text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Michael Meyenburg Ein Lebensroman aus der Reformation. von Schreckenbach, Paul (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.01.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
0,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Michael Meyenburg

Paul Schreckenbach (6.11.1866 - 27.6.1922) war ein deutscher Pfarrer und Schriftsteller. Schreckenbach wurde vor allem wegen seiner gründlich recherchierten historischen Romane bekannt, in denen er sich mit Problemen der wilhelminischen Zeit auseinandersetzte. Schreckenbachs Roman "Michael Meyenburg" wurde 1920 veröffentlicht.

Paul Schreckenbach (6.11.1866 - 27.6.1922) war ein deutscher Pfarrer und Schriftsteller. Schreckenbach wurde vor allem wegen seiner gründlich recherchierten historischen Romane bekannt, in denen er sich mit Problemen der wilhelminischen Zeit auseinandersetzte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 284
    Erscheinungsdatum: 25.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739233390
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 686kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Michael Meyenburg

I.

In einem Garten, der sich vor den Mauern der Stadt Erfurt am Ufer der wilden Gera hinzog, saß ein etwa zwanzigjähriges Mädchen und wand Veilchen zu einem Kranze. Die Holzbank, auf der sie sich niedergelassen, stand unter einer hohen Bachweide hart über dem Rande des Flusses. Der machte zurzeit seinem Namen alle Ehre, denn die Regengüsse der Nacht hatten ihn mächtig geschwellt, so dass er schäumend und gurgelnd durch sein enges Bett dahinschoss.

Jenseits des Wassers standen zwei junge Männer und beobachteten die eifrig in ihre Arbeit Vertiefte. Sie hatten sich auf einem schmalen Wiesenpfade herangeschlichen und blickten nun durch die schon halbbelaubten Zweige des Gesträuches, das den Fluss umsäumte, nach dem Mädchen hinüber.

Der Ältere legte dem Jüngeren die Hand auf die Schulter und lachte. "Dein Pürschgang an diesem schönen, Frühlingsmorgen ist dir geglückt, Freund Michael", sagte er und brauchte dabei wegen des Flussrauschens seine kräftige Stimme nicht allzu sehr zu dämpfen. "Die du suchst, die ehrbare und tugendsame Jungfer Ursula Lachensper, dort sitzt sie in dem Garten ihrer Muhme, wie wir richtig vermutet haben. Nun gehe hinüber zu ihr. Der schmale Brückensteig wird nicht unter dir zusammenbrechen, so stark und gewaltig du auch einherschreitest, nicht wie ein Stadtschreiber, eher wie ein Fähnleinsführer des Herrn Jörg Frundsberg. Und nun gehab dich wohl. Zu dem, was nun wohl kommen wird, bin ich überflüssig."

"Das bist du," gab der Angeredete mit einem halben Lächeln zurück. "Und es ist löblich von dir gehandelt, Eoban, dass du hier nicht den Lauscher spielen willst, woran ich dich nicht hindern könnte."

Der andere zuckte die Achseln. "Ich bin nicht neugierig. Schon oft habe ich gesehen, wie einer eine Maid umfängt. Zudem gelüstet mich's nicht, dessen Zeuge zu sein, wie mein bester Freund seines Lebens größte Narretei begeht." Ohne der Unmutsfalte zu achten, die sich zwischen seines Freundes Brauen eingrub, fuhr er fort: "O Michael Meyenburg, Stadtschreiber der edlen Reichsstadt Nordhausen! Wärest du klug und weise, so flöhest du auf der Stelle mit mir von dannen. Wir setzten uns in das tiefe Kellergewölbe im Wirtshaus zum wilden Mann und tränken edlen Malvasier oder Muskateller, den du freilich bezahlen müsstest, denn meine Taschen sind leer. Dort verweilten wir, wie wir früher so manchmal getan, bis die silberne Luna schon fast den Rand des Himmels berührte. O Michael Meyenburg, so tätest du mit mir, wenn du weise und klug wärest! Aber ein vom Pfeile Kupidos getroffener Mann ist nicht weise und klug."

Meyenburg lachte ärgerlich und schüttelte des Freundes Hand mit einem Ruck von seiner Schulter ab. "So sprachst du schon gestern Abend, als ich dich heimwärts geleitete. Doch da hielt ich's dem Weine zugute. Jetzt aber sage mir ehrlich, was du gegen die Jungfer hast."

"Nichts. Doch sie ist nicht nach meinem Geschmack."

"Du bist sehr offen. Doch um so besser, denn dann kommt mir der berühmte Eobanus Hessus, der Poet, den alle Weiber lieben, bei ihr nicht ins Gehege. Aber warum ist sie nicht nach deinem Geschmack? Erscheint sie dir hässlich?"

"Nein. Sie ist nicht eben eine Venus, aber schlank und wohlgebaut, und ihre blonden Zöpfe stehen ihr gut. Sie könnte sich wohl sehen lassen neben den Weibern Nordhausens."

"Oder weißt du etwas Übles von ihr?"

"Gott behüte! Ich weiß zu viel Gutes von ihr, und sie ist mir, mit einem Worte, viel zu fromm und herbe! Immer sittsam, immer züchtig die Augen geradeaus richtend, niemals nach einem guten Gesellen äugend, der die Straße daherkommt. Fischblut ist in solchen Weibern, und diese Art ist mir zuwider. So eine möchte ich nimmermehr zu meinem Liebchen machen!"

Michael Meyenburg lachte von neuem, diesmal aber keineswegs geärgert. "Ich will sie nicht zu meinem Liebchen machen, sondern zu meiner Ehefrau. Da ist mir's recht, dass sie nach keinem anderen äugt, denn nach mir allein

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen