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Madame Stern von Rosei, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.08.2015
  • Verlag: Residenz Verlag
eBook (ePUB)
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Madame Stern

Ein lustvolles Spiel um Eros, Macht und Geld. Gisela Stern hat es geschafft. Aus bescheidenen Verhältnissen stammend, hat sie in eine wohlhabende Familie eingeheiratet, sich eine Karriere in einer Bank erarbeitet und verkehrt in der sogenannten besseren Gesellschaft. Trotzdem bleibt eine ungewisse Sehnsucht, ein Gefühl der Deplatziertheit ... Als ein gut aussehender, ehrgeiziger Mann in ihr Leben tritt, beginnt sich das Karussell der Macht zu drehen, die Verknüpfung von Politik und Begehren nimmt ihren Lauf ... Meisterlich inszeniert Peter Rosei mit den Mitteln seines lakonischen Stils den Aufstieg und Fall einer Frau vor dem Hintergrund einer höchst korrupten Gesellschaft. Ein scharfsinniger und facettenreicher Roman. Peter Rosei, geboren 1946 in Wien. 1968 promovierte er zum Doktor der Rechtswissenschaften. Seit 1972 lebt er als freier Schriftsteller in Wien. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u. a. Franz-Kafka- Preis 1993, Anton-Wildgans-Preis 1999 und das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 2007. Zuletzt erschienen: 'Wien Metropolis' (2005), 'Österreichs Größe, Österreichs Stolz' (2008), 'Das große Töten' (2009) und 'Geld! ' (2011), 'Madame Stern' (2013), 'Die Globalisten' (2014).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 03.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783701745166
    Verlag: Residenz Verlag
    Größe: 1183 kBytes
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Madame Stern

V ORSPIEL

1. Wie es dazu kam, dass Johann Josef Maiernigg, Vater des nachmalig berühmten Ministers, in die Elektrobranche, in den Handel mit Elektro- und Haushaltsgeräten, einstieg, müssen wir hier offenlassen. Die Ägide liegt zu lange zurück, und fest steht nur eines: Der Mann hatte sich nicht von Anfang an in dieser Branche betätigt, im Gegenteil, viele Jahre war er als Handelsvertreter für eine in Villach ansässige Süßwarenfabrik unterwegs gewesen.

Johann Josef Maiernigg war Dilettant, was sein späteres Wirkungsgebiet anging.

Wie gut erinnerte sich der Sohn, Kurt, denn auch später noch, als er längst ein Mann von Namen und Einfluss war, der Erzählungen des Vaters: "Was glaubst, wie brav ich neben der Budel hab' warten müssen, in diesen Klitschen, bis der Herr Greißler seine Kundschaft erst einmal abgefertigt hat? Was da nicht getratscht und Leute ausgerichtet wurde! Ich war ja ein Mensch zweiter Klasse, ich wollte nichts kaufen, sondern etwas loswerden."

In den Erzählungen des Vaters spielten endlose Autofahrten bei Glatteis eine wichtige Rolle, Auseinandersetzungen um die Provision nahmen breiten Raum ein - "Der Außendienstler ist der Busenfeind des Innendienstlers!" -, trostloses Warten auf Bummelzüge in verlassenen Haltestellen, aber auch flott eingefädelte Nebengeschäfte mit Werbekugelschreibern und Abreißkalendern zum Jahreswechsel kamen vor. Vater Maiernigg gefiel sich darin, sich als Verlierer hinzustellen, aber nur zu dem Zweck, um seinen Endsieg über die Verhältnisse dann noch strahlender und großartiger erscheinen zu lassen.

Das Leben wurde leichter, als er sich entschloss, in Klagenfurt, Provinzhauptstadt und Verwaltungsmittelpunkt, einen Laden für Haushaltsbedarf zu eröffnen.

Er fing mit Nudelwalkern an, mit Sieben, Besteck und Faschiermaschinen, mit Gläsern zum Einrexen von Obst und Gemüse, mit Schneebesen. Bald aber wurden elektrische Geräte, die damals im Aufkommen waren, zum Schwerpunkt: Mixer, Staubsauger und Waschmaschinen bildeten die Vorhut jenes Siegeszuges, der dann mit dem Fernseher, unabdingbar für jeden anständigen Haushalt, seinen vorläufigen Höhepunkt finden sollte.

Naturgemäß sah Johann Josef Maiernigg sich bald ständig wachsender Konkurrenz ausgesetzt, war er doch nicht der Einzige, der begriff, was noch kommen sollte. Er war aber der Einzige, der entschlossen und angemessen auf die Lage reagierte.

Bald konnte man landauf, landab an jeder Hausmauer, auf jedem einsam dastehenden Heustadel seine marktschreierischen, mit klobigen Lettern bedruckten Plakate lesen: MAIERNIGG, DER PREISSCHRECK.

Das Programm wurde zum Begriff: radikale Verbilligung des Angebots, laufend Sonderaktionen, dazu Ratenkauf, wo nur wenig Bares vorhanden war. "Der kluge Mann weiß, wofür er Schulden macht!" Die Geschäfte zogen rasch an, die Lager füllten und leerten sich, füllten und leerten sich, nach dem Gesetz einer Dünung, dem Gesetz von Ebbe und Flut.

Kurt, der Sohn, wurde erst in jene Spätzeit hineingeboren, als sich ein Ende des väterlichen Triumphzuges schon abzuzeichnen begann: Anbieter aus Deutschland und Italien hatten den Billigsektor für sich entdeckt und fingen an, ihr Angebot preisgünstiger auch in den entlegensten Markt noch hineinzudrücken. Die aufkommende Motorisierung begünstigte die Errichtung von Einkaufszentren. Bald wurden gewaltige Hallen ins Umland der Städte gestellt, die Ware wurde nicht länger an die Konsumenten herangekarrt, umgekehrt kamen sie selbst. Es war genau die Ära, als für viele Familien die Wochenendfahrten in irgendwelche Einkaufswelten zur Pflicht wurden, vergleichbar nur der früheren Gewohnheit, zur Kirche zu gehen. Dort ließen sie ihr Geld.

Johann Josef Maiernigg war der Entwicklung insofern um die berühmte Nasenlänge voraus, als er begann, sein Kapital in Immobilien umzuschichten. Der Hunger der in den Markt drängenden Kettenläden nach geeigneten Grundstück

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