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Maria, ihm schmeckt's nicht! Geschichten von meiner italienischen Sippe von Weiler, Jan (eBook)

  • Verlag: Ullstein TB
eBook (ePUB)
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Maria, ihm schmeckt's nicht!

"Ein wunderbar witziges, warmherziges Buch. Wer noch keine italienischen Verwandten hat, wird nach der Lektüre unbedingt welche haben wollen." Axel Hacke "Ein unverzichtbarer Beitrag zur deutsch-italienischen Freundschaft. Und saukomisch." Stern "Jan Weiler spielt gewitzt mit Sprach- und Nationenstereotypen." Der Spiegel "Hilft garantiert gegen trübe Tage" Für Sie Wenn Sie Jan Weiler als Redner buchen möchten, kontaktieren Sie bitte die Econ Referenten-Agentur. Jan Weiler, 1967 in Düsseldorf geboren, arbeitete als Texter in der Werbung und war lange Jahre Chefredakteur des SZ-Magazins . Mit seiner italienischen Frau und seinen zwei Kindern lebt er südlich von München. Wenn Sie Jan Weiler als Redner buchen möchten, kontaktieren Sie bitte die Econ Referenten-Agentur .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783548921099
    Verlag: Ullstein TB
    Größe: 3950 kBytes
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Maria, ihm schmeckt's nicht!

Eins

Ein Fremder steht vor der Tür. Das bin ich. Genau genommen bin ich nicht nur den Menschen hinter der Tür fremd, sondern vor allem mir selber. Ich habe mich nämlich mit einem Strauß Blumen als Schwiegersohn verkleidet. So kenne ich mich nicht, denn ich habe noch nie Schnittblumen an Menschen verschenkt, die nicht entweder zu meiner Familie gehörten oder wenigstens gleichaltrig und weiblich waren. Man bittet auch nicht sehr häufig im Leben um die Hand einer Tochter. Da kann man sich schon mal vor sich selber fremd fühlen.

Es ist unser erster gemeinsamer Besuch bei ihren Eltern. Zwar sind wir bereits mehr als zwei Jahre zusammen, aber ich kenne bisher nur ihre Schwester und sie. Das reicht ja auch, fand ich bisher. Dann jedoch machte ich Sara einen Heiratsantrag, was bei uns wie bei den meisten Menschen zu einem Besuch bei den Eltern führte.

Sara steht hinter mir und schubst mich.

Wir sind mehr als sechshundert Kilometer gefahren, und dabei erzählte Sara fast die ganze Zeit von ihrem Vater, der ihr den wundervollen Nachnamen Marcipane vererbt hat. Er sei ein wenig anstrengend, sagte sie. Manche fänden ihn wunderlich. Andere hätten sogar Angst vor ihm, aber das verstehe sie nicht. Er sei eine echte Nummer. Er habe Humor. Verstand, Appetit. Sei großzügig. Und besitze nun einmal die Angewohnheit, ohne Unterbrechung zu reden, wenn er sich wohl fühle. Da er sich die meiste Zeit seines Lebens ungemein wohl fühle, habe dies nun zur Folge, dass er von morgens bis abends rede. Das habe ihr früher in der Jugendzeit den letzten Nerv geraubt. Er habe damals ihre Verehrer, allesamt Deppen, wie sie etwas zu deutlich betont, regelrecht aus dem Haus gequasselt. Nun sei das alles nicht mehr so schlimm, er werde ja älter. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, ist mir nicht klar.

Ihr Vater sei, dozierte Sara, eine Art Windmaschine, die aber nicht nur Luft bewege, sondern auch Herzen. Er sei kaum zu Argem imstande, und wenn er doch mal sauer werde, dann doch nur um des Effektes willen, denn für wahren Zorn sei er eigentlich zu ignorant. Nichts interessiere ihn so sehr, dass es ihn wirklich aufregen könne. Dann fügte sie noch hinzu, dass es eigentlich nur eine Gefahr gebe, und die trete ein, wenn er nichts mehr sage, stumm bliebe. Je nach Dauer des Schweigens könne man sich dann auf Ärger einstellen, mitunter auf großen Ärger.

Kompliziert, dachte ich und fragte: "Und was ist mit deiner Mutter?"

Bisher weiß ich nur, dass Saras Mutter Ursula heißt, aus dem Rheinland kommt und die Geduld eines belgischen Brauereipferdes besitzt. Auf einem Jugendbild, das auf Saras Schreibtisch steht, ähnelt Ursula ihrer Tochter: sehr schmaler Mund, kleine Nase, viele Sommersprossen drum herum. Ihre Augen und die blonden, eigentlich unitalienischen Haare muss Sara aber von ihrem Vater haben. "Meine Mutter ist das komplette Gegenteil von Papa", sagte sie. "Ich habe echt keinen Schimmer, wie die das Gequassel aushält, aber immerhin sind die beiden schon knapp fünfunddreißig Jahre zusammen. Irgendwie muss es also funktionieren."

Als wir das Auto parkten, hatte ich ein mulmiges Gefühl. Was, wenn er mich nicht mag? Wenn er mir den kleinen Finger nach alter italienischer Väter Sitte abschneidet und ihn in einem mit bitterem Mandelduft parfümierten Briefumschlag meinen Eltern schickt, um diese zum Wohle eines landsmannschaftlichen Vereins zu erpressen? Wenn ich dann also in einem niederrheinischen Reihenhauskeller verblutend auf Nachricht warte und oben meine dann ja wohl Exfreundin mit den Kumpanen ihres Vaters heiser lachen höre? Meine Sorgen scheinen etwas übertrieben und speisen sich aus einer sehr exakten Unkenntnis des italienischen Wesens.

Eigentlich habe ich es bisher nur mit drei Italienern wirklich zu tun gehabt, wenn man mal die Kellner in Pizzerien und Hotelangestellten in den Dolomiten beiseite lässt, zu denen ich im Laufe meines Lebens zwar Kontakt, aber kein irgendwie geartetes Verhäl

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