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Liebe unter Fischen Roman von Freund, René (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.01.2013
  • Verlag: Deuticke im Paul Zsolnay Verlag
eBook (ePUB)
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Liebe unter Fischen

Fred Firneis, Lyriker mit Sensationsauflagen, leidet nach langen alkoholdurchtränkten Jahren an einem Burnout. Seine Verlegerin, die ihn in seiner Berliner Wohnung aufspürt, schickt ihn in eine Holzhütte in die Alpen nach Österreich. In Grünbach am See gibt es weder Strom noch Handyempfang, und Firneis kommt wieder zu Kräften. Doch dann taucht Mara auf, eine junge Biologin aus der Slowakei, die ihre Doktorarbeit über die Elritze schreibt, einen spannenden kleinen Schwarmfisch. Bald interessiert sich Fred für sämtliche Details von Biologie, Verhaltensforschung - und Mara, die jedoch plötzlich verschwindet ... Eine alpine Liebesgeschichte mit Humor und Showdown in Berlin.

René Freund, geboren 1967, lebt als Autor und Übersetzer in Grünau im Almtal. Er studierte Philosophie, Theaterwissenschaft und Völkerkunde und war von 1988 bis 1990 Dramaturg am Theater in der Josefstadt. Im Deuticke Verlag sind bisher erschienen: Liebe unter Fischen (2013), seine Familiengeschichte Mein Vater, der Deserteur (2014), Niemand weiß, wie spät es ist (2016) und zuletzt Ans Meer (2018).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 28.01.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783552062160
    Verlag: Deuticke im Paul Zsolnay Verlag
    Größe: 1171 kBytes
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Liebe unter Fischen

16 . Juli

Liebe Susanne!

Ich habe jemanden kennengelernt. Sie heißt Mara und ist quasi aus dem See gestiegen, wie eine Nixe, obwohl sie aus der Slowakei kommt. Kennen Sie Zvolen? Das muss eine kleine, ganz reizende Stadt sein. Eine Universitätsstadt außerdem. Mara macht ihren Doktor in Biologie. Am Kleinen Elbsee studiert sie das Verhalten von phoxinus phoxinus, also, wie Sie zweifellos wissen, der Elritze. Mara spricht ein ausgezeichnetes Deutsch, von einem kaum au ff allenden Doppel-s-Fehler abgesehen.

Sie ist keine Studentin im Sinne von Mädchen frisch von der Schulbank. Ja, sie ist jünger als ich, aber nicht viel jünger. Wenn sie mit dem Studium endgültig fertig ist, möchte sie als Gewässerexpertin für den Umweltschutz oder einen Nationalpark arbeiten. Vielleicht in den Karpaten. In der Niederen Tatra. Das ist nicht weit von dort, wo sie aufgewachsen ist. Da könnte sie in der Nähe ihrer Familie bleiben, und außerdem ist die Tatra " unfazzbar schön".

Wegen eines schweren Gewitters musste Mara in der Hütte übernachten. Mara sieht übrigens sehr gut aus. Aber glauben Sie bitte nicht, dass ich irgendwelche Hintergedanken hatte! Wir haben unseren Abend auch zu dritt beschlossen, denn plötzlich kam August bei der Tür herein.

In den Armen hielt er Aisha, seine Hündin. Habe ich Ihnen schon von Aisha erzählt? Wie Sie wissen, verehrte Verlegerin, bin ich ja in Berlin und Umgebung nicht gerade als Hundefreund bekannt. Aisha ist eine Ausnahme. Sie ist schwarz mit einem weißen Fleck auf der Brust. Auch die Schwanzspitze ist weiß. Und dieser Hundeblick aus den dunkelbraunen Augen! Diese Augen sehen aufmerksam in die Welt, mit einer unglaublichen Hingabe und einer sanften Melancholie. Wenn August aufsteht oder sich fortbewegt, dann folgt ihm dieser Blick. Der Hund bewegt sich nicht, nur die Augenbrauen zeichnen kleine Fragezeichen in die Luft.

August war in einem entlegenen Teil seines Reviers, mitten auf einem Bergrücken, von dem Gewitter überrascht worden. Da es zu gefährlich gewesen wäre, in dieser Höhe, die keinerlei Schutz vor Blitzschlägen bietet, weiterzugehen, hatte er sich mit seinem Hund in einer Felsnische verkrochen. Beim Abstieg in der Dämmerung hatte sich Aisha an einer scharfen Steinkante die Pfote aufgeschnitten. Nun musste August außer seinem Jagdgewehr und dem Rucksack auch noch den Hund tragen, der ziemlich stark blutete und nicht weitergehen konnte.

Erschöpft war August bei der Hütte angelangt und hatte Licht gesehen. Da bis zu seinem Auto noch ungefähr eine Stunde Fußmarsch zurückzulegen gewesen wäre, bat er darum, über Nacht in der Hütte bleiben zu dürfen.

Ich sagte natürlich gleich zu, obwohl ich eine gewisse Unsicherheit in Maras Blick erkennen konnte. Jetzt saß die Arme mit zwei wildfremden Männern allein in einer Hütte am Ende der Welt.

Als erstes versorgten wir Aishas wunde Pfote: Ich holte frisches Wasser, August wusch die aufgeplatzte Pfote damit ab. Dann desinfizierte er mit Schnaps. Für den Verband mussten wir eines Ihrer Geschirrtücher (Blümchenmuster) opfern, aber ich nehme einmal an, Ihnen als Tierfreundin macht das nichts aus.

Von seiner Lederhose wollte sich August auch in der Nacht nicht trennen, die müsse, sagte er, am Körper trocknen, weil sie sonst ihre Geschmeidigkeit verliert. Er streckte sich einfach auf seiner Seite der Eckbank aus und sagte noch: " Morgen wird's schön ." Wenige Sekunden später hörten wir ihn tief und regelmäßig schnaufen, und es klang ähnlich wie das Rauschen der Bäume im nächtlichen Wind. Das Prasseln des Regens auf dem Dach hatte aufgehört. Mara und ich lächelten einander ein wenig ratlos an. Augusts Müdigkeit wirkte wie ansteckend. Natürlich überließ ich Mara mein Bett. Sie nahm es ohne große Umstände an.

Ich setzte mich zum Hund auf den Boden und streichelte ihn. Aisha sah mich zuerst verwund

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