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Liebe vielleicht Roman von Bartsch, Jeffrey (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.07.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Liebe vielleicht

Vielleicht verbindet Vera und Stanley nicht mehr als eine enge Freundschaft. Vielleicht sollten sie endlich akzeptieren, dass sie es nicht lange miteinander aushalten.

Aber vielleicht halten sie es alleine noch viel weniger aus. Ganz sicher ist es mehr als ein Zufall, dass ihre Wege sich immer wieder kreuzen. Denn da gibt es diese Kreuzworträtsel mit den versteckten Botschaften, die sie immer wieder zueinander führen - und vielleicht auch zu einem Lösungswort mit fünf Buchstaben: der LIEBE.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 14.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732523474
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Two Across
    Größe: 834kBytes
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Liebe vielleicht

Kapitel zwei

An einem ruhigen Herbstabend des Jahres 1962, zweieinhalb Jahre nach dem Buchstabierwettbewerb, saß Stanley in seinem Sessel in der Lobby des Hawthorne Hotels und schlug in seinem Notizbuch eine leere Seite auf. Dann zog er sechzehn senkrechte Linien und weitere sechzehn waagrecht darüber, sodass Kästchen entstanden. Darunter schrieb er eine Liste von Lösungswörtern zu dem Thema, das er für sein Kreuzworträtsel ausgesucht hatte, und notierte sich Ideen für Fragen dazu.

Sein Stift kratzte über das Papier, als er zuerst die längsten Wörter in die Kästchen eintrug. BLITZKRIEG schrieb er in die waagerechte Zeile rechts oben. Die dazugehörige Umschreibung, die er sich notierte, lautete: "Aggressiver Angriff bei einem Gewitter auftretender elektrischer Entladungen".

Stanley, der schon seit vielen Jahren Kreuzworträtsel löste, wusste, dass die diagonale Symmetrie eine der Grundregeln bei der Erstellung eines Rätsels war. Daher gehörte in die waagrechten Kästchen links unten ein Wort mit ebenfalls zehn Buchstaben. RASSENHASS schrieb er. Den dazugehörigen Hinweis hatte er bereits: "Was die Nazis geschürt haben". Er begutachtete sein Werk rund um das Dritte Reich und die Nazis, die ihm seinen Vater genommen hatten.

Mit seinen achtzehn Jahren war Stanley einen Meter fünfundsiebzig groß und konnte es in puncto Intelligenz sicher mit jedem in Washington aufnehmen. Er war so unglaublich neugierig, dass es fast schon gefährlich war, aber was ihm fehlte, war Weisheit. Sein Gehirn schmerzte, so vollgestopft mit Wissen war es, und dennoch fühlte sich alles verkehrt an. Sein Vater war tot, er war ums Leben gekommen, noch bevor Stanley geboren worden war, und ohne ihn fühlte sich alles falsch an, wirklich alles: jeder Aufsatz, den er schrieb, jedes Buch, das er las, jedes Rätsel, das er sich ausdachte oder löste, jeder Blick von seiner Mutter, jedes Tennismatch, das er spielte, sogar das Mittagessen.

Alles - bis auf den Zeitungsstand im Hotel. Er wirkte in der prunkvollen Empfangshalle wie ein Segelschiff, das in einer Bucht vor Anker lag. Er war das tonnenschwere Flaggschiff aller Zeitungsverkäufer. Mit seinen Säulen an allen vier Ecken und dem Himmel darüber, von dem heraldische Cherubim die neuesten Nachrichten hinausposaunten, erinnerte er Stanley an den Baldachin im Petersdom. In der Encyclopaedia Britannica hatte er unter dem Stichwort "Vatikan" ein Foto davon gesehen. Vom Vatikan hatte er sich durch W wie Wyoming und X wie Xerxes und Y wie Yamswurzel und Z wie Zambia gearbeitet und danach seiner Mutter einen Aufsatz mit einer abschließenden enzyklopädischen Zusammenfassung überreicht, womit die Aufgabe, die sie ihm als Zehnjährigem gestellt hatte - die gesamte vierundzwanzigbändige Ausgabe von A bis Z zu lesen -, beendet war.

Der Zeitungsstand war ein freistehendes, autonomes Gebiet aus poliertem Mahagoni, Marmor und Beschlägen, das sich jederzeit für unabhängig erklären, sich vom Hotel abspalten, losmachen und davonsegeln konnte. Zeitungen hingen an Klammern, lagen für den Verkauf gefaltet und gestapelt da oder waren über Holzgriffen eingerollt, sodass man sie wie in einer Bücherei ausleihen konnte. Die Gäste in ihren tiefen Sesseln und mit den aufgeschlagenen großformatigen Zeitungen in den Händen sahen wie Dinghis aus, die in der windstillen Lobby nach Luv drehten. Jeden Morgen rumpelten Lastwagen an die Rampe auf der Rückseite des Hotels. Dann trennte Charlie, der tagsüber für den Zeitungsstand zuständig war, in Weste und Fliege die Schnüre durch, die die Zeitungsbündel zusammenhielten, und hisste die Segel des großen Flaggschiffs: die Washington Post , die New York Times , den Philadelphia Inquirer , den Boston Globe , die Chicago Tribune , die Los Angeles Times , den Charlotte Observer und all die kleineren Blätter zwischen Ost- und Westküste. Charlie zog sie alle auf,

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