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Mami 1964 - Familienroman Ein Kind geht auf die Reise von Myrenburg, Myra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.07.2019
  • Verlag: Martin Kelter Verlag
eBook (ePUB)
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Mami 1964 - Familienroman

Seit über 40 Jahren ist Mami die erfolgreichste Mutter-Kind-Reihe auf dem deutschen Markt! Buchstäblich ein Qualitätssiegel der besonderen Art, denn diese wirklich einzigartige Romanreihe ist generell der Maßstab und einer der wichtigsten Wegbereiter für den modernen Familienroman geworden. Weit über 2.600 erschienene Mami-Romane zeugen von der Popularität dieser Reihe. 'Setzen wir unsere Hüte auf?' fragte Muriel. 'Natürlich', sagte Florian, 'wir wollen doch keinen Sonnenstich riskieren. Denk immer dran, deinen Kopf mußt du schützen, egal was du tust.' Damit nahm er zwei Hüte vom Garderobenhaken, einen kleinen aus blauem Jeansstoff und einen großen aus geflochtenem Stroh. Florian war groß und hager. Muriel war klein und zierlich. Er war fünfunddreißig Jahre alt. Sie war gerade fünf geworden. Er hatte dunkelbraunes Haar und dunkelbraune Augen. Sie war blondlockig und blauäugig. Er ging voran, sie folgte ihm durch die grünen Schluchten zwischen hohen Bohnenstangen, durch die lichteren Pfade zwischen halbhohen Erbsenreisern, vorbei an sorgfältig zusammengebundenen Beerensträuchern und knospenden Schwertlilien, bis zum Regenfaß, das wie ein leuchtend blauer Turm neben einem aus Pfählen gefügten Gartenhaus aufragte. Schmetterlinge flatterten, Bienen summten, kleine Vögel zirpten im dichten Gebüsch aus Hainbuchen, Flieder und wilden Rosen. Florian tauchte zuerst die kleine, rote, dann die große grüne Gießkanne in die Regentonne, zog sie schwer mit Wasser gefüllt wieder heraus und stellte sie ab. Dann schob er seinen Hut in den Nacken, warf einen Blick zum wolkenlos blauen Himmel hinauf und sagte zweifelnd: 'Sieht nicht so aus, als könnten wir morgen aus dem vollen schöpfen, was?''Dann müssen wir den Schlauch nehmen', erwiderte Muriel, die Gärtnerin, verständig und besonnen, bückte sich nach ihrer roten Gießkanne und fragte: 'Wo fangen wir an?''Bei den Bohnen. Nimm gleich den Korb mit, wir können schon ein paar pflücken.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 64
    Erscheinungsdatum: 30.07.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783740952754
    Verlag: Martin Kelter Verlag
    Größe: 439 kBytes
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Mami 1964 - Familienroman

"Setzen wir unsere Hüte auf?" fragte Muriel.

"Natürlich", sagte Florian, "wir wollen doch keinen Sonnenstich riskieren. Denk immer dran, deinen Kopf mußt du schützen, egal was du tust."

Damit nahm er zwei Hüte vom Garderobenhaken, einen kleinen aus blauem Jeansstoff und einen großen aus geflochtenem Stroh. Dann gingen sie über das alte Fliesenmuster - weiße Sterne auf dunkelrotem Grund - zur Hintertür, die weit offen stand, kraulten den träge ausgestreckten Mischlingshund namens Momo am Hals und betraten das Zauberreich: den Garten

Florian war groß und hager. Muriel war klein und zierlich. Er war fünfunddreißig Jahre alt. Sie war gerade fünf geworden. Er hatte dunkelbraunes Haar und dunkelbraune Augen. Sie war blondlockig und blauäugig.

Er ging voran, sie folgte ihm durch die grünen Schluchten zwischen hohen Bohnenstangen, durch die lichteren Pfade zwischen halbhohen Erbsenreisern, vorbei an sorgfältig zusammengebundenen Beerensträuchern und knospenden Schwertlilien, bis zum Regenfaß, das wie ein leuchtend blauer Turm neben einem aus Pfählen gefügten Gartenhaus aufragte. Schmetterlinge flatterten, Bienen summten, kleine Vögel zirpten im dichten Gebüsch aus Hainbuchen, Flieder und wilden Rosen.

Florian tauchte zuerst die kleine, rote, dann die große grüne Gießkanne in die Regentonne, zog sie schwer mit Wasser gefüllt wieder heraus und stellte sie ab.

Dann schob er seinen Hut in den Nacken, warf einen Blick zum wolkenlos blauen Himmel hinauf und sagte zweifelnd: "Sieht nicht so aus, als könnten wir morgen aus dem vollen schöpfen, was?"

"Dann müssen wir den Schlauch nehmen", erwiderte Muriel, die Gärtnerin, verständig und besonnen, bückte sich nach ihrer roten Gießkanne und fragte: "Wo fangen wir an?"

"Bei den Bohnen. Nimm gleich den Korb mit, wir können schon ein paar pflücken."

"Erbsen auch?"

"Sieh nach, ob die Schoten groß genug sind."

"Darf ich sie roh essen?"

"Klar. Solange sie jung sind, schmecken sie am besten."

Muriel trabte den sonnenwarmen Pfad entlang. Betäubender Duft stieg aus dem Kräuterbeet auf, wo Schnittlauch und Petersilie in dicken Büscheln wuchsen, Salbei und Thymian blühten, Bohnenkraut emporschoß, Liebstöckel, Lattich und Dill, so hoch, so hoch...

Am Pfad entlang ein Saum von Kapuzinerkresse mit unzähligen orangeroten Blüten, so schön, so schön...

Eine Schnecke bewegte sich langsam von rechts nach links, stolz aufgereckt der kleine Kopf mit den winzigen Hörnern, das kleine Haus auf ihrem Rücken kunstvoll geformt.

Momo trottete heran, blicklos, schnaufend. Würde er?

Muriel hielt den Atem an, aber nur für den Bruchteil einer Sekunde. Nein, auf Momo war Verlaß. Nie würde er eine seiner dicken Pfoten auf die Schnecke setzen. Auch die Kühe, wenn sie auf die Weide gingen, taten das nicht. "Hier ist eine Schnecke!" rief Muriel. "Wo soll ich sie hintun?"

"Auf den Kompost", antwortete Florian, der schon wieder die große Gießkanne füllte, "da findet sie soviel zu fressen, daß sie mir nicht an die Gurken zu gehen braucht. Kannst du sie anfassen?"

"Ja, sicher."

Es war elf Uhr vormittags. Aber darauf kam es nicht an, nicht hier, im Zauberreich der Wurzeln und Stengel, der Blätter und Blüten, der Ranken und Schößlinge, der Schnecken und Käfer, der Amseln und Zaunkönige.

Hier herrschte Zeitlosigkeit, keine kleinliche Einteilung in Stunden und Minuten, und wenn überhaupt etwas gemessen wurde, dann war es die Temperatur, der Luftdruck und die Luftfeuchtigkeit. All dies konnte man ablesen von einem schwarz lackierten Gerät, das unter dem Vordach des Gartenhäuschens angebracht war und gelegentlich von den Vögeln bekleckert wurde. Sofern man sich damit auskannte, sofern man Zahlen lesen und in dieser Anordnung, in diesem komplizierten Zusammenhang deuten konnte.

Muriel lernte es gerade, und zwar von Florian, der mehr wußte als die meisten anderen Menschen, nicht

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