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Mit freundlicher Anteilnahme Roman von Jepsen, Erling (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.09.2012
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Mit freundlicher Anteilnahme

Allan, der Sohn des Milchmanns aus einem Dorf in Südjütland, ist ein erfolgreicher Schriftsteller geworden, dessen Bühnenstücke und Texte hauptsächlich auf den Erinnerungen seiner Kindheit beruhen. Es sind böse Erinnerungen. Seit vielen Jahren schon hat er keinen Kontakt mehr zu seiner Familie. Der Vater hat ihm die literarische Aufarbeitung der Familienverhältnisse nicht verziehen und Allan verstoßen. Und so schickt er zum Tod des Vaters nur eine Kondolenzkarte nach Hause: "Mit freundlicher Anteilnahme". Die Mutter sieht darin einen Versuch der Annäherung und lädt ihn ein. Als die Mutter seltsam unkonkret über den Tod des Vaters spricht, wird Allan mißtrauisch. Ein Krankenbericht, der von Atemnot und einem vier mal sechs Zentimeter großen Stück Käse berichtet, bringt es ans Licht. Wer zum Teufel hat dem Vater dieses Stück in den Hals gesteckt - und warum?

Erling Jepsen wurde 1956 in der Kleinstadt Gram in Südjütland geboren. Sein Vater war der Milchmann des Ortes (der letzte Milchmann Südjütlands), die Mutter bediente im Kaufmannsladen der Familie. Erling Jepsen studierte in Aarhus und debütierte als Schriftsteller 1977 mit einem Hörspiel, er lebt als Dramatiker und Romanautor in Kopenhagen. Auf deutsch erschien 2006 der Roman Dreck am Stecken .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 269
    Erscheinungsdatum: 17.09.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518796801
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1528kBytes
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Mit freundlicher Anteilnahme

KAPITEL 1

Das Ding, mit dem man es macht

Allan lag unter einer Decke auf dem Sofa und sah sich die Nachrichten an. Es war ein Zweiersofa, seine Beine hingen über der Armlehne. Nicht sonderlich bequem, aber er hatte trotzdem das Gefühl, ausgestreckt zu liegen. Mitten in dem Beitrag über den Irak-Krieg zog er die Beine an, drehte sich um und schlief ein.

Kurz darauf hörte er jemanden seinen Namen rufen. Ausgesprochen lästig, es war doch offensichtlich, dass er schlief. Schließlich drehte er sich um und schlug die Augen auf. Seine Nichte Trine beugte sich mit Tränen in den Augen über ihn.

"Jetzt ist es passiert", sagte sie.

Es dauerte einen Moment, bis er begriff, was sie meinte. Dann verstand er und setzte sich auf. Sollte er aufstehen und sie in den Arm nehmen? Sie schien wirklich traurig zu sein. Wahrscheinlich machte man das so. Aber er brachte es nicht über sich.

Hinter Trine stand seine Frau Charlotte. Zum Glück weinte sie nicht, allerdings sah sie ihn mit einem ernsten Gesichtsausdruck an. Wieso ließen sie ihn nicht einfach allein?

"Dienstag ist es passiert, gegen sechs Uhr abends. Ich dachte, du solltest es wissen", sagte Trine.

"Ja, ja", erwiderte er. "Danke."

Beide Frauen blieben stehen, als warteten sie auf irgendetwas. Sie wollten offenbar sehen, wie er reagierte. Das würde er ihnen schon zeigen. Allan drehte sich um, wandte ihnen den Rücken zu und schloss die Augen. Nicht um zu schlafen, schließlich war er jetzt wach, sondern um vor all dem seine Ruhe zu haben. Nicht zuletzt vor den beiden und ihren neugierigen Blicken.

Endlich gingen sie, er hörte sie im Flur miteinander sprechen.

"Ich hätte es nicht sagen sollen."

"Aber natürlich", versicherte Charlotte, doch Allan hörte den besorgten Unterton in ihrer Stimme.

Trine hatte offenbar das Gefühl, eine Grenze überschritten zu haben, die man nicht übertreten durfte, denn jetzt jammerte sie geradezu.

"Ich hätte es besser nicht gesagt, oder? Ich hätte es nicht sagen sollen."

Allen spitzte jetzt die Ohren, wieso antwortete Charlotte nicht?

"Doch, mach dir keine Gedanken", sagte sie endlich. "Früher oder später hätte er es ohnehin erfahren. Er wird's schon verkraften."

Trine verabschiedete sich, Allan hörte, wie die Haustür geöffnet wurde und wieder ins Schloss fiel.

Letzte Woche war Trine erschienen und hatte ihm erzählt, dass sein Vater ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Es sei ernst, Allan solle sich auf das Schlimmste gefasst machen. Er hatte sich bedankt und erklärt, keine weiteren Einzelheiten hören zu wollen.

"Sag mir einfach Bescheid, wenn er tot ist", hatte er gesagt.

Vielleicht hatte sich das etwas gefühllos angehört, jedenfalls für Außenstehende, aber Trine wusste sehr gut, was er meinte.

Am Dienstag, gegen sechs Uhr abends. Welcher Tag war heute? Donnerstag. Also vor zwei Tagen. Seltsam. Vor zwei Tagen war sein Vater gestorben und sie erzählten es ihm erst jetzt?

Charlotte kam leise zum Sofa und setzte sich auf die Kante.

"Bist du okay?"

"Ja, ja."

Selbstverständlich fühlte er sich okay, schließlich traf ihn das nicht unerwartet. Und seine Haltung war eindeutig: Er wollte sich nicht von irgendwelchen Gefühlen beeinflussen lassen. Er hatte wissen wollen, wann es so weit war und sonst nichts. Aber etwas beschäftigte ihn trotzdem.

"Am Dienstag", sagte er. "Jetzt ist es Donnerstagabend. Also vor zwei Tagen? Na gut. Aber wieso erfahre ich es erst jetzt?"

"Sie habe

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