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Mücken an der Wand Alles ist möglich. Vielleicht. von Frobeen, Ruth (eBook)

  • Verlag: Ruth Frobeen
eBook (ePUB)
3,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Mücken an der Wand

Erotikautorin Ylvie Unverdorben will dem Medienzirkus den Rücken kehren und sich endlich mit dem Thema auseinandersetzen, das sie seit Jahren verdrängt: den Selbstmord ihres Bruders. In einem winzigen Küstenort will Ylvie eigentlich nur in aller Einsamkeit ihr bisher persönlichstes Buch fertigbringen. Sie landet eher zufällig auf Island - einem geheimnisvollen Land, das in einer Nebelsuppe schwimmt, voller Elfenmythen steckt und bei Ylvie doch für Klarheit sorgt. Unerwartet findet Ylvie hier eine Freundin fürs Leben, ihre große Liebe und einen neuen Zugang zu ihrer eigenen Geschichte. Und so verschiebt sich der Rand der Welt zu Ylvies neuem Lebensmittelpunkt. Ein Buch voller Mücken, die an der Wand sitzen und nur darauf warten, loszufliegen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 268
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783981940015
    Verlag: Ruth Frobeen
    Größe: 570 kBytes
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Mücken an der Wand

Drei Jahre später...

Ylvie war spät dran, ihre Absätze hämmerten auf dem Asphalt und sie verfluchte den Dress-Code, der sie in hohe Schuhe und dieses enge Kleid zwang. Als Ylvie den Hintereingang des Nachtclubs erreichte, strich sie sich die Haare aus dem Gesicht und setzte ein strahlendes Lächeln auf. Dann ging sie hinein.

"Da bist du ja, Liebes", begrüßte Rita sie und musterte sie mit schnellem Blick.

Ylvie hatte sich verspätet, weil sie noch Schwimmen gegangen war und darüber die Zeit vergessen hatte. Wenn es sich einrichten ließ, ging sie vor jedem Auftritt schwimmen, um sich zu sammeln. Nichts entspannte sie mehr, als Bahnen zu ziehen und in die Stille des Wassers einzutauchen. Als ihr aufgefallen war, dass der Minutenzeiger sich nicht bewegte, war sie aus dem Becken gestiegen und hatte mit Schrecken festgestellt, dass sie in einer Stunde schon beim Club sein musste. Sie war mit nassen Haaren nach Hause gelaufen, hatte sich schnell umgezogen und war dann mit dem Taxi, in dem sie sich noch schnell einen Lidstrich zog und Rouge auftrug, von Eppendorf nach St. Pauli gefahren.

"Gute Wahl", kommentierte Rita das grüne Paillettenkleid, und Ylvie fühlte sich unwohl in ihrer Rolle, obwohl sie offenbar alles richtig machte.

"Danke", murmelte sie und ließ sich hinter die Bühne führen, wo sie in der Garderobe ihr Make-up überprüfte, einen Whiskey kippte und dann auch schon von ihrem Literaturagenten auf die Bühne begleitet wurde. Der Nachtclub war in rotes Licht getaucht. Auf der Bühne stand ein kleiner Tisch mit einem Stuhl und einer Lampe neben einer Polestange, davor saßen an Bistrotischen Männer und Frauen ins Gespräch vertieft. Das Stimmengewirr verebbte langsam, als Ylvie ihren Platz auf der Bühne einnahm. Ihr Herz raste. Ihre Hände waren eiskalt und ihr Mund fühlte sich trocken an. Doch sie lächelte, und dann gab sie ihre Vorstellung im Schein einer Discokugel.

Ylvie war Applaus gewöhnt. Er versetzte sie schon lange nicht mehr in einen Rausch, sondern perlte wie eine warme Dusche an ihr ab. Da war diese Leere, die sie weder mit Champagner noch mit Gesprächen füllen konnte. Was Ylvie fehlte, war die echte Begegnung mit den Menschen. Sie lächelte von der Bühne hinunter, ihr Kleid glitzerte bei der kleinsten Bewegung und ihre langen Haare glänzten im roten Licht.

"Darf ich Sie etwas fragen?", fragte ein bärtiger Mann mit Krokodilschuhen, als er bei der Signierstunde an ihrem Tisch stand. Er stand breitbeinig vor ihr, hielt sich an der Polestange fest und schaute auf sie herab. "Würden Sie mein Buch küssen?" Ylvie stutzte und kratzte mit dem Füller ihr Unverdorben auf das Papier.

"Ich bezahl auch dafür", sagte der Krokodilmann und grinste frech. Ylvie schob das Buch über den Tisch, ohne den Mann eines Blickes zu würdigen, und drehte ihren Stift zu.

"Ende der Vorstellung!", sagte Ylvie laut. Sie erhob sich, strich das Kleid glatt, das vom Sitzen nach oben gerutscht war, und ging langsam hinter die Bühne. Das enttäuschte Gemurmel der Leute begleitete sie, bis sie die Garderobentür hinter sich zuzog. Rita kam hinterher, aber Ylvie war stinksauer und wollte nur noch nach Hause.

"Ist okay, ich rufe dir ein Taxi!", versprach Rita und verschwand wieder.

Das Taxi ließ auf sich warten. Ylvie stand frierend am Künstlereingang, sie war den Tränen nah. Gerade als sie sich eine Zigarette anzünden wollte, schlich das Taxi um die Ecke.

Als sie den Schlüssel im Schloss umdrehte, konnte sie Alf schon hinter der Tür mit dem Schwanz wedeln hören. Wenigstens einer meinte es ehrlich mit ihr. Wortlos begrüßte sie das schwarze Ungeheuer, das an ihr hochsprang und sie im Gesicht anstupste.

"Hast du auf mich gewartet, mein Schatz", flüsterte sie schließlich und streichelte ihm über den Kopf.

Dann setzte sie sich auf den Boden, öffnete die Riemchen ihrer Pumps und pfefferte die Schuhe in den dunklen Flur. Ihre Füße schm

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