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Michael der Finne Des Michael Pelzfuß Jugend und merkwürdige Abenteuer, die er bis zum Jahre 1527 in vielen Ländern erlebt hat von Waltari, Mika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.06.2013
  • Verlag: Kuebler Verlag
eBook (PDF)
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Michael der Finne

Der junge elternlose Michael wächst Anfang des 16. Jahrhunderts in der Obhut einer heilkundigen Frau im finnischen Turku auf, das damals zum Königreich Schweden gehört. Er besucht die dortige Lateinschule und wird vom Bischof zum Studium nach Paris geschickt. In seine Heimat zurückgekehrt, lässt er sich in politische Ränkespiele hineinziehen, die dem dänischen König Christian die schwedische Königskrone sichern sollen. Als ihm der Boden in seiner skandinavischen Heimat zu heiß wird, geht er mit seinem Freund, dem Geschützknecht Antti, nach Deutschland. Hier gerät er in die Wirren der Reformationszeit und der Bauernkriege. Außerdem muss er erleben, dass seiner Frau Barbara der Prozess als Hexe gemacht wird. Eine weitere Station auf seinem Lebensweg ist Rom, wo er am 'Sacco di Roma' teilnimmt, der Plünderung Roms durch deutsche Landsknechte samt der Vertreibung von Papst Clemens VII. aus dem Vatikan. - Vielen historischen Persönlichkeiten begegnet Michael auf seinem Weg, wie etwa König Christian von Dänemark, dem Arzt Paracelsus, den Reformatoren Martin Luther und Thomas Müntzer sowie Kaiser Karl V., um nur einige zu nennen. Auch der Humor kommt in diesem historischen Abenteuer und Schelmenroman nicht zu kurz.

Mika Waltari (1908 -1979) gehörte zu den produktivsten finnischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Er ist in seiner finnischen Heimat nach wie vor äußerst populär und hat dort den Status eines modernen Klassikers. Sein Werk umfasst rund hundert Titel, darunter Romane, Erzählungen, Theaterstücke, Reiseberichte, Drehbücher und Hörspiele. Im Ausland wurde er besonders durch seine historischen Romane bekannt, denen oftmals der Sprung auf die Bestsellerlisten gelang (Sinuhe der Ägypter, Michael der Finne, Michael Hakim, Johannes Angelos, Turms der Unsterbliche, Minutus der Römer und andere). Sie zeichnen sich sämtlich durch sorgfältige Recherche aus schildern und auf packende Weise menschliche Schicksale in verschiedenen Epochen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 1400
    Erscheinungsdatum: 27.06.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863461355
    Verlag: Kuebler Verlag
    Serie: Mika Waltari Bd.1
    Originaltitel: Mikael Karvajalka
    Größe: 1794 kBytes
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Michael der Finne

"Hätte ich so einen Jungen, wovor die Heiligen mich behüten mögen, dann würde ich ihn ohne viel Federlesens in die Schule schicken, denn es lässt sich absehen, dass er der einen und alleinseligmachenden Kirche noch zur Ehre gereichen wird. Er hat durchaus das Zeug zu einem Kanonikus oder gar Bischof, denn er kann bereits das Pater noster, Ave Maria und die lateinischen Zahlwörter bis zwanzig mühelos auswendig dahersagen, und viel mehr kann selbst ich nicht."
Er steckte sich eine Weintraube in den Mund und lobte beredt die erfrischende und heilkräftige Wirkung dieser Frucht. Aber Frau Pirjo antwortete:
"Du vergisst, Pater Petrus, dass Michael ein Waisenknabe ist und von unehelicher Abkunft. Einen Bankert und Kind der Hurerei duldet die Kirche in ihren Diensten nicht. Was nutzt ihm seine ganze Gelehrsamkeit, wenn er doch nicht zum Priester geweiht werden kann?"
"Ich an deiner Stelle würde lieber das gelehrte und züchtige Wort 'Bastard' gebrauchen", versetzte Pater Petrus. "Denn ein solches Wort lädt zu den tollsten Vermutungen über seine Abkunft ein, und jeder, der es hört, wird sogleich an alle möglichen adeligen Herren und Legaten denken, die in den vergangenen Jahren in Turku zu Gast waren. Präsentierst du ihn Magister Martin aber bloß als gewöhnlichen Bankert, dann wird er seinen Vater unter Köhlern, Knechten oder kotbespritzten Viehtreibern vermuten und deine Bitte nicht weiter in Betracht ziehen."
"Aber ich kann ihm doch keine Lügen über Michaels Herkunft auftischen", widersprach Frau Pirjo.
"Das ist unverständiges Geschwätz", bemerkte Pater Petrus dazu nur. "Pro primo legen schon die feingeschnittenen Gesichtszüge des Knaben, sein samtweiches Haar, seine kleinen Hände und Füße sowie die Schärfe seines Verstandes wie auch seine Anstelligkeit und sittsames Benehmen nahe, dass er von hohen Herren abstammen muss. Pro secundo handelt es sich dabei nur um eine Bezeichnung, die stets und in allen Fällen lediglich die sündige Frucht eines ganz natürlichen, wenn in diesem Falle auch sündigen Vorganges meint, ein fructus inhonestus et turpis, wenn ich diesen lateinischen Ausdruck benutzen darf, um Euer Schamgefühl nicht zu verletzen - ganz gleich, welchen Standes der natürliche Erzeuger gewesen ist."
Ich befühlte mein Haar, aber es war sehr struppig, und auch waren meine Hände nicht weich, geschweige denn sauber, und als ich verschämt an mir hinabsah, rieb ich mir schnell mit der Fußsohle den Schmutz von meinen Schenkeln.
"Glaube mir, edle und freigiebige Frau Pirjo", sagte Pater Petrus und hielt ihr fordernd seinen Zinnhumpen hin, "sprich unbedingt bei Magister Martin vor! Wenn du ein Stück Tuch vor ihm ausbreitest, groß genug, um daraus einen Mantel zu schneidern und in das du zuvor einen fetten Schweineschinken eingewickelt hast, und wenn du dazu noch verstohlen mit ein paar Silbermünzen klimperst, dann wird er dir sicher sein Ohr leihen, so ungewöhnlich und sonderbar dir dieses Vorgehen auch erscheinen mag. Dann musst du ihm ganz leise und geheimnisvoll ins Ohr flüstern: 'Der Junge ist ein Bastard'. Ich garantiere dir, dann ist seine Neugier geweckt. Und wenn du dann noch mit furchtsamer Stimme sagst, du habest einen schrecklichen und heiligen Eid geschworen, nie etwas über die Herkunft des Jungen preiszugeben, dann wird Magister Martin deinen Michael mit mehr Achtung behandeln als alle seine übrigen Zöglinge, da ja auch der Schweineschinken und die Silbermünzen für ihn sprechen."

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