text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Liebe und Marillenknödel Roman von Sternberg, Emma (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.04.2012
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Liebe und Marillenknödel

Gibt es ein Rezept für die Liebe?
Für das Leben gibt es kein Rezept. Oder hat Sophie es nur noch nicht gefunden? Jedenfalls geht bei der 33-jährigen Hamburgerin gerade alles schief: Beziehung kaputt, Job weg, und dann stirbt auch noch ihre geliebte Tante Johanna. Immerhin: Sophie erbt Johannas Pension in den Südtiroler Alpen, Chance für einen Neubeginn. Nur: Statt Bergidylle findet sie eine Hütte ohne Gäste vor, und dann ist auch noch das Küchenpersonal weg. Wer soll nun die berühmten Marillenknödel machen? Fast will sie aufgeben, als ein neuer Koch anfängt - hat er auch ein Rezept für das Glück?

Emma Sternberg wurde 1979 in Hamburg geboren. Nach acht Semestern Medienwissenschaft hat sie einen Job beim Radio bekommen und ihre Magisterarbeit nie zu Ende geschrieben, was sie bis heute bereut - wenn auch nur ein bisschen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 09.04.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641075620
    Verlag: Heyne
    Größe: 2092 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Liebe und Marillenknödel

1

Ich wache auf, weil das Telefon klingelt. Es klingelt fast lautlos, denn ich habe es irgendwann mal leise gestellt und kann seitdem den Menüpunkt nicht mehr finden, unter dem man den Befehl rückgängig macht. Kein Problem, ich verpasse nie einen Anruf – selbst, wenn ich in der Badewanne liege, dauert es selten länger als drei Sekunden, dann bin ich auch schon dran. Leider ruft außer meinem Bankberater, der mir einen Gesprächstermin über kreditfinanzierte Rentenversicherungen aufschwatzen will, kaum jemand an.

Das Telefon klingelt weiter. Ich drehe mich auf die andere Seite – mein Kopf dröhnt wie eine leere Öltonne. Tut das weh! Ich blinzele, kratze mich stöhnend am Hintern und stelle überrascht fest, dass ich nackt bin! Nackt bin ich normalerweise nie, zumindest nicht morgens beim Aufwachen – ich gehöre zu den Menschen, die nicht einmal daran denken können einzuschlafen, wenn sie nicht wenigstens ein T-Shirt anhaben. Aber ich bin nackt, das ist sicher, denn da vorne neben dem Fernseher liegt es, klein und hellblau und verschrumpelt: mein Unterhöschen.

Wer auch immer da versucht, mich anzurufen, er gibt nicht auf. Das Büro! Ganz kurz durchzuckt mich ein Schreck – es ist offensichtlich schon ziemlich spät, aber dann fällt mir ein, dass es gar nicht das Büro sein kann. Ich bin arbeitslos, seit gestern.

Und plötzlich weiß ich auch, woher ich die Kopfschmerzen habe. Ich habe mich so sehr betrunken, ich dürfte bis Ende der Woche Restalkohol haben. Aua.

Das Telefon klingelt weiter. Ich lasse einen Arm aus dem Bett fallen und taste blind auf dem Fußboden herum – Buch, Haargummi, Kaffeelöffel, halb volle Packung Choco Crossies, zertretene Choco Crossies, leere Fünf-Minuten-Terrine, gebrauchtes Taschentuch. Dann stoße ich gegen eine Flasche, eine Flasche Whisky, wie ich bemerke, als sie über das Parkett kullert, eine Flasche Chivas Regal, die offensichtlich leer ist. Ganz leer. Kein Wunder, dass mein Kopf so dröhnt. Ich wusste gar nicht, dass ich Whisky im Haus hatte.

Stifte, ein Blätterstapel mit Gummi drum herum, noch ein Buch, leere Wasserflasche, dann erreichen meine Fingerspitzen endlich das Telefon. Ich mache den Arm noch einmal ganz lang und kann es endlich greifen. Es klingelt immer noch, und ich sehe widerwillig nach, was auf dem Display steht: Eltern. Und weil mein Vater eigentlich nur anruft, wenn es um diesen Aktienfond geht, in den er jahrelang für mich eingezahlt hat (und dessen Wert inzwischen in den Negativbereich geht), kann Eltern nur heißen: meine Mutter.

Das Letzte, was ein Mensch, der gerade seinen Job verloren hat, gebrauchen kann, ist meine Mutter.

Ich weiß ganz genau, was passieren würde, wenn ich jetzt dranginge und ihr die Wahrheit sagte: Sie würde sich maßlos aufregen, mich mit vorwurfsvoller Stimme an ihre angeborene Herzschwäche erinnern und mir dann subtil zu verstehen geben, dass ich an meiner Situation ja offensichtlich selbst schuld sei, man sehe sich nur mein Magisterzeugnis an. Dann würde sie alle vier Stunden anrufen, um zu hören, ob es schon etwas Neues gibt. Manchmal frage ich mich wirklich, wie man so sadistisch und zugleich so masochistisch sein kann wie sie.

Das Telefon klingelt ein allerletztes Mal, dann ist es endlich still.

Ich lege mich wieder auf den Rücken und versuche zu rekonstruieren, was gestern geschehen ist. Keine leichte Übung.

Also, ganz langsam:

Wie bei allen negativen Dingen im Leben sah am Anfang alles noch ganz positiv aus. Es begann gestern Vormittag, als ich mit dem Manuskript von Ziele verwirklichen durch visuelle Autosuggestion auf dem Weg in die Herstel

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen