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Marmelade im Herzen Roman von Martinek, Hilly (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.07.2018
  • Verlag: Penguin Verlag
eBook (ePUB)
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Marmelade im Herzen

Tildas Leben läuft prima, und eigentlich hat sie allen Grund, zufrieden zu sein. Doch manchmal fragt sie sich, was sie daran hindert, wirklich glücklich zu sein. All diese Gedanken werden unwichtig, als ihr auffällt, dass ihr Vater immer mehr Dinge vergisst. Angst greift nach ihr - denn das hat sie schon einmal erlebt: als ihr Großvater Amandus an Alzheimer erkrankte. Und plötzlich sieht sie wieder das 11-jährige Mädchen vor sich, das sie damals war, voller Mut, Liebe und Abenteuergeist. Am Abend stöbert sie in den Tagebüchern, die sie über diese traurigste, verrückteste und intensivste Zeit ihres Lebens geschrieben hat. Alles begann, als Oma starb ...

Hilly Martinek wurde 1977 in Cuxhaven geboren und lebt heute in Hamburg. Zusammen mit ihrem Mann Krystian schrieb sie Drehbücher u. a. für die ARD-Fernsehreihe "Das Traumhotel". Bekannt wurde sie durch das Drehbuch für den Film "Honig im Kopf" (2014), das sie nach eigenen Erfahrungen mit ihrem an Alzheimer erkrankten Vater gemeinsam mit Til Schweiger verfasste. "Marmelade im Herzen" ist ihr erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 09.07.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641226572
    Verlag: Penguin Verlag
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Marmelade im Herzen

3

Auf der kurzen Fahrt von unserem Zuhause in Eppendorf nach Harvestehude impfte mir Philipp die Details zu seinen neuen Klienten ein.

"Der Wichtigste der vier ist Behling", sagte er, und ich lehnte mich im Sitz zurück. "So ein kleiner Dicker mit Wieselblick. Er wohnt in Blankenese. Zwillinge in Käthes Alter. Die Frau wirst du mögen."

"Und warum braucht er einen Anwalt für Familienrecht?"

"Papa hat vor zwei Jahren die gesamten Erbschaftsangelegenheiten von Behling senior abgewickelt. Derzeit ... Nun ja. Derzeit geht es um beträchtliche Unterhaltsforderungen."

"Von einer früheren Frau?"

Philipp druckste herum.

"Angeblich hat er eine Tochter in Tschechien."

"Angeblich? Aber das lässt sich doch feststellen."

Philipp seufzte.

"Das ist nicht so einfach."

"Wie - nicht so einfach? Entweder ist sie seine Tochter oder nicht. Und wenn ja, muss er zahlen." Ich zog die Stirn in Falten. "Was ist das überhaupt für ein Typ?"

"Hör zu, Tilda. Das sind alles Interna. Und außerdem hast du versprochen ..."

"Keine sozialistischen Reden", grummelte ich.

Der Rest der Fahrt verlief schweigend. Ich war voreingenommen. Aber Typen wie Behling waren der Grund, warum ich froh war, das Jurastudium an den Nagel gehängt zu haben. Leute, die sich vor ihren Pflichten drückten, sich um Wahrheit und Gesetz herumwanden und überall nur ihren Vorteil suchten, hätte ich weiß Gott nicht vertreten wollen. Philipp sah auch das pragmatischer.

Die Villa meiner Schwiegereltern roch zu gleichen Teilen nach Geld und hanseatischer Tradition. Über eine breite Eingangstreppe ging es hinauf zu einem opulenten Säulenportal. Olga, das Hausmädchen, öffnete die schwere Eichentür und ließ uns ein.

"Da seid ihr ja endlich", sagte Käthe-Elisabeth. Philipps Mutter musterte mich einen Augenblick zu lange und zog mich am Arm in das Wohnzimmer, Pardon, den Salon . Sie hatte das weißblonde Haar hochgesteckt und trug ein marineblaues Kostüm, das vor Understatement geradezu schrie. Für den Preis dieses Teils hätte man sämtliche Obdachlosen in St. Pauli das Jahr über durchfüttern können, da war ich mir sicher.

"Wir beginnen hier mit einem zwanglosen Cocktailempfang, anschließend geht es ins Speisezimmer. Tilda, du sitzt zwischen den Herren Almsiek senior und junior. Beide sind umgänglich und unkompliziert."

Übersetzt hieß das: Da kannst du am wenigsten falsch machen.

"Sie besitzen ein aufstrebendes Tee-Imperium in Flensburg. In der Branche solltest du dich ja auskennen." Es war jedes Mal wieder erstaunlich, wie viel Verachtung Käthe-Elisabeth in ein einzelnes Wort legen konnte. Branche. "Allerdings ist die Familie alt", schob sie hinterher.

Ich täuschte ein Gähnen vor, denn ich wollte ihr nicht die Genugtuung geben zu sehen, wie ich anbiss. Ja, mein Vater war ein Geschäftsmann, wie skandalös, und meine Familie, nein, sie war nicht alt, sondern "neureich". Welch ein Vergehen.

"Irgendwelche besonderen Interessen?", fragte ich betont gelassen. "Außer Geld und Umsatz?"

Pikiert zog sie eine stark gezupfte Augenbraue hoch. "Segeln und Golf natürlich. Almsiek senior hat einen übel riechenden Hund, den er oft in die Kanzlei deines Schwiegervaters mitbringt. Aber du magst ja Tiere."

In dem Stil ging es weiter. Zehn Minuten später bedauerte ich aufrichtig, dass Max keinen Darmvirus, Windpocken oder von mir aus auch die Maul- und Klauenseuche aus dem Kindergarten mitgebracht und mich angesteckt hatte. Als die ersten Gäste eintrafen, schmerzten meine Füße so höllisch, dass ich anfing, die Minuten runterzuzählen.

Hunderte von Essen in Gesellschaft meiner Schwiegereltern hatten mich darin geschult, interessiert bis angetan zu gucken, regen Anteil zu nehmen und clevere Einwürfe zu machen, ohne geistig anwesend zu sein. Erstaunlicherweise war es diesmal gar nicht so schlimm. Almsiek senior taute auf

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