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Liebeszauber Roman von Erdrich, Louise (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.02.2019
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Liebeszauber

Eine ungewöhnliche Familienchronik. "Liebeszauber" ist die Geschichte der Kashpaws und der Lamartines, zweier Familien, deren Schicksal unauflösbar miteinander verknüpft ist. Sie sind Nachfahren der Ojibwe-Indianer und Überlebende einer rauen Welt. Zwischen Tradition und Moderne, Abenteuerlust und Heimatverbundenheit erzählen die einzelnen Familienmitglieder mal unerbittlich und düster, mal humorvoll und lakonisch ihre Geschichten. Eine Mischung, die Louise Erdrichs Debütroman 'schon nach wenigen Seiten unwiderstehlich' (Neue Zürcher Zeitung) macht. "Es gibt kaum eine so gefühlvolle und zugleich scharfsinnige Autorin wie Louise Erdrich." Anne Tyler. "Nur die Schönheit dieses Romans rettet uns davor, von seiner gewaltige Kraft vollkommen erschüttert zu werden." Toni Morrison. Louise Erdrich, geboren 1954 als Tochter einer Ojibwe und eines Deutsch-Amerikaners, ist eine der erfolgreichsten amerikanischen Gegenwartsautorinnen. Zuletzt erhielt sie den National Book Award für "Das Haus des Windes", den PEN/Saul Bellow Award und den Library of Congress Prize. Louise Erdrich lebt in Minnesota und ist Inhaberin der Buchhandlung Birchbark Books. Im Aufbau Verlag ist ihr Roman 'Der Gott am Ende der Straße' lieferbar und im Aufbau Taschenbuch ihre Romane 'Der Club der singenden Metzger', 'Die Rübenkönigin', 'Der Klang der Trommel', 'Liebeszauber', 'Das Haus des Windes' und 'Ein Lied für die Geister'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 15.02.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841217134
    Verlag: Aufbau Verlag
    Originaltitel: Love Medicine
    Größe: 2489 kBytes
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Liebeszauber

I

Am Morgen vor Ostersonntag schlenderte June Kashpaw die verstopfte Hauptstraße der Ölboom-Stadt Williston in North Dakota entlang, um sich die Zeit zu vertreiben, bis der Mittagsbus kam, der sie heimbringen sollte. Sie war eine langbeinige Chippewa-Frau, stark gealtert in jeder Hinsicht, außer in ihren Bewegungen. Wahrscheinlich war es die Art, wie sie sich bewegte, leicht wie ein junges Mädchen auf schlanken, festen Beinen, die den Blick des Mannes einfingen, der ihr vom Innern der Rigger Bar durchs Fenster zuklopfte. Er kam ihr bekannt vor, wie viele Leute ihr bekannt vorkamen. Sie hatte so viele kommen und gehen sehen. Er beugte den Arm, lud sie ein hereinzukommen, und sie tat es ohne Zögern, dachte nur, daß sie einen oder zwei mit ihm heben könnte und dann ihre Taschen holen, um zum Bus zu gehen. Sie wollte wenigstens sehen, ob sie ihn wirklich kannte. Sogar durch das wäßrige Glas bemerkte sie, daß er gar nicht mal so alt war und daß seine Brust dick mit dunkelrotem Nylon und teuren Daunen gepolstert war.

Auf der Theke standen Kartons mit gefärbten Eiern, jedes glänzte wie ein Edelstein in seiner Zellophanhülle. Als sie durch die Tür kam, pellte er eines, das bläulich war, wie das einer Wanderdrossel, er hielt es in der Handfläche, während er die Schale mit dem Daumen ablöste. Obwohl es ein trüber Tag war, reflektierte der Schnee allein so viel Licht, daß sie einen Augenblick geblendet war. Es war wie ein Eintauchen in Wasser. Mehr als auf alles andere ging sie auf dieses blaue Ei in der weißen Hand zu, einen Leuchtturm in der dunstigen Luft.

Er bestellte ein Bier für sie, ein Blue Ribbon, und sagte, sie verdiene einen Preis, weil sie das Beste sei, was er seit Tagen gesehen hätte. Er pellte ihr ein Ei, ein rosarotes, und meinte, es passe zu ihrem Rollkragenpulli. Sie erklärte, das sei kein Rollkragenpulli. Diese Dinger hießen 'Schale'. Er sagte, er würde ihr die auch abpellen, wenn sie wollte, dann grinste er dem Barkeeper zu und reichte ihr das nackte Ei.

Junes Hand war von draußen kälter als das Ei, deshalb mußte sie es eine Weile zwischen den Fingern ruhen lassen, bis es aufhörte, sich gummiartig warm anzufühlen. Beim Essen merkte sie, wie hungrig sie war. Der Rest des Geldes, das der Mann vor diesem ihr gegeben hatte, war für die Fahrkarte draufgegangen. Sie wußte nicht genau, wann sie zum letztenmal gegessen hatte. Dieser Mann schien beeindruckt zu sein, als ihr Ei aufgegessen war, und schälte ihr noch eines von derselben Sorte. Sie aß auch das und dann noch eins. Der Barkeeper sah sie an. Sie zuckte mit den Schultern und klopfte eine lange Mentholzigarette aus einem weißen Plastiketui, auf dem in Goldbuchstaben ihre Initialen standen. Sie sog einen Atemzug Rauch ein und lehnte sich dann über die zerbrochenen Schalen zu ihrem Begleiter.

"Was läuft denn?" sagte sie. "Wo ist die Party?"

Ihr Haar war sorgfältig eingedreht, für die Busreise mit Spray fixiert, und ihre Augen waren tief wachsam in ihren meerblauen Schattenschluchten. Sie überlegte.

"Ich hab nicht viel Zeit, bis mein Bus ...", sagte sie.

"Vergiß den Bus!" Er stand auf und nahm sie beim Arm. "Wir zwei machen die Party. Hörst du? Wer hindert uns? Wir haben's doch nett zusammen!"

Als er zahlte, konnte sie nicht umhin, zu bemerken, daß er einen ansehnlichen Packen von Geldscheinen bei sich hatte, in einem roten Gummi von der Sorte, mit denen im Supermarkt die Bananen gebündelt sind. Dieser Packen half. Aber noch wichtiger war: sie hatte so ein Gefühl. Die Eier brachten Glück. Und er hatte eine gutmütige Langsamkeit an sich, die anders zu sein schien. Vielleicht ist er ja anders, dachte sie. Die Busfahrkarte würde gültig bleiben, vielleicht für immer. Man erwartete sie nicht zu Hause im Reservat. Sie hatte dort nicht einmal einen Mann, außer dem, von dem sie geschieden war. Gordie. Wenn sie in Not geriete, würde er ihr immer noch Geld schicken. So ging sie mit diesem Mann in d

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