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Mit eurem Blut sollt ihr bekennen von Adler, Kristin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.07.2015
  • Verlag: LYX
eBook (ePUB)
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Mit eurem Blut sollt ihr bekennen

Grausame Morde erschüttern die katholische Kirche Deutschlands - mehrere Bischöfe wurden brutal ermordet. War Hass auf die Kirche und ihre Amtsträger das Motiv? Die Kunsthistorikerin Clara Mohr will nicht so recht daran glauben. Sie erkennt die Handschrift eines Insiders hinter den Taten, erinnern doch nicht nur die Art der Ermordung, sondern diverse Symbole am Tatort an den Märtyrertod von heilig gesprochenen Bischöfen ...

Kristin Adler ist das Pseudonym von Julia Kröhn, geb. 1975 in Linz. Kröhn hat Theologie, Geschichte und Philosophie studiert. Nach einer journalistischen Ausbildung arbeitete sie jahrelang im Bereich Fernsehen, Internet und Öffentlichkeitsarbeit für die Deutsche Bischofskonferenz. Sie hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter Mittelalterromane, exotische Familiensagas sowie Kinder- und Jugendbücher. 2010 wurde sie mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 02.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783802598289
    Verlag: LYX
    Serie: Clara Mohr Tl.2
    Größe: 1578kBytes
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Mit eurem Blut sollt ihr bekennen

1

14. Februar

Bischof Rainer Kahlfuß verließ die Gemeinde St. Leonhard gegen halb zehn Uhr abends.

Er war erleichtert, so früh wegzukommen, hatte er doch erwartet, bis mindestens zehn Uhr bleiben zu müssen. Dass der Small Talk vorzeitig abgebrochen worden war, lag allerdings nicht nur an dem warmen Weißwein und den zähen Lachshäppchen, sondern an der mehr als überschaubaren Zahl an Interessierten. Bischof Kahlfuß hielt schon seit vielen Jahren Vorträge über den heiligen Valentin, aber noch nie waren die Reihen vor ihm so leer gewesen. Gerade mal acht Besucher hatten sich eingefunden, wobei zwei nicht zählten - der Pfarrer, der ihn zu dem Vortrag eingeladen hatte, und die Pfarrsekretärin, die wahrscheinlich zur Teilnahme zwangsverpflichtet worden war. Ach ja, die Pastoralreferentin war auch nicht drum herum gekommen. Während des Vortrags hatte sie etwas sauertöpfisch geguckt, allerdings hatte sie grimmig genickt, als er die Zuhörer über die wahren Hintergründe des Valentinstages aufklärte - die im Übrigen so gar nichts mit all dem Kitsch, von wegen Herzchen hier und Herzchen da, zu tun hatten.

Bischof Rainer Kahlfuß hasste den Valentinstag. Natürlich nicht, wofür er eigentlich stand, seine Verachtung galt vielmehr dem, was daraus gemacht worden war, eine kapitalistische Orgie aus Verwöhn-Gutscheinen, Haribo-Liebesherzen und Großbestellungen bei Fleurop. All diese Liebesschwüre, und dann ging man heutzutage doch so leichtfertig wieder auseinander.

Er beschleunigte seine Schritte, ließ die Kaiserstraße hinter sich und kam eben an einem italienischen Restaurant vorbei, das heute natürlich ein Valentinsmenü anbot: Zitronenrisotto mit Jakobsmuscheln, Rinderfilet mit Kräuter-Ziegenkäse-Kruste und Pannacotta-Herz mit Orangen-Marzipan-Sauce. Bischof Kahlfuß fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, wurde aber trotzdem den Nachgeschmack der Lachsbrötchen nicht los. Er war sich nicht sicher, ob die Mayonnaise verdorben gewesen war oder der Lachs. Die meisten Brötchen hatte die ältere Dame mit dem Hörgerät gegessen, das während des Vortrags ständig gepfiffen hatte. Hinterher hatte sie sich mehrmals entschuldigt. "Es hat Ihnen doch nichts ausgemacht, oder?"

"Natürlich nicht!", hatte er erklärt, obwohl ihn das Pfeifen durchaus aus dem Konzept gebracht hatte. Aber mit diesen alten Menschen durfte man es sich nicht verscherzen, es waren schließlich die Einzigen, die der katholischen Kirche die Treue hielten. Auch die anderen Zuhörer waren mindestens sechzig gewesen - wahrscheinlich hatten sie keinen Partner, mit dem sie den Valentinstag feiern konnten.

Wenig später hatte Bischof Kahlfuß seine Zielstraße im Frankfurter Westend erreicht. Im Fenster eines dieser überteuerten amerikanischen Cafés, das um die Uhrzeit bereits geschlossen hatte, sah er Werbung für einen Caramel-Macchiato mit Schoko-Herzchen. Wenn das die Vorstellung von Liebe war, musste man sich nicht wundern, wenn fast jede Beziehung scheiterte.

Weiße Atemwölkchen bildeten sich vor seinem Mund, und er schlug den Mantelkragen hoch, obwohl der Stoff am Kinn kratzte. Er würde nicht mehr lange unterwegs sein. Außerdem taten ihm ein paar Schritte ganz gut. In Berlin wurde er immer mit der Dienstlimousine gefahren, da fühlte sich jeder Aufenthalt in seiner Heimatstadt wie Urlaub an. Es war ja gesund, sich mehr zu bewegen, er hatte nur leider nicht so viel Zeit. Organisatorisches, Leitungsaufgaben, Reisen, Gemeindebesuche - für einen Bischof hörte die Arbeit niemals auf. Und Vorträge. Vorträge, zu denen acht Interessierte erschienen. Fünf, ohne die Pflichtgäste. Vier, wenn man bedachte, dass die Dame mit dem Hörgerät fast nichts verstanden hatte. Vier Menschen, die jetzt mehr über den heiligen Valentin wussten und den Kitsch künftig mit Verachtung strafen würden. Eigentlich hätte er sie gleich zu Rinderfilet mit Kräuter-Ziegenkäse-Kruste beim Italiener einladen können. Mit vollem Magen

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