text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Lottes Träume Roman von Maly, Beate (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.10.2019
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)

8,99 €1

3,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Lottes Träume

Wenn die ersten Schneeflocken fallen, beginnen die Träume zu glänzen. Der zauberhafte Auftakt einer außergewöhnlichen Serie.
Als Lotte 1904 in Wien ankommt, ist für sie noch alles neu und fremd. Bisher hat sie mit ihrem Vater in dem kleinen Ort Mürzzuschlag gewohnt und von der großen Stadt nicht viel mitbekommen. Aber ihre Zeit in den Bergen und auf Skiern ist ihr jetzt hilfreich. In dem kleinen Bergsportladen in der Kaiserstraße bekommt sie deshalb gleich eine Anstellung, denn der Skisport ist erst im Kommen, nur die wenigsten kennen sich mit den neuartigen Brettern aus. Dass das auch etwas für Frauen ist, kann man sich schon gar nicht vorstellen. Aber Lotte lässt sich davon nicht beirren, und als dann noch ein junger Herr bei ihr seine Skier bestellt und Gefallen an ihr findet, befürchtet sie, dass das alles nur ein Traum sein könnte ...


Beate Maly, geboren und aufgewachsen in Wien, arbeitete zunächst als Kindergärtnerin und in der Frühförderung, bevor sie mit dem Schreiben begann. Neben Geschichten für Kinder und pädagogischen Fachbüchern hat sie inzwischen elf historische Romane geschrieben und fünf historische Krimis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 14.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641237851
    Verlag: Blanvalet
    Größe: 3072 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Lottes Träume

1
Wien, Herbst 1904

Eintönig ratterte die Lokomotive über einen schier endlosen Schienenstrang. Lotte rutschte unbehaglich auf der harten Holzbank von einer Seite zur anderen und stieß dabei gegen den voluminösen Körper ihrer Sitznachbarin. Sie entschuldigte sich leise und erhielt als Antwort ein unverständliches Grunzen.

Die vorbeiziehende Landschaft veränderte sich mit jedem Kilometer, den sich der Zug der Hauptstadt näherte. Schon lange hatten sie die steinernen Viadukte passiert, die zerklüfteten Felswände des Semmering-Passes hinter sich gelassen und fuhren jetzt durch verschneite Felder Richtung Wien.

Lotte war mit ihren zweiundzwanzig Jahren erst einmal in der Haupt- und Residenzstadt der österreichisch-ungarischen Monarchie gewesen. Damals hatte sie ihren Vater begleitet, weil er in Wien zwei Bücher gekauft hatte. Einen Gedichtband von Nestroy und ein Buch von Bernhard Scheinpflug. Letzteres war ein weniger bekanntes Werk über die griechische Mythologie, das Lottes Vater jahrelang im Unterricht eingesetzt hatte. Er war Lehrer in der Volksschule in Mürzzuschlag gewesen. Vorgestern hatte Lotte beide Bücher verkaufen müssen, gemeinsam mit all den anderen Gegenständen, die ihrem Vater gehört hatten. Bei der Erinnerung daran schnürte sich Lottes Kehle zu. Sie blinzelte eine Träne weg und wischte sich mit dem Handrücken über die Nase. Wie lange würde es dauern, bis sie sich an seinen Tod gewöhnte und der Kloß in ihrem Hals wieder verschwand, der ihr das Atmen erschwerte und dafür sorgte, dass sie ständig das Gefühl hatte, auf der Stelle losweinen zu müssen? Im Moment konnte sie noch nicht glauben, dass er wirklich leblos in dem frischen Grab lag und nie wieder mit ihr einen der Berge besteigen würde, die sie beide so geliebt hatten. Zwei Wochen hatte der ungleiche Kampf gegen das hohe Fieber der Lungenentzündung gedauert. Walter Seidl hatte ihn verloren, und bereits drei Tage nach seinem Tod hatte Lotte die Wohnung, in der sie zweiundzwanzig Jahre mit ihm gelebt hatte, räumen müssen. Sie hatte sich von den Möbeln, seiner Kleidung und seiner Bergsportausrüstung getrennt. Der Verkauf seiner Habseligkeiten kam ihr wie ein Verrat vor. Aber ohne den Erlös hätte sie die Fahrkarte nach Wien nicht kaufen können. In Mürzzuschlag hatte sie keine Zukunft. Entweder sie heiratete den trinkenden und zu Gewalt neigenden Fleischer Alfred Rössel, dessen Antrag sie schon vor drei Jahren abgelehnt hatte, oder sie fristete ihr Leben als rechtlose Magd auf einem Bauernhof. Beide Möglichkeiten erschienen ihr wenig erstrebenswert.

Der ältere Herr, der ihr gegenübersaß und bis jetzt in einer Ausgabe der Kronenzeitung gelesen hatte, legte das Blatt zur Seite und packte Brote aus. »Wollen Sie ein Stück?«, fragte er freundlich.

Lotte lehnte dankend ab. Obwohl ihr Magen knurrte und sie seit dem Frühstück nichts gegessen hatte, würde sie keinen Bissen hinunterbringen. Sie war zu nervös, außerdem hatte sie seit Tagen keinen Appetit. Je weniger sie aß, umso seltener meldete ihr Körper das Signal, dass sie Hunger hatte.

»Ich nehme ein Stück«, sagte die Frau neben Lotte. Blitzschnell griff sie zu und biss in das Brot. Für einen Moment wirkte der Mann irritiert, dann widmete er sich seinem Proviant. Mit vollem Mund fragte er Lotte: »Besuchen Sie jemanden in Wien?«

»Nein, ich ziehe in die Stadt, um dort zu leben.«

»Wohin denn?«

»Das weiß ich noch nicht.«

Der Mann unterbrach sein Kauen. Fassungslos starrte er sie an.

Auch die Frau wirkte überrascht. »Sie fahren nach Wien und wissen nicht, wo Sie wohnen werden?« Sie klang, als hätte Lotte gerade gesagt, sie wolle einen Lipizzaner stehlen oder plane ein Attentat auf den Kaiser.

»Ich habe die Adresse von einem Geschäft, in dem ich vielleicht als Verkäuferin arbeiten werde.«

»Ach so, ich verstehe. Sie werden dort wohnen.« Etwas entspannter lehnte sich der Herr mit den grauen Schläfe

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen