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Meine dunkle Vanessa Roman - Der New-York-Times-Bestseller von Russell, Kate Elizabeth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2020
  • Verlag: C. Bertelsmann
eBook (ePUB)
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Meine dunkle Vanessa

Brillant und verstörend! Ein brandaktueller Roman, der mitten ins Herz der #MeToo-Debatte trifft Vanessa ist gerade fünfzehn, als sie das erste Mal mit ihrem Englisch-Lehrer schläft. Jacob Strane ist der einzige Mensch, der sie wirklich versteht. Und Vanessa ist sich sicher: Es ist Liebe. Alles geschieht mit ihrem Einverständnis. Fast zwanzig Jahre später wird Strane von einer anderen ehemaligen Schülerin wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt. Taylor kontaktiert Vanessa und bittet sie um Unterstützung. Das zwingt Vanessa zu einer erbarmungslosen Entscheidung: Stillschweigen bewahren oder ihrer Beziehung zu Strane auf den Grund gehen. Doch kann es ihr wirklich gelingen, ihre eigene Geschichte umzudeuten - war auch sie nur Stranes Opfer? "Meine dunkle Vanessa" ist ein brillanter Roman über all die Widersprüche, die unsere Beziehungen prägen, ein Roman, der alle Gewissheiten erschüttert und uns spüren lässt, wie schwierig es ist, klare Grenzen zu ziehen. Verstörend und unvergesslich! Kate Elizabeth Russell wurde in Maine geboren und hat an der University of Kansas promoviert. Sie schreibt für verschiedene Magazine, und eine ihrer Erzählungen wurde für den renommierten Pushcart Preis nominiert. Ihr Debütroman "Meine dunkle Vanessa" stieg direkt nach Erscheinen in die Top Ten der New-York-Times-Bestsellerliste ein und wird von Kritikern wie Leserinnen heiß diskutiert. Das Buch erscheint in rund 25 Ländern. Kate Elizabeth Russell lebt in Madison, Wisconsin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 01.07.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641267711
    Verlag: C. Bertelsmann
    Originaltitel: My Dark Vanessa
    Größe: 4087 kBytes
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Meine dunkle Vanessa

2000

Als wir auf den zweispurigen Highway nach Norumbega einbiegen, sagt Mom: "Ich wünsche mir wirklich, dass du dieses Jahr mehr unter Leute gehst."

Es ist der Beginn meines zehnten Schuljahrs an der Highschool, der Tag, an dem wir unser Wohnheimzimmer beziehen, und diese Fahrt ist für Mom die letzte Gelegenheit, mir Versprechen abzunehmen, ehe ich von der Browick School geschluckt werde und ihr Kontakt zu mir sich auf Telefonate und Ferientage beschränkt. Vergangenes Jahr hatte sie die Sorge, dass ich im Internat über die Stränge schlagen könnte, sie ließ mich versprechen, dass ich weder Alkohol trinken noch Sex haben würde. Dieses Jahr soll ich ihr versprechen, neue Freundschaften zu schließen, was ich um ein Vielfaches beleidigender finde, wenn nicht gar grausam. Es ist fünf Monate her, seit ich mich mit Jenny verkracht habe, aber es tut immer noch weh. Schon bei dem Ausdruck "neue Freundschaften" dreht sich mir der Magen um; die Vorstellung kommt mir vor wie ein Verrat.

"Ich möchte einfach nicht, dass du Tag und Nacht allein in deinem Zimmer hockst", sagt sie. "Ist das denn so schlimm?"

Ich drücke mich in den Beifahrersitz, sehne mich danach, mit dem ganzen Körper darin zu versinken, um mir nicht anhören zu müssen, wie sie meine eigenen Worte gegen mich verwendet.

Vor anderthalb Jahren, als ein Vertreter der Browick School in meine achte Klasse kam und uns ein Werbevideo vorspielte, in dem ein gepflegter, in goldenes Licht getauchter Schulcampus zu sehen war, erstellte ich unter der Überschrift "Warum Browick besser ist als eine öffentliche Schule" eine Liste mit insgesamt zwanzig Punkten, um meine Eltern dazu zu überreden, mich dort bewerben zu dürfen. Ein Punkt war das "soziale Gefüge" am Internat, neben der hohen Annahmequote von Absolventen am College und der Anzahl der angebotenen Leistungskurse, lauter Argumente, die ich dem Prospekt entnommen hatte. Letzten Endes genügten mir zwei Punkte, um meine Eltern herumzubekommen: Ich errang ein Stipendium, sodass es sie nichts kostete, und es kam zu dem Amoklauf an der Columbine Highschool. Wir schauten tagelang CNN , die in Dauerschleife laufenden Videoclips von Kindern und Jugendlichen, die um ihr Leben rannten. Als ich feststellte: "So etwas wie Columbine würde an der Browick nie passieren", wechselten meine Eltern einen Blick, als hätte ich damit einen Gedanken ausgesprochen, der ihnen bereits durch den Kopf gegangen war.

"Du hast den ganzen Sommer Trübsal geblasen", sagt Mom nun. "Höchste Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen und zu neuen Ufern aufzubrechen."

"Das stimmt nicht", murmle ich, aber es stimmt sehr wohl. Wenn ich in den Ferien nicht lethargisch vorm Fernseher abhing, lag ich mit Kopfhörern draußen in der Hängematte und hörte mir Songs an, die mich unter Garantie zum Weinen brachten. Es sei schädlich, sich negativen Gefühlen hinzugeben, sagt Mom. Und dass es immer irgendwas gebe, was einen ärgert. Man dürfe sich davon nicht runterziehen lassen, das sei das Geheimnis eines glücklichen Lebens. Sie versteht nicht, wie wohltuend es sein kann, in seiner Traurigkeit zu versinken; wenn ich stundenlang mit Fiona Apple in den Ohren in der Hängematte schwinge, fühle ich mich dabei besser als bloß glücklich.

Im Wagen schließe ich die Augen. "Wenn doch bloß Dad mitgekommen wäre. Dann würdest du mir nicht diese Vorträge halten."

"Er würde dir nichts anderes sagen."

"Ja, aber er würde es netter verpacken."

Auch mit geschlossenen Augen kann ich alles sehen, was draußen vorm Fenster vorüberzieht. Es ist erst mein zweites Jahr an der Browick, aber diese Strecke sind wir mindestens schon ein Dutzend Mal gefahren. Da sind die Milchbauernhöfe und sanften Vorgebirge im westlichen Maine, die Gemischtwarenläden, in denen es laut Werbetafel kaltes Bier und Lebendköder gibt, Farmhäuser mit durchhängenden Dächern, Ansammlungen verrosteter Autoteile in Vorgärten, die von hüfthohem Gra

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