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Martin Eden von London, Jack (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Martin Eden

"Martin Eden" ist eines der größten Werke von Jack London. Der zum Teil autobiographische Roman erschien erstmals im Jahre 1909. Es ist die Geschichte eines ungebildeten, ungehobelten, jedoch weltklugen jungen Mannes, der sich heroisch um die Zuneigung eines Mädchens aus der gehobenen Schicht bemüht. Martin Eden glaubt, einzig durch das Erlangen von Bildung und Respekt würdig für die Liebe der jungen Ruth Morse zu sein. Er kann sich aber keine Schule und keinen Lehrer leisten und beschließt somit, sich selbst autodidaktisch zu unterrichten. Auf diesem Weg offenbaren sich ihm Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden, Geschichten über sein eigenes Leben und das anderer, Geschichten, die seine Erfahrungen in einer gesellschaftlichen Schicht erzählen, die bei Ruth, ihren Eltern, ihren Brüdern und deren sozialem Umfeld verpönt ist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 424
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783744853637
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 475kBytes
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Martin Eden

"Sie sehen, daß es Martin nicht um Bildung zu tun ist", triumphierte Olney. "Er will ein Ziel erreichen, etwas ausrichten."

"Aber es ist Geistestraining, Denkübung. Es diszipliniert den Geist." Ruth sah Martin erwartungsvoll an, als dächte sie, daß er anderen Sinnes würde. "Sie wissen doch, daß Fußballspieler für den Wettkampf trainieren müssen. Und das bedeutet Latein für den denkenden Menschen. Es trainiert ihn."

"Unsinn! Das hat man uns erzählt, als wir Kinder waren. Aber etwas hat man uns damals nicht erzählt. Das mußten wir später herausfinden." Olney machte, um seine Worte wirkungsvoller zu machen, eine Pause und fügte dann hinzu: "Was man uns nicht erzählte, war, daß jeder Gebildete Latein hätte lernen sollen, daß aber kein Gebildeter Latein kann."

"Nein, das ist kein ehrliches Spiel!" rief Ruth. "Ich wußte, daß Sie das Gespräch auf eine andere Bahn bringen würden, um Gelegenheit zu haben, eines ihrer Paradoxe anzubringen."

"Es ist zwar ein Paradox," antwortete er, "aber dabei doch ein vollkommen ehrliches Spiel. Die einzigen Menschen, die Latein können, sind Apotheker, Juristen und die Lateinlehrer. Und ich würde mich sehr wundern, wenn Martin zu einem dieser Berufe Lust hätte. Aber was hat das übrigens mit Herbert Spencer zu tun? Martin hat soeben Spencer entdeckt und ist ganz wild auf ihn. Warum? Weil Spencer ihn zu einem Ziele führt. Wir haben kein Ziel, auf das wir losgehen. Sie verheiraten sich natürlich eines Tages, und ich brauche nur die Anwälte und Agenten, die das mir von meinem Vater hinterlassene Geld verwalten, an den Ohren zu halten."

Olney erhob sich, um zu gehen. Aber in der Tür wandte er sich noch einmal um und schoß den letzten Pfeil auf Ruth ab.

"Lassen Sie Martin nun in Frieden, Ruth! Er weiß selbst, was ihm not tut. Sehen Sie, was er schon erreicht hat! Er macht mich manchmal ganz elend und schamvoll - elend und schamvoll über mich selbst. Er weiß tatsächlich von der Welt und dem Leben, dem Platz der Männer im Leben und alledem weit mehr als Arthur und ich, ja, auch als Sie, und das trotz all unserm Latein, Französisch, Angelsächsisch und unserer allgemeinen Bildung."

"Aber Ruth ist meine Lehrerin", antwortete Martin ritterlich. "Das wenige, das ich weiß, habe ich ihr zu verdanken."

"Unsinn!" Olney sah Ruth boshaft an. "Schließlich wollen Sie mir noch erzählen, daß Sie Spencer auf Ruths Empfehlung gelesen haben - aber das ist nicht wahr. Denn sie weiß von Darwin und der Entwicklungslehre nicht mehr als ich von König Salomons Minen. Was war das für eine halsbrecherische Definition von irgend etwas bei Spencer, mit der Sie uns neulich erheiterten? - Diese unbestimmte, unzusammenhängende Bemerkung von der Gleichartigkeit der Dinge? Fragen Sie sie, und Sie werden sehen, daß sie nicht ein Wort davon versteht! Das ist nicht allgemeine Bildung, verstehen Sie. Na ja! Und wenn Sie mit Latein anfangen, Martin, dann habe ich keine Achtung mehr vor Ihnen."

War Martin einerseits dem Gespräch mit großem Interesse gefolgt, so ärgerte er sich anderseits irgendwie darüber. Es hatte von Studium und Unterricht gehandelt, Gegenständen, die mit den elementarsten Kenntnissen zu tun hatten, und der schulknabenhafte Ton stand in scharfem Gegensatz zu den großen Gefühlen, die sich in ihm regten - zu dem Griff ins Leben, der seine Finger sich wie Adlerkrallen krümmen ließ, zu dem kosmischen Gefühl, das ihn durchschauerte, und zu dem dämmernden Bewußtsein, daß er alles beherrschen konnte. Er verglich sich selbst mit einem Dichter, der an fremden Küsten Schiffbruch erlitten hat und stammelnd den vergeblichen Versuch macht, in der plumpen barbarischen Sprache seiner neuen Landsleute zu singen. So ging es ihm. Er war sich der großen, universellen Dinge bewußt, peinlich bewußt, und doch war er genötigt, unter Gegenständen herumzutasten und zu suchen, die für Schulknaben geeignet waren, und sich darüber zu streiten, ob er Latein lernen

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