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Manuel Venegas von Alarcon, Pedro A. de (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
eBook (ePUB)
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Manuel Venegas

Pedro Antonio de Alarcón y Ariza, ( 10. März 1833 in Guadix, Granada, 19. Juli 1891 in Madrid) war ein spanischer Schriftsteller und gehörte der literarischen Strömung des Realismus des 19. Jahrhunderts an, in dem sich der Wandel von der Romantik in die neue Epoche vollzieht. Der Roman trägt im Original den Titel "El niño de la bola" - der Knabe mit der Weltkugel, wie das Christuskind in Spanien vielfach genannt wird. Das Hauptinteresse liegt in der Schilderung spanischer Verhältnisse: alles spanisch: der Held trägt noch die andalusische Jacke und keinen Rock, alles hat den Stempel ausgeprägter Nationalität. Die beiden Liebenden wechseln in dem ganzen Romane kaum ein Wort! Die ganze Entwicklung in ihren sämtlichen Phasen spielt hauptsächlich, ja zum Teil ganz, auf der Straße: an allen Leiden und Freuden der beiden Hauptpersonen nimmt die ganze Stadt, die von allem aufs genaueste unterrichtet ist, den lebhaftesten Anteil.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 156
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956767722
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 454 kBytes
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Manuel Venegas

Auf der Höhe des Gebirges

1.
Naturfriede

Ein gewaltiger Vorsprung der höchsten und schönsten Sierra Spaniens trennt die Hauptstadt einer der am weitesten zurückgebliebnen Provinzen des Landes von der alten Stadt, in welcher der Bischof seinen Sitz hat.

Dieser Ast der mächtigen Gebirgskette ist etwa zehn Meilen breit - ebenso breit als die Entfernung zwischen den beiden Städten beträgt - und hat eine Höhe von durchschnittlich sechs- bis siebentausend Fuß über dem Meeresspiegel. Zu dieser Höhe auf gewundnen Pfaden hinauf- und wieder von ihr herunterzusteigen ist die gewöhnliche Anstrengung für alle die, welche von dem einen Distrikt in den andern reisen. In der Zeit, in welcher unsre Erzählung beginnt, konnte man dies nur auf einem schlechten Saumweg thun, welchen man seit dieser Zeit in einen noch viel schlechtern Fahrweg verwandelt hat.

Die erste Szene des romantischen und streng historischen - wenn auch nicht politischen - Dramas, welches ich so erzählen will, wie ich es selbst erlebt habe, fand auf der Höhe des erwähnten Bergjoches statt, in der Mitte des Weges, wo man die freie Aussicht nach beiden Seiten hat, fünf Meilen von jeder der beiden Städte entfernt, und wo die Reisenden, welche mit Sonnenaufgang aufgebrochen sind, sich mittags zurufen: "Mit Gottes Frieden, Kaballeros!"

Es ist eine rauhe steinige Gegend, ohne Geschichte, ohne Namen und ohne Herren, bewacht von furchtbaren Riesen aus Schiefer, eine Gegend, in der die Natur, jungfräulich und spröde, wie sie aus der Hand des Schöpfers hervorgegangen ist, arm und ohne viel Sorgen lebt, ganz dem Wechsel ihrer unabänderlichen Aufgaben hingegeben. So dürftig und rauh ist sie, daß niemand jemals Lust empfunden hat, den Tieren des Waldes den seit unvordenklicher Zeit unbestrittnen Besitz der dürftigen Kräuter und des harten Gestrüpps zu rauben, welche diese schroffen Felsen bekleiden. Ja selbst heute, nach dem allgemeinen Verkaufe alles Geschaffnen, figuriert dieser Teil unsers Planeten noch nicht auf der Liste des Staatsvermögens. Trotzdem lebten in der Zeit, von welcher wir sprechen, die unzivilisierten und ungebundnen Bewohner jener erhabnen Einöde nicht völlig nach ihrem Belieben, denn abgesehen von den gewöhnlichen Störungen, die ihnen zu gewissen Stunden die Nähe eines menschlichen Pfades immer bereitet hat, pflegte es damals nur allzu häufig zu geschehen, daß Räuber, in Scharen oder einzeln, bewaffnet mit furchtbaren Gewehren, friedlichen Reisenden oder gar den Organen der Landesjustiz auflauerten, da der Ort in strategischer Beziehung außerordentlich günstig gelegen war, um den Gesetzen der menschlichen Gesellschaft eine Schlacht zu liefern.

Am Sonnabend den fünften April hatte sich nachmittags um ein Uhr noch kein lebendes Wesen an jenem Punkte, von welchem man nach beiden Seiten nur die Wellenlinien niedrigerer Berge erblickte, sehen lassen. Allein mit ihrem Glück bewohnten ihn in diesem Augenblicke die Sperlinge und das kleine Getier des Waldes, alle um so zufriedner und umsomehr zu ihren Spielen aufgelegt, als der schöne großmütige Frühling auf einige Tage zu jenen Höhen hinaufzusteigen nicht verschmäht hatte.

Ja, hier empfand man ihn, den freigebigen Gott, hier fühlte man den zauberhaften Einfluß seiner Anmut und Schönheit. Ueberall sah man Blumen; an den sonnigen wie an den schattigen Stellen, zwischen den Felsklippen wie mitten in dem Moose, welches sie bekleidete, selbst auf dem gewundnen Pfade, den der Mensch gebahnt hatte, und an den Kreuzen und Steinen, welche die Erinnerung an barbarischen Mord bewahren sollten. Man atmete eine Luft, die gefüllt war mit köstlichen Wohlgerüchen. Die Vögel gestanden sich ihre Liebe in kurzen und hellen Lauten, die das tiefe und feierliche Schweigen der übrigen Schöpfung nur umsomehr bemerken ließen. Nur manchmal vernahm man das leise Murmeln kleiner Bäche, welche sich einen Pfad zwischen den Kieseln hindurch zu bahnen suchten; doch bald hörte

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