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Midnight Cowboy Roman von Herlihy, James Leo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.08.2018
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 17.08.2018 per Download lieferbar

Online verfügbar

Midnight Cowboy

Der Kultroman über Liebe und Einsamkeit Joe Buck wächst bei einer Gruppe von Prostituierten auf, sieht dort den Cowboys zu, die abends im Schoß der Frauen Gitarre spielen. Eines Tages beschließt er, all sein Geld zusammenzunehmen und sich echte Cowboy-Stiefel zu besorgen. James Leo Herlihy erkundet die Untiefen unseres Verlangens nach Ruhm, Sex und Geld, aber die Geschichte von Joe Buch und Ratso Rizzo erzählt auf berührende Weise von einem viel stärkeren Bedürfnis: einem anderen Menschen nah zu sein. Midnight Cowboy zählt zu den besten Roman der amerikanischen Nachkriegsliteratur. Der gefeierte Autor Daniel Schreiber ermöglicht es mit seiner Neuübersetzung nun erstmals die ganze sprachliche und emotionale Wucht dieses Romans auf Deutsch zu erleben.

James Leo Herlihy ist 1927 in Detroit, Michigan geboren. Sein Debütroman 'All Fall Down' erschien 1960, 1965 folgte 'Midnight Cowbow' und verschaffte ihm den internationalen Durchbruch. Die Romanverfilmung von John Schlesinger (Asphalt Cowboy) 1969 mit Dustin Hoffmann als Ratso Rizzo, gewann drei Oscars. Herlihy starb 1993.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 17.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841215031
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Originaltitel: Midnight Cowboy
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Midnight Cowboy

1

In seinen neuen Stiefeln war Joe Buck eins fünfundachtzig groß, und die Welt sah anders aus. Als er den Laden in Houston verließ, fühlte sich sein ganzer Unterkörper wie neu an: Eine Kraft, deren Existenz er vorher noch nicht einmal geahnt hatte, erfüllte seine Beckengegend und schenkte ihm eine neue Perspektive auf das Leben. In seinem Hintern und seinen Beinen setzten sich ganz neue Muskeln in Bewegung, und ihm wurde bewusst, dass er in einer völlig anderen Haltung über den Bürgersteig ging als zuvor. Die Welt war jetzt da unten und er hier oben, an ihrer Spitze, und der Raum dazwischen wurde von einem schönen, fremden Tier beherrscht, von ihm selbst, von Joe Buck. Er war mächtig. Er triumphierte. Nun konnte es losgehen.

"Es kann losgehen", sagte er zu sich selbst, aber dann fragte er sich, was er damit eigentlich meinte.

Joe wusste, dass er alles andere als ein großer Denker war, und er wusste auch, dass es ihm am besten gelang, über etwas nachzudenken, wenn er vor einem Spiegel stand. Also suchten seine Augen die Umgebung nach etwas ab, in dem er sich spiegeln konnte. Ein paar Meter weiter sah er ein Schaufenster. Klick-klack, klick-klack machten seine Stiefel auf dem Asphalt und wollten damit sagen: Ich hab' die Macht, Macht, Macht. Als er näher an die Glasscheibe herantrat, kam ihm dieser neue und doch irgendwie vertraut wirkende Mann entgegen, mit breiten Schultern, voller Stolz, cool und schön. O Gott, bin ich froh, dass wir beide zusammengehören, sagte er zu seinem Spiegelbild - wenn auch nicht laut - und dann, hey, was soll dieser ganze Scheiß mit dem Losgehen? Was soll denn eigentlich losgehen?

Und dann erinnerte er sich wieder.

Als er ins H tel zurückkehrte - ein Hotel, das nicht nur keinen eigenen Namen hatte, sondern dem auch noch das o in seiner Leuchtschrift abhandengekommen war -, dachte er, wie absurd es ist, dass jemand, der so reich, stark und sexy war wie er, in solch einer namen- und bedeutungslosen Absteige gelandet war. Er lief die Treppen zum zweiten Stock hoch, nahm dabei zwei Stufen auf einmal und eilte zum Wandschrank, aus dem er einige Sekunden später mit einem großen Paket in der Hand wieder auftauchte. Er befreite es von seinem braunen Packpapier und legte den schwarz-weißen Pferdelederkoffer, der sich darin befunden hatte, auf das Bett.

Er verschränkte seine Arme, trat einen Schritt zurück, schaute sich den Koffer an und schüttelte vor Ehrfurcht den Kopf. Die Schönheit dieses Dings bewegte ihn jedes Mal. Das Schwarz des Leders war so schwarz, das Weiß so weiß und das ganze Ding war so lebensecht und weich, dass er das Gefühl hatte, im Besitz eines wahren Wunders zu sein. Er schaute erst, ob seine Hände schmutzig waren, und strich dann über das Leder, als wollte er es saubermachen. Aber natürlich war das nicht nötig, mit seiner Handbewegung wollte er lediglich die Möglichkeit zukünftigen Schmutzes verhindern.

Joe machte sich daran, einige andere Schätze, die er in den vergangenen Monaten angesammelt hatte, aus ihrem Versteck zu holen: sechs nagelneue Westernhemden, neue Hosen (ein Paar aus schwarzer Gabardine, ein anderes aus schwarzer Baumwolle), neue Unterwäsche, Socken (sechs Paar, immer noch in ihrer Zellophan-Verpackung), zwei Seidentaschentücher, die er sich um den Hals binden würde, einen Silberring aus Juárez, ein tragbares Transistor-Kofferradio, das ohne auch nur eine Andeutung störenden Rauschens Radiosender aus Mexiko-Stadt empfangen konnte, einen neuen elektrischen Rasierapparat, vier Packungen Camel und ein paar Juicy-Fruit-Kaugummis, Toilettenartikel, einen Stapel alter Briefe usw.

Dann ging er unter die Dusche und kehrte in sein Zimmer zurück, um sich für die Reise frisch zu machen. Er rasierte sich mit seinem neuen Rasierapparat, säuberte diesen und legte ihn wieder in den Koffer zurück. Er spritzte etwas Florida Water auf sein Gesicht, unter seine Achseln und in seinen Schritt, kämmte si

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