text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Mami 1956 - Familienroman David und Oliver - nie mehr getrennt? von Myrenburg, Myra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.04.2019
  • Verlag: Martin Kelter Verlag
eBook (ePUB)
2,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Mami 1956 - Familienroman

Seit über 40 Jahren ist Mami die erfolgreichste Mutter-Kind-Reihe auf dem deutschen Markt! Buchstäblich ein Qualitätssiegel der besonderen Art, denn diese wirklich einzigartige Romanreihe ist generell der Maßstab und einer der wichtigsten Wegbereiter für den modernen Familienroman geworden. Weit über 2.600 erschienene Mami-Romane zeugen von der Popularität dieser Reihe.
Der Wohnsitz der deutschen Pflanzerfamilie Hofstetter lag seit einem Jahrhundert in Antigua, der ehemaligen Hauptstadt von Guatemala. Durch einen riesigen Torbogen gelangte man in einen quadratischen Innenhof, der von allen Seiten zwei Stockwerke hoch umschlossen war. Balustraden und Treppen aus schwerem Holzwerk führten zu den Räumen, die in früheren Zeiten eine Vielzahl ständiger oder zeitweiliger Bewohner beherbergt hatten. Tropische Blumen in leuchtenden Farben quollen aus den Kästen entlang der Geländer und bedeckten die alten Mauern mit orangefarbenen Blüten und glänzendem dunkelgrünem Blattwerk. Das Hofstetterhaus mit seinem Blumenhof gehörte zu den bekanntesten Gebäuden in Antigua. Seit seiner Erbauung war es in Familienbesitz, und obwohl sich die Zeiten geändert hatten, lebten immer noch drei Generationen unter seinem Dach. Claire Hofstetter, die Hausherrin, war Ende fünfzig, ihr Enkel Oliver mit fünf Jahren der jüngste. Beide hatten auffallend üppiges rostbraunes Haar, meergrüne Augen, eine starke Stimme und einen ebenso starken Willen. Seit seinem dritten Geburtstag hatte er einen kleinen Kindergarten in unmittelbarer Nähe besucht. Über seine Weiterbildung wurde nun täglich im luftigen Eßzimmer ein lebhafter Dialog geführt. 'Omama, warum darf ich denn nicht mit den anderen Kindern in die Schule gehen?' lautete Olivers eindringliche Frage, und die stets gleichbleibende Antwort seiner Großmutter: 'Weil du in eine deutsche Schule gehen sollst, der Sprache wegen, der Tradition wegen und überhaupt.' 'Aber in Antigua gibt es keine deutsche Schule!' 'So ist es', seufzte Claire, und hier lag in der Tat das Problem. Die nächste deutsche Schule lag in Guatemala-Stadt, zu weit, um jeden Tag hinzufahren, und Oliver war noch viel zu klein, um dort während der Woche untergebracht zu werden. Es war schon schlimm genug, daß sein Zwillingsbruder David außerhalb des Hofstetterhauses aufwachsen mußte - ein weiterer, besonders wunder Punkt, der im Hintergrund aller Überlegungen stand. Keinesfalls, wie Claire immer wieder erklärte, war sie gewillt, auch noch Oliver aus der Hand zu geben. Nicht, daß sie David etwa freiwillig der äußerst fragwürdigen Sorge seiner Mutter Maribell überlassen hätte, wirklich nicht. Im Gegenteil.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 64
    Erscheinungsdatum: 09.04.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783740946852
    Verlag: Martin Kelter Verlag
    Größe: 246 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Mami 1956 - Familienroman

Der Wohnsitz der deutschen Pflanzerfamilie Hofstetter lag seit einem Jahrhundert in Antigua, der ehemaligen Hauptstadt von Guatemala. Durch einen riesigen Torbogen gelangte man in einen quadratischen Innenhof, der von allen Seiten zwei Stockwerke hoch umschlossen war. Balustraden und Treppen aus schwerem Holzwerk führten zu den Räumen, die in früheren Zeiten eine Vielzahl ständiger oder zeitweiliger Bewohner beherbergt hatten.

