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Nathalie küsst Roman von Foenkinos, David (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.07.2011
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Nathalie küsst

Nathalie und François sind ein Paar wie aus dem Märchenbuch, mit Feingefühl und Geschmack. Doch eines Tages kommt François nicht vom Joggen zurück, eine Blumenhändlerin überfährt ihn. Die schöne Nathalie muss fortan allein durchs Leben gehen, sich der Neugier der Kollegen und der Avancen ihres Chefs Charles in der schwedischen Firma, in der sie als leitende Angestellte arbeitsbesessen über der Akte 114 brütet, erwehren. Als der unscheinbare Quotenschwede Markus ihr Büro betritt, packt sie ihn unvermittelt und küsst ihn. Markus, konsterniert, geht aufs Ganze, eine Liebesgeschichte beginnt, wie sie purer, zärtlicher und empfindsamer nicht sein kann. Während in der Firma die Gerüchteküche brodelt und Charles zu brutalen Maßnahmen greift, begeben sich Nathalie und Markus auf die Flucht in den Garten der Großmutter, zurück zu den Ursprüngen von Kindheit und der gemeinsamen Lieblingssüßigkeit PEZ, und lassen sich von der Liebe überraschen. Voller Anspielungen mit hohem Wiedererkennungswert für eingefleischte Foenkinos-Fans schreibt Foenkinos hier seine bisher schönste Liebesgeschichte.

David Foenkinos, 1974 geboren, Schriftsteller und Drehbuchautor, studierte Literaturwissenschaften an der Sorbonne und Jazz am CIM. "Nathalie küsst" ist sein achter Roman, der ihn in Frankreich zu einem sensationellen Erfolg führte. Seine Bücher sind weltweit in mehr als 15 Sprachen übersetzt. "Nathalie küsst" wird soeben von Foenkinos' Bruder Stephane Foenkinos mit Audrey Tautou in der Rolle der Nathalie verfilmt. Christian Kolb, 1970 geboren, studierte französische Literatur und Filmwissenschaft in Berlin und Paris. Neben Foenkinos' Vorgängerromanen "Größter anzunehmender Glücksfall" (C.H.Beck 2006) und "Unsere schönste Trennung" (C.H.Beck 2010) übersetzte er von Nicolas Fargues "Die Rolle meines Lebens". Er lebt in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 239
    Erscheinungsdatum: 15.07.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406621635
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Originaltitel: La Délicatesse
    Größe: 274 kBytes
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Nathalie küsst

1

Nathalie war von recht diskreter Natur (die Schweizer Art der Weiblichkeit). Sie hielt sich an die Fußgängerüberwege und hatte so die Zeit des Heranwachsens ohne Erschütterungen durchlaufen. Mit zwanzig sah sie der Zukunft wie einer Verheißung ins Auge. Sie hatte ein heiteres Wesen und liebte es zu lesen. Zwei Eigenschaften, die selten Hand in Hand gehen, denn sie gab traurigen Geschichten den Vorzug. Da eine Neigung zur Literatur für ihren Geschmack nicht handfest genug war, hatte sie beschlossen, ein Betriebswirtschaftsstudium zu absolvieren. Sie gab, unter einer verträumten Hülle, dem Ungefähren wenig Raum. Mit einem merkwürdigen Lächeln im Gesicht konnte sie stundenlang die Entwicklungskurven des Bruttoinlandsprodukts in Estland beobachten. Als sie ins Erwachsenenalter eintrat, dachte sie manchmal an ihre Kindheit zurück. Es waren immer die gleichen Episoden einiger Glücksmomente, die sie auflas. Das Laufen an einem Strand, das Besteigen eines Flugzeugs, das Schlafen in den Armen ihres Vaters. Doch nie sehnte sie die Zeit zurück, niemals. Was bei Frauen, die den Namen Nathalie tragen, eher selten ist.[ 1 ]

1 Nathalies haben häufig einen deutlichen Hang zur Nostalgie.

2

Die meisten Liebespaare wiegen sich für ihr Leben gern in dem Glauben, ihre Beziehung weise Züge des Außergewöhnlichen auf, und dennoch sind gerade die unzähligen Verbindungen, die in vollendeter Banalität eingegangen werden, oft mit Details angereichert, die eine leichte Ekstase gestatten. Schließlich sucht man ja bei allem nach einer Deutung.

Nathalie und François sind sich auf der Straße begegnet. Wenn ein Mann eine Frau anspricht, ist das immer eine heikle Sache. Die Frauen stellen sich notgedrungen die Frage: "Kann es nicht sein, dass er seine ganze Zeit damit verbringt?" Die Männer sagen häufig, sie täten es zum ersten Mal. Laut ihrer Version gelangen sie unversehens in den Besitz einer bis dahin nicht gekannten Gnade, durch die sie ihre immerwährende Schüchternheit überwinden können. Die Frauen erwidern instinktiv, sie hätten keine Zeit. Von dieser Regel bildete Nathalie keine Ausnahme. Es war idiotisch, denn sie hatte nichts Großartiges vor, und der Gedanke, dass man sie einfach so anquatschte, gefiel ihr. Das wagte sonst nie jemand. Schon öfter hatte sie sich gefragt: Wirke ich zu unwirsch oder zu schwerfällig? Eine ihrer Freundinnen hatte zu ihr gesagt: "Du siehst aus wie eine Frau, die vom Verrinnen der Zeit verfolgt wird, deswegen spricht dich nie jemand an." Wenn ein Mann an eine Unbekannte herantritt, möchte er ihr etwas Nettes sagen. Gibt es ihn, diesen Kamikaze-Mann, der eine Frau aufhalten würde, um ihr an den Kopf zu werfen: "Wie können Sie nur solche Schuhe tragen? Sie pferchen Ihre Zehen wie in einem Gulag zusammen. Sie sind der Stalin Ihrer Füße, eine Schande ist das!" Wer wäre zu so etwas fähig? François, der sich artig auf die Seite der Komplimente schlug, sicherlich nicht. Er bemühte sich, in Worte zu fassen, was unmöglich in Worte zu fassen war: die Verwirrung, die Aufregung. Wieso hatte er sie angehalten? Es lag vor allen Dingen an ihrem Gang. In ihm hatte sich etwas nie Dagewesenes geregt, etwas geradezu Kindliches, wie eine Rhapsodie der Kugelgelenke. Ihre Bewegungen strahlten eine Art rührende Natürlichkeit, eine solche Anmut aus, dass er dachte: Das ist genau die Sorte von Frau, mit der ich gern übers Wochenende nach Genf fahren würde. Da nahm er sein Herz in beide Hände - und hätte in diesem Augenblick gar vier haben wollen. Zumal es für ihn ja wirklich das erste Mal war. Sie sollten sich kenn

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