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Mondjahre Ein historischer Roman vom Bodensee von Bast, Eva-Maria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.02.2014
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)

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Mondjahre

Deutsches Reich 1914. Johanna, Sophie und Luise sind drei mutige, starke und schöne junge Frauen, die Zukunft liegt verheißungsvoll vor ihnen. Doch dann bricht der Krieg aus und sie lernen das Leben von seiner finstersten Seite kennen. Sophie erwartet ein Kind von einem Franzosen, der jetzt Feind ist, Luise und Johanna geraten in russische Gefangenschaft. Der Krieg verlangt ihnen alles ab. Aber er macht sie auch stärker.

Eva-Maria Bast, Jahrgang 1978, ist Journalistin, Autorin und Leiterin des Medien- und Journalistenbüros Bast Medien Service, Büro Bast & Thissen. Eva-Maria Bast initiierte und schrieb die Buchreihe 'Geheimnisse der Heimat', die 2011 in der edition Südkurier startete, rasch zu einem regionalen Bestseller wurde und für die der Südkurier 2012 mit dem Oscar der Zeitungsbranche, dem deutschen Lokaljournalistenpreis der Konrad Adenauer Stiftung (Kategorie Geschichte) ausgezeichnet wurde. Die Reihe wird seither laufend erweitert. 2012 begann sie sich auch der Belletristik zu widmen. Nach zwei Krimis ist 'Mondjahre' nun ihr erster historischer Roman. Eva-Maria Bast lebt mit ihrer Familie in Überlingen am Bodensee.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 466
    Erscheinungsdatum: 05.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839243848
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Serie: Gmeiner Original Bd.1
    Größe: 2925 kBytes
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Mondjahre

2. Kapitel

99 Jahre später

Stuttgart, Baden-Württemberg, August 2013

Worte fielen auf Papier. Sie formten sich zu Sätzen, bildeten Aussagen, wurden nach und nach zu einer Geschichte. Das Papier, auf das sie flossen, war hässlich. Der Stift, mit dem Zita sie schrieb, auch. Die grauen, linierten Blätter wurden am oberen Rand von einer dünnen Metallspirale gehalten, der Stift war ein einfacher Plastikkugelschreiber, dessen Mine schmierte und Schlieren zwischen den Worten bildete.

Zita hielt inne und legte den Kugelschreiber mit einer langsamen Bewegung auf die Tischplatte. Es schmerzte sie, die Worte mittels solch hässlicher Instrumente niederzuschreiben. Worte mussten, das wusste sie, achtsam behandelt werden. Wer Worte hat, ist mächtig. Mit dieser Macht galt es, gewissenhaft umzugehen. Worte können nicht nur schön sein und lyrisch, sie können auch verletzen, kränken, ja, sogar vernichten. Hilde Domin kam ihr in den Sinn und ihr Gedicht " Unaufhaltsam ", das mit den Worten endet: "Besser ein Messer als ein Wort. Ein Messer kann stumpf sein. Ein Messer trifft oft am Herzen vorbei. Nicht das Wort. Am Ende ist das Wort. Immer am Ende das Wort."

Mit einer raschen Bewegung zog sie ihr iPad aus der Tasche. Nicht, um auf ihm weiterzuschreiben, konnte doch das Schreiben auf dem technischen Gerät das Gefühl des Schreibens mit der Hand nie ersetzen und waren es doch ganz andere Worte, die hervorquollen, wenn sie einen Stift in der Hand hatte, als wenn sie tippte.

Nein, Zita, die Schriftstellerin und Studentin der Literatur und der Geschichte, hatte anderes im Sinn: Sie strich sich ihre schweren, dunklen Haare hinter die Ohren, wählte sich ins World Wide Web ein, öffnete die Startseite von eBay, klickte auf Antiquitäten und Kunst und tippte "Notizbuch" in die Suchmaske.

Das Foto, das Sekunden später auf dem Bildschirm erschien, zog Zita in seinen Bann. Ein Verkäufer bot ein wunderschönes Notizbuch aus Silber an. Seine Oberfläche war ziseliert, an der Seite befand sich ein kleiner, silberner, ebenfalls ziselierter Stift, der durch an der Vorder- und Rückseite des Büchleins befestigte Laschen gesteckt wurde und damit gleichzeitig einen Verschluss bildete. Man konnte lose Blätter zwischen Buchdeckel und Buchrücken klemmen. Das kleine Kunstwerk stamme aus der Zeit des Jugendstils, schrieb der Verkäufer, und Zita wusste, dass sie es haben musste . Sie begriff nicht, warum ihr Herz so hart gegen die Brust schlug, als sie das erste Gebot abgab. Sie hatte eigentlich nie zu den Frauen gehört, die angesichts eines Gegenstands, den sie sich wünschen, in Hysterie verfallen. Erst später, als die Geschichte um das Büchlein ihren Lauf nahm und sich die Leben so vieler Menschen dadurch veränderten, sollte sie dieses harte Schlagen ihres Herzens rückwirkend als eine Art Vorahnung begreifen.

Der Verkäufer hatte noch weitere Bilder ins Netz gestellt, und als Zita sie anklickte, sah sie zu ihrem Entzücken, dass sich in dem Notizbuch noch ein alter, vergilbter, mit sehr verblasster Tinte beschriebener Block befand. Die Bildansicht ließ sich nicht vergrößern, auch dann nicht, als sie versuchte, das iPad auszutricksen. Es hielt stur und eckig an der Größe fest, die irgend jemand ihm vorgegeben hatte.

Vier Besucher hatten bereits auf das Büchlein geboten, das Angebot endete in 59 Minuten. Hastig tippte sie eine Zahl ein und klickte auf "bieten".

Ein dickes rotes Kreuz spie sie drohend an. "Sie wurden von einem anderen Bieter überboten", höhnte die Schrift. "Bitte geben Sie ein höheres Gebot ein." Zita tat, wie ihr geheißen

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