Tropische Blumen in leuchtenden Farben quollen aus den Kästen entlang der Geländer und bedeckten die alten Mauern mit orangefarbenen Blüten und glänzendem dunkelgrünem Blattwerk. Das Hofstetterhaus mit seinem Blumenhof gehörte zu den bekanntesten Gebäuden in Antigua. Seit seiner Erbauung war es in Familienbesitz, und obwohl sich die Zeiten geändert hatten, lebten immer noch drei Generationen unter seinem Dach.

Claire Hofstetter, die Hausherrin, war Ende fünfzig, ihr Enkel Oliver mit fünf Jahren der jüngste.

Beide hatten auffallend üppiges rostbraunes Haar, meergrüne Augen, eine starke Stimme und einen ebenso starken Willen.

Seit seinem dritten Geburtstag hatte er einen kleinen Kindergarten in unmittelbarer Nähe besucht. Über seine Weiterbildung wurde nun täglich im luftigen Eßzimmer ein lebhafter Dialog geführt.

»Omama, warum darf ich denn nicht mit den anderen Kindern in die Schule gehen?« lautete Olivers eindringliche Frage, und die stets gleichbleibende Antwort seiner Großmutter: »Weil du in eine deutsche Schule gehen sollst, der Sprache wegen, der Tradition wegen und überhaupt.«

»Aber in Antigua gibt es keine deutsche Schule!«

»So ist es«, seufzte Claire, und hier lag in der Tat das Problem. Die nächste deutsche Schule lag in Guatemala-Stadt, zu weit, um jeden Tag hinzufahren, und Oliver war noch viel zu klein, um dort während der Woche untergebracht zu werden. Es war schon schlimm genug, daß sein Zwillingsbruder David außerhalb des Hofstetterhauses aufwachsen mußte - ein weiterer, besonders wunder Punkt, der im Hintergrund aller Überlegungen stand. Keinesfalls, wie Claire immer wieder erklärte, war sie gewillt, auch noch Oliver aus der Hand zu geben.

Nicht, daß sie David etwa freiwillig der äußerst fragwürdigen Sorge seiner Mutter Maribell überlassen hätte, wirklich nicht.

Im Gegenteil.

All dies hatte sich ohne ihr Zutun, ohne ihre Zustimmung, ja teilweise sogar ohne ihr Wissen ereignet. Schuld daran war die Schwäche ihres Sohnes Fridolin für ein unberechenbares, ungebärdiges Wesen namens Maribell, das ihn Hals über Kopf geheiratet und dann von einem Tag auf den anderen verlassen hatte, leider unter Mitnahme des kleinen David. Andernfalls man im Hause Hofstetter den Verlust der jungen Frau leicht überwunden hätte, mit Ausnahme von Fridolin natürlich, der ihr noch immer nachzutrauern schien.

Die ältere Generation, bestehend aus Claire und ihrem Schwager Herbert, hatte die Verbindung mit Maribell immer für einen Mißgriff gehalten, einen fatalen Fehler, der nur einem versponnenen, realitätsfernen Menschen wie Fridolin Hofstetter unterlaufen konnte. Bis heute kam Claire nicht hinweg über die Unverfrorenheit, mit der Maribell die Teilung der Kinder vorgenommen hatte, als wären es zwei Bananenbündel, unter dem Motto: eins für dich, eins für mich. Wobei sie auch noch für sich in Anspruch nahm, fair und gerecht verfahren zu sein und kein Gewissen schien sie jemals zu plagen.

Es war ungeheuerlich, unglaublich, unbegreiflich, und wenn man den Anwälten glauben konnte, war es auch unumkehrbar, das heißt: nicht zu ändern, außer mit Gewalt. Doch dafür war Fridolin nicht zu haben, und man mußte nur darauf achten, daß wenigstens für Oliver die Weichen richtig gestellt wurden. Was dem armen David mitten in New York blühen würde, wenn er den Kindergarten hinter sich hatte, durfte sich Claire gar nicht vorstellen. Eine kinderfeindlichere Umwelt als die Wohntürme von Manhattan konnte es nirgendwo geben.

»Aber Sarah

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen