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Mardi und eine Reise dorthin Roman. Überarbeitete Ausgabe von Melville, Herman (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.06.2019
  • Verlag: Manesse
eBook (ePUB)
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Mardi und eine Reise dorthin

Wer "Moby-Dick" liebt, muss "Mardi" lesen Jubiläumsausgabe zum 200. Geburtstag Melvilles: "Ein ebenso hinreißendes wie monströses Werk ... der helle Wahn." (Klaus Modick, Deutschlandfunk) Südsee und Abenteuer, Liebe und Geheimnis, Zivilisations- und Gesellschaftskritik: All das findet sich in Herman Melvilles grandiosem Roman "Mardi". 1849 entstanden, gilt er als kühner Vorläufer von "Moby-Dick". Rainer G. Schmidts Übertragung erntete 1997 Begeisterungsstürme und wurde vielfach ausgezeichnet. Zum 200. Geburtstag Melvilles liegt sie, sorgfältig durchgesehen, nun in einer prachtvollen Ausgabe vor. Alles beginnt mit einer Flucht: Der Erzähler desertiert von einem Walfänger, auf dem er erfolglos den Pazifik durchstreift hat. Die Begegnung mit einem unwiderstehlich schönen Mädchen führt ihn zunächst nach Mardi, dann zu weiteren Südsee-Idyllen und in den weiten Ozean enthemmten Fabulierens... Herman Melville, 1819 in New York geboren, übte nach dem frühen Tod des Vaters diverse Gelegenheitsjobs aus, bevor er 1841 auf einem Walfänger anheuerte. Als freier Schriftsteller unternahm er lange Auslands- und Vortragsreisen, arbeitete als Farmer und Zollinspektor. Heute vor allem für seinen "Moby-Dick" weltberühmt, starb der Romancier, Dichter und Essayist einsam und vergessen im Jahr 1891.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 832
    Erscheinungsdatum: 24.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641183042
    Verlag: Manesse
    Originaltitel: Mardi and a voyage thither
    Größe: 3147 kBytes
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Mardi und eine Reise dorthin

III .

Ein König als Kamerad

W ir mussten uns zu der Zeit, von der ich jetzt berichte, etwas mehr als sechzig Grad westlich der Galapagos-Inseln befunden haben. Und da wir den erwünschten Längengrad erreicht hatten, steuerten wir nordwärts auf unseren arktischen Bestimmungsort zu: rings um uns ein weites Meer.

Doch genau nach Westen, obschon tausend Meilen entfernt, erstreckte sich nördlich und südlich ein fast unendlicher Archipel, hie und da bewohnt, doch kaum benannt; und fast niemand findet dorthin, selbst Walfänger nicht, die sich sonst überall tummeln. Beginnen wir mit der Südgrenze dieser großen Inselkette: Dort liegen die unter dem vagen Namen Ellice-Gruppe bekannten Inseln, dann die Kingsmill-Inseln, dann die Radack- und Mulgrave-Gruppen. 25 Diese Inseln waren mir im Wesentlichen als Korallenformationen geschildert worden, flach und fruchtbar und mit mannigfachen Früchten in Hülle und Fülle. Die Sprache der Bewohner, hieß es, sei derjenigen der Navigator-Inseln sehr ähnlich, von woher ihre Vorfahren vermutlich ausgewandert waren. 26

Und aus den Erzählungen wusste ich damals nicht mehr über die fraglichen Inseln als gerade das eben Gesagte. Doch Hauptsache, sie existierten überhaupt und unser Weg dorthin führte über eine verträgliche See, von einem verlässlichen Passat befördert. Die gleichwohl große Strecke war doch nur eine ausgedehnte Wasserfläche, nichts weiter als eine große Leere, die zu durchsegeln war; zudem in einem Gefährt, das bekanntermaßen bei richtiger Handhabung größere Schiffe in einem Sturm überlebt. Denn dies trifft wahrlich auf ein Walfangboot zu: in seiner Art das Ausgefeilteste, was Menschenhand je hergestellt hat.

Dann beschloss ich, komme was da wolle, meinen Fuß auf eine der Kingsmill-Inseln zu setzen. Und gleichfalls stand mein Entschluss fest, dass mich eines der Beiboote dorthin bringen sollte. Doch konnte ich mir nicht vorstellen, ohne einen Gefährten zu sein. Was wäre das für ein verdrießliches Umschauhalten, wenn ich alles für mich behielte, und nichts als der Horizont in Sicht.

Nun gab es in der Mannschaft einen trefflichen alten Seemann, einen gewissen Jarl. Keiner konnte sagen, wie alt er war, selbst er nicht. Die Zeitrechnung auf Vordeck ist immer unbestimmt und mangelhaft. "Ob ich nun Mann oder Junge war", sagte der gute Jarl, "ich habe immer gelebt, seit ich denken kann." Und wirklich, wer kann sich daran erinnern, dass er nicht lebte? Uns selbst scheint es, als seien wir alle gleichzeitig mit der Schöpfung da. Daher kommt es, dass es so schwerfällt zu sterben, bevor die Welt dahingegangen ist.

Jarl stammte von der Insel Skye, eine aus der Schar der Hebriden. Daher wurde er oft der Skyeman genannt. Und obwohl er alles andere als eine Piratenseele besaß, war er doch als ein alter Norse 27 anzusehen. Seine Hände waren kräftig wie Bärenpranken, seine Stimme war rau wie ein Sturm, der um die alten Gipfel von Mull 28 tobt, und sein langes Flachshaar umwehte seinen Kopf wie eine untergehende Sonne. Bei meinem Leben, Jarl: Deine Vorfahren waren Wikinger, die viele Male über die salzige Nordsee und die Ostsee segelten, die ihre Brunhilden in Jütland heirateten und die nun in der Halle der Walhalla Met schlürfen und mit ihren Krügen den Takt zu den Gesängen der Skalden schlagen. Ach, wie mich die alten Sagas durchrieseln!

Doch Jarl, der Abkömmling von Helden und Königen, war ein einsamer, freundloser Seemann auf hoher See, seinen Ahnen nur getreu durch das Seefahrerleben, das er führte. Aber so ist es gewesen, und so wird es immer sein. Welcher königliche Leibgardist wird nicht schwören, dass er von König Alfred 29 selbst abstammt? Welcher Wortklauber nicht, dass er ein Abkömmling des alten Homer sei? König Noah - Gott hab ihn selig - war unser aller Vater! Dann hoch den Kopf, o

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