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Martin Luther Aus dem Leben einer Legende von Grasl, Monika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.05.2017
  • Verlag: Burgenwelt Verlag
eBook (ePUB)
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Martin Luther

Für die einen ein Heiliger, für andere ein Ketzer - Martin Luther erschütterte im 16. Jahrhundert die Grundfesten der katholischen Kirche, die er mit der Verbreitung seiner Ansichten herausforderte. 500 Jahre ist Martin Luthers berühmter Thesenanschlag her, der den Stein ins Rollen brachte. Die Geschichten über sein Leben und seinen Glauben sind bis heute fesselnd und brisant. 17 Autorinnen und Autoren haben für diese Anthologie die Feder geschwungen und Überlieferungen aufgegriffen, weitergesponnen und zuweilen höchst kreativ ausgeschmückt. Folgen Sie mit dieser Sammlung kurzweiliger Erzählungen der Spur Luthers und den prägenden Erlebnissen seines Lebens, beginnend in seiner Kindheit bis hin zu seinem Tod und dem, was er der Nachwelt hinterließ. Folgende Autoren sind in diesem Buch vertreten: Monika Grasl, Anton Vogel, Martin Simon, Sophia Schönhals, Udo Brückmann, Stefanie Bender, Manuela Schörghofer, Inken Weiand, Sabine Frambach, Ute Zembsch, Carolyn Srugies, Regine D. Ritter, Stephan Gräfe, Erik Huyoff, Anna Eichenbach, Martin Beyerling, Tanja Brink

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 15.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783943531671
    Verlag: Burgenwelt Verlag
    Größe: 346kBytes
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Martin Luther

Manuela Schörghofer - Wolfsliste

V ereinzelt fielen noch einige Tropfen vom Dachrand. Durch das Fenster beobachtete ein schmächtiger Junge ihren Weg zur Erde. Der kräftige Regen hatte die lehmige Straße von Mansfeld aufgeweicht und überall Pfützen hinterlassen.

Hoffnungsvoll reckte Martin den Hals, sah den schlammigen Weg entlang. Doch Nikolaus Ömler, seinen älteren Kameraden, der ihn manchmal zur Schule trug, konnte er nicht entdecken.

"Trödel nicht, sonst kommst du zu spät." Die strenge Stimme seiner Mutter ließ Martin zusammenzucken. Hastig warf er einen Blick über die Schulter.

Margaretha Luder war nicht groß gewachsen. Ihre rauen Hände, mit denen sie so oft Holz im Wald sammelte, hielten das kleinste der Geschwister auf der Hüfte fest. Ihre Mundwinkel hingen stets ein wenig nach unten, was ihr Gesicht verhärmt aussehen ließ. Ihre Lippen waren fest zusammengekniffen, während sie ihren ältesten Sohn betrachtete.

"Ja, Mutter, ich beeile mich." Martin öffnete die Haustür und drückte seine Schultasche fester an sich, als könnte sie ihn vor dem feuchten Wetter schützen. Seine dunklen, sorgfältig gekämmten Haare wurden von einer Mütze verdeckt, die er sich tiefer in die Stirn zog, bevor er über die Schwelle des elterlichen Hauses trat.

Vorsichtig sprang Martin über die Pfützen, darauf bedacht, nicht hineinzutreten. Schmutzige Schuhe waren der Mutter ein Gräuel und zogen Ärger nach sich. Obwohl er spät dran war, warf er - wie jeden Morgen - einen Blick auf die Burg der Grafen von Mansfeld, die hoch über der jungen Stadt thronte. Ihren Wohlstand verdankten sie den reichen Kupfervorkommen der Gegend. Martins Vater, Hans Luder, hatte von ihnen eine Hütte gepachtet, wo aus dem abgebauten Kupferschiefer Rohkupfer herausgeschmolzen wurde. Wie die Mutter, so erwartete auch der Vater gute Leistungen von seinem Ältesten. Martin seufzte, als er seinen Weg fortsetzte. Die Mansfelder Trivialschule, die durch die Großzügigkeit der Grafen errichtet worden war, lag nicht weit entfernt. Das zweistöckige Gebäude befand sich neben der St. Georgkirche, einem romanischen Gotteshaus aus einem vorherigen Jahrhundert.

Magister Schneider, ein großer hagerer Mann mit einer raubvogelartigen Nase, die stets ein wenig zitterte, wenn sein Träger zornig war, wartete mit auf dem Rücken verschränkten Händen vor der Eingangstür. Er musterte die Schüler, die sich in Zweierreihen aufgestellt hatten.

"Hallo Hans", murmelte Martin, als er neben seinen besten Freund, Hans Reineke, huschte. Er war ebenfalls der Sohn eines Hüttenmeisters, hatte etwa Martins Größe, war aber von kräftigerer Statur. Die Haare standen ihm immer ein wenig wirr vom Kopf ab, so sehr er sich auch bemühte sie glattzukämmen.

Magister Schneiders Blick wanderte streng über die Schüler, bis kein Laut mehr von ihnen zu hören war. Erst dann ließ er die Jungen eintreten. Der Klassenraum war karg und überschaubar. Die Pulte standen in drei Reihen geordnet. Von der gekalkten Wand auf der rechten Raumseite schaute der Gekreuzigte zur Fensterfront gegenüber.

Schweigend gingen die Kinder zu ihren Plätzen. Der Lehrer schloss die Tür und stellte sich vor die Klasse. "Salvete", grüßte er die Schüler, die ihm im Chor antworteten, bevor sie sich setzen durften. Auf Lateinisch befahl der Lehrer ihnen, ihre Fibeln aufzuschlagen, über die - Dank der gräflichen Stiftung - jedes Kind verfügte. Er trat neben Ulf in der mittleren Reihe und wies ihn an, einen Satz zu lesen und zu übersetzen.

Während Ulf sich redlich mühte, das Prädikat im Satz zu finden, wurde Martins Blick von einer Amsel angezogen, die auf dem Fenstersims gelandet war. Der Vogel spreizte einen seiner Flügel und begann sich zu putzen. Der Lehrer nahm den nächsten Schüler an die Reihe. Martin betrachtete weiterhin die Amsel, die sich kurz schüttelte, bevor sie den Kopf verdrehte und ihm das Gefühl gab, ihn ebenfalls zu beo

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