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Nächsten Sommer Roman von Rai, Edgar (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.04.2010
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Nächsten Sommer

Eigentlich wollten Felix, Marc und Bernhard nur zusammen fernsehen, doch am nächsten Morgen sitzen sie in Marcs orangefarbenem VW-Bus. Vor ihnen liegt die Reise ihres Lebens. In Südfrankreich wartet ein Haus auf sie, ein Haus am Meer. Sie lassen die Haare im Fahrtwind wehen, ertrinken beinahe in einem See, werden von der Polizei gejagt und von den Vögeln begleitet. Sie lesen Lilith auf, Typ Scarlett Johansson. Dann stößt Zoe dazu, mit gebrochenem Herzen, und zuletzt Jeanne, die traurige Französin. Je näher sie dem Ziel ihrer Fahrt kommen, desto brennender wird die eine große Frage: Was ist das Leben? Und am Ende der Straße steht ein Haus am Meer... "Ein Buch, das nach Aufbruch schmeckt. Planen Sie es gleich für den Sommerurlaub ein." Hans Rath. "Fraglos das lässigste Reisebuch der Saison!" Bücher. "Voller Sehnsucht und Versprechen, glitzernd wie ein Tag am Meer." Neon. Edgar Rai, 1967 geboren, hat Musikwissenschaften und Anglistik studiert. Nach und neben diversen Jobs seit 2000 freier Schriftsteller. Seit 2012 ist er Mitinhaber der Buchhandlung Uslar & Rai in Berlin.Von ihm sind als Aufbau Taschenbücher lieferbar: "Nächsten Sommer", "Sonnenwende", "Wenn nicht, dann jetzt" sowie "Homer für Eilige". Mehr Informationen zum Autor unter www.edgarrai.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 239
    Erscheinungsdatum: 23.04.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841200068
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 2747 kBytes
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Nächsten Sommer

38 (S. 205-206)

Von der Terrasse führen drei Holzstufen in den Garten hinunter. Auf der oberen sitze ich, als ich höre, wie hinter mir die Tür geöffnet wird und Zoe aus dem Haus kommt. Der Papierflieger liegt neben mir. Die Sonne ist kurz davor, über den Rand des Felsens zu steigen. Es ist fünf, vielleicht halb sechs. Als Zoe an mich herantritt, lege ich den Flieger zwischen meine Füße, damit sie sich neben mich setzen kann. Der Himmel präsentiert sich als Verlaufsstudie unterschiedlicher Pastellfarben – von Zartrosa bis Mintgrün, mit Tupfen von gemischtem Deckweiß.

"Wie im Bilderbuch", sagt Zoe. Sie zieht die Beine an die Brust und das T-Shirt über die Knie. Sie hat noch immer nicht mehr an als das und ihren Slip. Man spürt, dass es ein heißer Tag werden wird, doch die Nachtluft liegt noch wie ein kühler Schleier über dem Garten. "Soll ich dir eine Decke holen?", frage ich. Zoe schüttelt den Kopf. "Erzählst du es mir?" Ich betrachte den Flieger zu meinen Füßen. "War mein erster", sage ich und berichte, wie Onkel Hugo mir beibrachte, ihn zu falten, und wie er auf dieser scheinbar vorherbestimmten Bahn durch die Zweige des Tannenbaums flog und schließlich in Opas Schoß landete, der nichts davon mitbekam.

Zoe stützt ihr Kinn auf die Knie und sagt lange nichts. Währenddessen steigt hinter uns die Sonne auf und färbt die Felsen rosa. "Schon merkwürdig, oder? Dass dein Onkel ausgerechnet dir sein Haus überschreibt." Es ist nicht so, dass ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht hätte. Doch es führt nirgendwohin. Davon bin ich inzwischen überzeugt. "Ich weiß nicht, ob Onkel Hugo in Wirklichkeit nicht mein biologischer Vater war", antworte ich. "Wenn es das ist, worauf du hinauswillst. In seinem Schreibtisch habe ich nichts gefunden, was darauf hindeutet. Aber wer weiß: Vielleicht gab es etwas, und mein Vater hat es verschwinden lassen. Schließlich war er vor uns hier. Letzten Endes spielt es keine Rolle.

Wirklich: Unterm Strich hat es keine Bedeutung. Manchmal denke ich, dass mein Vater mich gerne geliebt hätte, aber irgendwie nicht konnte. Kann natürlich auch nur Wunschdenken sein. Wer ist schon in der Lage, objektiv auf seine eigenen Eltern zu schauen? Ich hatte einen Onkel, dem ich offenbar sehr viel bedeutet habe", fahre ich fort.

"Das ist doch eine ganze Menge." Während ich das sage, streichen meine Finger über das spröde Holz, dessen Maserung über die Jahre kleine Wellen gebildet hat. "Im Ernst: Ich kann mich glücklich schätzen." "Was willst du jetzt damit machen?", fragt Zoe und meint den Papierflieger. Ich hebe ihn hoch und prüfe sein Gewicht. Es müsste sehr windstill sein, um ihn auf die Reise zu schicken. So windstill, wie es hier wahrscheinlich niemals wird. "Vielleicht lasse ich ihn irgendwann von der Klippe segeln", sage ich. "Aber noch nicht so bald." "Versteh ich gar nicht", sagt Zoe, "wo du doch sonst so scharf auf 's Loslassen bist."

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