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Lisbeths Traum oder bloß nicht darüber reden, Missbrauch in der Familie, Roman. von Bomeier, Sabine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.12.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Lisbeths Traum

Lisbeth hatte einen Traum. Sie wollte groß hinaus, eine kultivierte Dame werden. Das war nicht so einfach in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Moralvorstellungen waren streng und eine eigene berufliche Karriere für die meisten Frauen weder erreichbar noch vorstellbar. Aber Lisbeth meinte, in Kurt den Mann gefunden zu haben, der sie aus dem engen Milieu ihres Elternhauses entführen würde. Zunächst schien auch alles ganz nach ihren Wünschen zu verlaufen. Aber diese Ehe entwickelte sich anders als sie es sich erträumt hatte. Kurt zeigte mehr Interesse an der gemeinsamen Tochter als an seiner Frau. Aber Lisbeth wollte sich dadurch ihren Traum nicht zerstören lassen. Es würde schon alles nicht so schlimm sein, wenn man nur darüber schweigen würde. Sie schottete sich von der Welt ab, zog sich in eine Traumwelt zurück und meinte, in der Tochter doch noch ihre eigenen Wünsche wahr werden lassen zu können. Sabine Bomeier, Jahrgang 1957 schreibt über Frauen, ihr Leben, ihren Alltag. Das ist meist ein Blick in Lebenswelten, die nicht immer einfach sind, in denen Frauen um ihre Existenz und Selbstbestimmung ringen und manchmal auch den Weg zu sich selbst finden. Sabine Bomeier war Journalistin, Redakteurin und Pressesprecherin, bevor sie sich ganz für das kreative Schreiben entschied.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 472
    Erscheinungsdatum: 22.12.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741229565
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 519kBytes
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Lisbeths Traum

Kapitel 1

M att fiel das Licht in die Wohnküche. Es begann schon dunkel zu werden und Lisbeth, die eigentlich Elisabeth hieß, aber von niemandem so genannt wurde, hatte alle nötigen Arbeiten des Tages erledigt, der Abwasch war getan, der Boden gewischt. Nun konnte sie sich einen Moment an den großen Küchentisch setzen. Hier fand das Familienleben statt, wurde gegessen, gefeiert, wenn es etwas zu feiern gab und es wurden die wichtigen Dinge des Lebens besprochen. Das alles wohl auch, weil es hier, dank des ständigen Kochens auf dem großen Herd, immer warm war. Im Winter legte die Mutter schon ganz früh, gleich nachdem sie aufgestanden war, einige Briketts in den Ofen. Lisbeth mochte diese frühen Stunden und stand oft schon kurz nach der Mutter auf. Gemeinsam tranken sie dann, in ihre Bademäntel gehüllt und warme Socken an den Füßen, den ersten heißen Tee des Tages. Lisbeth fühlte sich der Mutter so wunderbar nah in diesen Momenten. Auch jetzt am Abend saß sie hier am großen Küchentisch, sah auf die zahlreichen Einkerbungen, die das viele Schneiden von Gemüse oder Obst hinterlassen hatte, obwohl eigentlich nicht auf der Tischplatte geschnitten werden durfte. Sie genoss einen Moment der Ruhe. Wohlig seufzend legte sie ihre Füße auf den Suhl, auf dem sonst immer der Vater saß. Sie hätte sich jetzt gerne einen Tee gekocht und den Tag damit abgeschlossen.

Aber heute stand neben der Hausarbeit nach ihrer Arbeit in der Wäschefabrik noch mehr auf dem Programm. Sie sollte ihre Schwester Hedwig zum Siedlungsfest begleiten. Alt und Jung ging zu den regelmäßig stattfindenden Festen, die jungen Leute standen separat in einer Ecke, die alten saßen an den Tischen. Lust dorthin zu gehen hatte sie nicht. Diese Siedlungsfeste waren wahrlich nicht das, wohin es Lisbeth zog. Sie fand es dort immer zu lärmend. Die Musik, meist Schlager von der werkseigenen Feuerwehrkapelle vorgetragen, und alle stets viel zu laut und nicht immer in der richtigen Tonlage gespielt, war nicht nach ihrem Geschmack und wenn die Männer dem Alkohol in Form von diversen Schnäpsen erst einmal genügend zugesprochen hatten, was spätestens nach zweiundzwanzig Uhr der Fall war, dann wurden Witze gerissen, die sie ordinär fand. Das laute, dröhnende Lachen der jungen Männer in der rauchgeschwängerten Luft der Halle, das Schenkelklopfen der alten Männer, die gierigen Blicke aller Männer auf die jungen Frauen - all das widerte sie an. So manches Mal wurde auch sie zum Ziel des Gespötts. Manchmal lachten gerade die jungen Männer über sie, meist waren ihre viel zu dicken Beine das Ziel ihres Spotts, das war dann verletzend und damit noch viel schlimmer als all die ordinären Worte, die sie so sehr verabscheute. Hatte denn keiner der Männer Sinn für wenigstens ein wenig Schöngeisterei, fragte sie sich immer wieder. Schöngeisterei - so wurde in der Familie ihr Hang zu schönen Dingen genannt, es war nicht immer nur nett gemeint. Aber schöne Dinge, die mehr als nur den Sinn für Saufereien ansprachen, wie das Arrangieren von Blumen in einem Saal, in dem gefeiert werden sollte, oder die Anordnung der Stühle oder Tische auf die, wie Lisbeth fand, wenigstens Decken gelegt werden sollten - all das gab es bei den Siedlungsfesten nicht. Es reichte, wenn die Bühne mit bunten und oft auch noch viel zu grell glitzernden Girlanden geschmückt wurde, die aus einer Kiste im Büro des Hausmeisters hervorgeholt wurden. Mehr bedurfte es nicht beim allmonatlichen Schwof.

Die Leitung des Werkes zu der die Siedlung gehörte, veranstaltete diese Siedlungsfeste. Es gab eigens ein Komitee, das dafür verantwortlich war, dass diese stets fröhlichen und feuchten Zusammenkünfte ordnungsgemäß abliefen. Spaß sollten die Jungen und die Alten haben, aber es sollte dennoch alles in einem gewissen Rahmen bleiben. Schlägereien wollte man nicht. Aber man wollte den Arbeitern durchaus auch mal die Gelegenheit geben zu feiern, auch um so eine gewisse Z

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