanger, der schon zu AC/DC-Zeiten geübt haben musste, nah an uns ran und wir begannen, ihn ebenfalls zu parodieren. Kurz später standen wir uns gegenüber und ließen wie wahnsinnig unsere Köpfe kreisen. Ich hatte das Gefühl, gleich abzuheben von dem Drehen, der Bowle, der lauten Musik. Meine ganze Existenz war nur noch auf Jörn ausgerichtet. Dann schleuderte ich ihm aus Versehen meine Haare mit Karacho in die Augen. Er zuckte zurück, als hätte ich ihm einen Kinnhaken gegeben, drückte sich die Hände auf die Lider und stand einen Moment wie gelähmt da. Als er hochsah, hatte sein linkes Auge wie wild zu tränen begonnen.

"Oh nein, oh nein, das tut mir so leid", schrie ich über die Musik hinweg und nutzte die Gelegenheit, fürsorglich meine Hand um sein heißes Handgelenk zu legen und insgesamt nah heranzukommen. Sofort wurde ich wieder von dem Zitronen-Weichspüler umnebelt und konnte keinen Gedanken mehr fassen, weil ich nur sein glühendes Handgelenk zwischen den Fingern spürte.

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