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Maschinen wie ich von McEwan, Ian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.05.2019
  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Maschinen wie ich

Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler Anfang 30. Miranda eine clevere Studentin, die mit einem dunklen Geheimnis leben muss. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen Adam Abbitte Maschinen wie ich

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 22.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257609585
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: Machines Like Me
    Größe: 841 kBytes
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Maschinen wie ich

Eins

E s war der Hoffnungsschimmer einer religiösen Sehnsucht, es war der Heilige Gral der Wissenschaft. Unsere höchsten und niedersten Erwartungen wurden geweckt von diesem wahr gewordenen Schöpfungsmythos, diesem ungeheuer lichen Akt der Selbstverliebtheit. Kaum war es machbar, blieb nichts weiter übrig, als unserem Verlangen nachzugeben und auf die Folgen zu pfeifen. Pathetisch gesagt strebten wir danach, unserer Sterb lichkeit zu entrinnen, Gott mit seinem perfekten Ebenbild zu konfrontieren oder gar zu ersetzen. Praktischer gedacht wollten wir eine verbesserte, modernere Version unserer selbst schaffen und die Freuden des Erfindens genießen, das Hochgefühl wahrer Meisterschaft. Im Herbst des zwanzigsten Jahrhunderts war es end lich so weit: Der erste Schritt zur Erfül lung eines uralten Traums war getan, und es begann jene lange Lektion, die uns lehrte, dass wir - wie kompliziert wir auch sein mochten, wie fehlerhaft und selbst in unseren einfachsten Hand lungen, unserem sch lichtesten Sein so schwer zu beschreiben - dennoch kopiert und verbessert werden konnten. Und ich war dabei in jener kühlen Morgendämmerung, ein eifriger Nutzer der ersten Stunde.

Künst liche Menschen waren ein K lischee schon lange, bevor es sie gab, weshalb sie manche, als sie dann end lich da waren, enttäuschend fanden. Die Phantasie, so viel schneller als die Historie, als jeder technologische Fortschritt, hatte diese Zukunft bereits in Büchern durchgespielt, dann im Kino und Fernsehen, als könnten uns mensch liche Schauspieler mit glasigem Blick, ruckartigen Kopfbewegungen und steifem Kreuz auf das Leben mit unseren Vettern aus der Zukunft vorbereiten.

Ich gehörte zu den Optimisten und sah mich nach dem Tod meiner Mutter und dem Verkauf des Familienhauses, das, wie sich erwies, auf wertvollem Bauland stand, mit unverhoff tem Reichtum gesegnet. Der erste wirk lich funktionsfähige künst liche Mensch mit überzeugender Intelligenz und glaubhaftem Äußeren, mit lebensechter Motorik und Mimik kam auf den Markt, eine Woche ehe unsere Truppen zu ihrer hoffnungslosen Falkland-Mission aufbrachen. Adam kostete 86 000 Pfund. Ich brachte ihn in einem gemieteten Transporter zu meiner schäbigen Wohnung in North Clapham. Es war eine leichtsinnige Entscheidung gewesen, befeuert von Berichten, dass sich Sir Alan Turing, Kriegsheld und größtes Genie des digitalen Zeitalters, dasselbe Modell hatte liefern lassen. Bestimmt wollte er es in seinem Labor auseinandernehmen, um genau zu sehen, wie es funktionierte.

Zwölf Exemplare dieser ersten Produktionsreihe hießen Adam, dreizehn Eve. Nicht gerade originell, da war man sich einig, aber verkäuf lich. Da biologische Vorstel lungen von Rasse wissenschaft lich in Verruf geraten waren, hatte man beim Design der fünfundzwanzig darauf geachtet, eine mög lichst große Bandbreite an Ethnien abzudecken. Es gab erst Gerüchte, dann Beschwerden, dass der Araber nicht vom Juden zu unterscheiden war. Zufallsprogrammierung in Kombination mit Lebenserfahrung würde jedem Exemplar hinsicht lich sexueller Präferenzen eine freie Wahl garantieren. Die Eves waren nach einer Woche schon ausverkauft. Meinen Adam hätte man flüchtig besehen für einen Türken oder Griechen halten können. Da er 85 Kilo wog, musste ich Miranda, meine Nachbarin, bitten, mir zu helfen, und gemeinsam schleppten wir ihn auf einer mitgelieferten Einmal trage von der Straße in die Wohnung.

Während sich die Batterien auf luden, setzte ich uns Kaffeewasser auf und scrollte dann durch das 470 Seiten starke Online-Handbuch. Es las sich größtenteils klar und präzise. Allerdings hatte man Adam in verschiedenen Werkstätten zusammengesetzt, weshalb manche Instruktionen den Charme eines Unsinnsgedichts besaßen: "Vorderteil des B 347 k Leibchens entblößen, um mit dem sorglos Emoticon des Motherboard Outputs die Stimmungsschw

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