text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Mensch auf eigene Gefahr Eine authentische Geschichte über Menschlichkeit und deren Gefahren in dieser Zeit. von Hill, Maxi (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2019
  • Verlag: neobooks Self-Publishing
eBook (ePUB)
2,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Mensch auf eigene Gefahr

Mitten in ein Interview der Buchautorin Isa-Kathrin Benson platzt die die junge Tschetschenin Sheyla. Völlig aufgelöst spricht sie von einer Gefahr für Isa. Die will Sheyla nicht vor den Kopf stoßen und versucht, sie von der Absurdität ihrer Angst zu überzeugen. Wer sollte ihr Böses wollen? Stets war sie für ihre fremden Nachbarn da. Warum sollte Sheylas Freund Farid plötzlich eine Gefahr für sie sein? Leider hat sich Isa mit ihrer Haltung zu Flüchtlingen auch bei vielen Einheimischen unbeliebt gemacht. Ist sie tatsächlich in Gefahr, weil sie einfach nur Mensch sein wollte? Maxi Hill gilt als begnadete Autorin schwieriger Themen. Von der Last des gewöhnlichen Lebens schreibt sie ebenso überzeugend, wie sie das Bedrohliche plausibel macht, das in ganz normalen Menschen steckt. Schicksale, die von gesellschaftlichen Zwängen geprägt sind, sind typisch für Maxi-Hill-Bücher, die zumeist authentische Fälle aufgreift und kreativ bearbeitet. Mehr über Maxi Hill unter www.maxi-hill.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 210
    Erscheinungsdatum: 01.04.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783742703576
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 752 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Mensch auf eigene Gefahr

Die Fremde

An jenem Tag, an dem Isa-Kathrin Benson widerwillig zur Tür geht, als die Klingel schellt, beginnt das Ende einer Zeit, der sie nicht mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat, als jeder andere Mensch auch.

Sie sollte nicht gehen. Eine junge Kultur-Journalistin sitzt in ihrem Wohnzimmer. Sie ist gekommen im Auftrag der Redaktion, um mit ihr ein Interview zu machen. Blutjung ist sie, hat hellblondes kurzgeschnittenes Haar, und ein Hauch von Babyspeck polstert ihr Gesicht.

Draußen an der Tür hätte es Isa vorgezogen, fernab der gierigen Augen, die sie hinter den Türspionen im großen Mietshaus vermutet, die Angelegenheit zu regeln. Was heißt regeln? Regeln kann Isa nichts. Aber nun steht Sheyla vor ihr. Aufgelöst. Außer sich. Flehend, ebenso laut wie wortlos.

Was sieht sie, wenn sie die Fremde ansieht, von der sie lange Zeit nicht viel mehr wusste als ihren Namen? Sheyla klingt für europäische Ohren orientalisch.

Die Frau sieht nicht aus wie eine, die den Schleier um die Lenden gebunden trägt und mit den Hüften schwingt, bis der Bauchspeck vibriert. Sie ist keine aus Tausend und einer Nacht. Sie trägt einen grünen Parka und eine graue Hose, wie sie auch Europäerinnen tragen. Darunter eine Molton-Bluse, rot mit schwarzen Karos. Nur das Kopftuch verrät etwas von ihrer Herkunft. Die Art wie sie es trägt, zeigt ihre Gesinnung, ihren Glauben.

Kein Streicheln der Schultern beruhigt ihre Erregung; kein Zureden. Isa wusste nie, ob Sheyla ihre Worte je wirklich verstanden hatte wenn sie nickte und dabei lächelte. Sie glaubt es zumindest nicht. Heute lächelt Sheyla nicht einmal.

"Du bist allein? Wo ist Khalid?" Die Frage ist jetzt absurd, aber sie fällt Isa als rettender Strohhalm ein. Jede Mutter wird wieder vernünftig, wenn es um eines ihrer Kinder geht, zumal um das jüngste. Nichts dergleichen.

Sheyla dreht ihren Kopf hin und her, zieht die Augenbrauen zusammen und beginnt zu weinen. Dabei zerrt sie ratlos an Isas Ärmel, dass die wertvolle Wolle ihres Pullovers zu reißen droht. Die Szenerie ist ganz so, wie Gary, Isas Mann, es einst prophezeit hat: "Du kannst nicht die halbe Welt retten. Wenn du dich einmal mit denen einlässt, kriegst du sie nie wieder los."

Es ist ein Spruch aus einer Zeit, die Isas Leben geprägt hat und die dennoch für sie nur eine kurze Episode auf der Sonnenseite der Welt war - der geologischen. Schon damals in Afrika hatte sie dieser Spruch wütend gemacht. Er widersprach dem, warum sie damals dort waren, wohin man sie geschickt hatte. Es gab einen nie enden wollenden Krieg auf roter Erde, so wie es noch immer Kriege in der Welt gibt. Gäbe es keine, müsste man über humanitäre Hilfe nicht so oft nachdenken.

Hier, im Frieden und Sheyla betreffend, kam noch ein Satz von Gary dazu: "Die Frau hat es faustdick hinter den Ohren!"

Auch wenn sie seine rein intuitive Art mitunter verurteilt, sie kennt ihn nicht anders. Gary ist in dieser Zeit nicht der einzige, der so spricht. Leider kennt auch er nur schwarz und weiß, missachtet alle Nuancen. Es gäbe totsicher viel mehr Empathie unter den Menschen, hätte die Flut der Fremden das Land nicht so vehement überschwemmt. Noch vor drei Jahren nahmen die Leute viel mehr Anteil an jedem Schicksal, das unverschuldet in Not geriet. Nur manchmal kam es ihr vor, als habe einer zu wenig Herz. Jeder Mensch wird mit einem Herzen geboren, aber wie es schlägt, bestimmt der Verlauf seines Lebens. Ihr Leben hat sie Not erfahren lassen, hat sie fühlen lassen, wie es ist, wenn man ganz unten steht, oder abseits...

Seit vielen Jahren glaubt auch sie nicht mehr an den Spruch ihrer Mutter, der einst zu ihrer kindlichen Devise wurde: "Jeder Mensch ist gut, man muss ihn nur gut sein lassen." Die Zeit lehrte sie: Man braucht nichts im Leben zu fürchten, man muss nur alles verstehen.

Seit Jahrzehnten bemüht sie sich genau darum, aber wer kann schon alles verstehen?

D

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen