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Maskenball Unter den Linden von Croiset, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.02.2014
  • Verlag: Schöffling & Co.
eBook (ePUB)
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Maskenball Unter den Linden

1935: Der vierundzwanzigjährige Schauspieler Moritz Akkerman aus Amsterdam reist für ein paar Tage nach Berlin, um dort im berühmten UFA-Filmstudio seine Rolle aus einem holländischen Film zu synchronisieren. Er ist frisch verheiratet. Kurz vor der Abreise wird sein Sohn geboren, weshalb er sich nur ungern von seiner Familie trennt. Doch die Aussicht auf eine besonders hohe Gage und damit die Möglichkeit, einen soliden deutschen Kinderwagen kaufen zu können, machen ihm die Abreise leichter. Berlin ist verstörend: Die Flaggen, die Paraden, die unübersehbare Unterdrückung der jüdischen Bevölkerung überwältigen ihn ebenso wie die Avancen einer bekannten deutschen Schauspielerin, die Verbindungen zu den höchsten politischen Kreisen pflegt. Nachdem zwei deutsche 'Rasseexperten' ihm bescheinigt haben, dass er das Aussehen eines reinblütigen Ariers hat - Moritz ist jüdischer Abstammung -, und er die Möglichkeit bekommt, an der deutschen Aufführung von Joost van den Vondels 'Luzifer' mitzuarbeiten, beginnt ein Spiel mit dem Feuer. Hans Croiset, geboren 1935, ist ein niederländischer Regisseur und Schauspieler, der sich mit vielen Theaterstücken, Filmen und Fernsehspielen einen Namen gemacht hat. Als künstlerischer Leiter und Mitbegründer verschiedener Theatergruppen ist er für sein Werk vielfach ausgezeichnet worden. Mirjam Pressler, 1940 in Darmstadt geboren, gehört zu den namhaftesten Autorinnen der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur und ist eine renommierte Übersetzerin aus dem Hebräischen und Niederländischen. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt den Sonderpreis Gesamtwerk des Jugendliteraturpreises (2010) und die Buber-Rosenzweig-Medaille (2013). Sie lebt in der Nähe von München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 11.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783731760337
    Verlag: Schöffling & Co.
    Größe: 1276 kBytes
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Maskenball Unter den Linden

Prolog

I ch bin jetzt sieben Tage alt und fühle mich sehr gut, danke. Ehrlich gesagt, ich hatte ein wenig Angst davor, geboren zu werden, aber dann war es gar nicht so schlimm. Meine Eltern freuen sich über mich, sie sind liebevoll und sorgsam. Ich habe mich ziemlich unerwartet angemeldet, denn ich kam einen Monat zu früh und sie waren noch nicht darauf vorbereitet. Aber jetzt, da ich nun mal da bin, ist vor allem meine Mutter erleichtert, dass sie die Geburt, vor der sie sich schrecklich gefürchtet hatte, hinter sich hat. Und ich, ich hätte keine bessere Entscheidung treffen können.

Das Auf-die-Welt-Kommen war wirklich eine besondere Erfahrung, all diese Gesichter um mich herum und dieses ganze Gerenne und Getue, die vielen Menschen, über die ich im Dunkeln hatte reden hören, ohne die geringste Ahnung zu haben, wie sie aussehen. Am neugierigsten war ich auf meine Mutter, irgendwann lag ich dann in ihren Armen, zumindest nahm ich an, dass es ihre Arme waren, denn ich bekam ihr Gesicht nicht zu sehen. Da stellst du dir acht Monate lang vor, wie jemand aussieht, und wenn du dann endlich hinausdarfst, kannst du nicht mal sehen, ob das Bild, das du dir ausgemalt hast, einigermaßen mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Oder war meine Ungeduld schuld, hätten die dreißig Tage, die ich noch eingesperrt hätte verbringen müssen, mir Antworten auf all die Fragen gegeben, mit denen ich mich in den ersten Stunden herumschlug?

Wen ich gleich erkennen konnte, waren meine Großmütter, die beide ein bisschen weinten. Verwirrend. Freuen sie sich nicht, dass ich da bin? Da muss man doch nicht weinen?

Irgendwie kam es mir vor, als hätten alle erwartet, ich wäre ein Mädchen, weil meine beiden Großmütter zuerst Mädchen geboren hatten. Aber so war es nicht. Zum Glück hat ihnen das aber gut gefallen.

Mein Vater war nicht dabei, er ist Schauspieler, er musste, irgendwo weit weg auftreten. Eine der beiden Großmütter rief ihn an und sagte:

"Gerade ist ein kleiner Junge angekommen."

Zwischen all den Frauengesichtern tauchte irgendwann mein Großvater auf. Zuerst dachte ich, er wäre mein Vater, meine Mutter hing an ihm, als wäre er ihr Ehemann, aber dann hörte ich, dass es eine andere Stimme war als jene, an die ich mich gewöhnt hatte, als ich noch im Bauch meiner Mutter war.

Nach einer Stunde Fröhlichkeit wurde es etwas ruhiger, meine Mutter schlief bei dem ganzen Theater um sie herum ein, und mich hatte man für eine Weile meinen Großmüttern anvertraut. Die eine heißt Rachel, die andere wird Bomma genannt. Beide wiegten mich abwechselnd in ihren Armen und flüsterten mir alle möglichen fremden Wörter und Laute in die Ohren, die eine in einem flämischen Dialekt, den ich kaum verstand, die andere in einer Sprache, mit der ich auch nichts anfangen konnte. Laute, die ich bis dahin noch nie gehört hatte, halb gesungen, halb gesprochen wurden, legten sich wie eine kleine Decke um meinen Hals und mein Genick... Un in schtub is hejß 1 ...

Und wenn jemand hereinkam, war es nicht, als würde sie mich zudecken ... hejß, hejß ... aber sie flüsterte tapfer weiter... hejß, hejß...

Im Krankenhauszimmer wurdenüber unserem Bett frische Girlanden gehängt. Wir lagen zwischen Frauen, die die Wehen noch vor sich hatten, denn über deren Betten hing noch nichts.

Nach einer Weile verschwanden alle Besucher, es wurde dunkler, meine Mutter schlief wieder ein und ich auch, glaube ich, denn es war schon ein bisschen hell, als mein Vater ins Krankenhauszimmer stürzte. Er war mit dem Zug durch die Nacht zu meinem ersten Morgen außerhalb

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