text.skipToContent text.skipToNavigation

Neue Memoiren einer Mistgabel 2 vierundzwanzig Kurzgeschichten von Freiheit und Verwurzelung

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2013
  • Verlag: Landwirtschaftsverlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Neue Memoiren einer Mistgabel 2

'Das Land hat Perspektiven. Wenn man sie erkennt, kann man das Land riechen und bedingungslos lieben.' Mit dem zweiten Band von Kurzgeschichten zwischen Ackerbau und Viehzucht ist wiederum eine wunderbare Auslese gelungen, die pures Lesevergnügen garantiert. Lustige, aber auch tragische Episoden geben tiefe Einblicke in die Vielfalt des 'harten, aber ehrlichen Lebens' auf dem Lande. Sie erzählen von glücklichen Erinnerungen, von gelebter Tradition auf den Höfen wie auch von den Zwängen und Härten des wirtschaftlichen Überlebens für die Menschen, für die die Landwirtschaft die Existenz bedeutet. Eine Hommage an das Leben auf dem Land: liebevoll erzählt, kurzweilig und lehrreich zugleich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 01.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783784390185
    Verlag: Landwirtschaftsverlag
    Größe: 308kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Neue Memoiren einer Mistgabel 2

NEU-LAND für Jana

Dr. Sylvia Eggert

Die Farben auf dem Land sind anders. Das Gelb wiegt sich, das Blau fliegt dahin, und das Grün duftet. Und das Rot – das glüht, morgens manchmal und abends hin und wieder. So wie heute. Aber Jana hatte das Besondere an den Farben auf dem Lande noch nicht bemerkt, obwohl sie seit sechs Wochen dort wohnte. Sie nahm auch jetzt die Farbe der Abendsonne nicht wahr, die warmen Strahlen in ihrem Glutrot. In Jana war es einfach nur wutrot. Seit sechs Wochen, seit Beginn der Sommerferien. Da hatten ihre Eltern sie mit in das winzige Häuschen auf dem Lande genommen, das sie gekauft hatten – ohne ihre Tochter zu fragen. Die Möbelträger hatten einen Tag vor der Zeugnisausgabe die Sachen aus der Stadtwohnung hierher verschleppt. Jana hatte protestiert und geschimpft und geweint. Sie wollte nicht weg, nicht fort aus der Stadt, nicht weg von ihrer Klasse und vor allem nicht weg von ihrer Freundin Lara. Aber es half alles nichts. Die Eltern hatten es nur gut gemeint. Jana sollte in der Natur aufwachsen und die frische Landluft atmen können. Von wegen. Seit Beginn der Sommerferien, seit sechs Wochen, hockte das Mädchen in seinem Zimmer. Jana wollte nichts und niemanden sehen. Sie hatte mit der Wut zu kämpfen, die sich wie ein Ballon in ihr ausgebreitet hatte und sie so ausfüllte, dass sie manchmal meinte, gleich zerspringen zu müssen. Sie hatte die meiste Zeit auf ihrem Bett gelegen – für den Fall, dass er wirklich geschehen würde – der große Knall. Aber er blieb aus. Und so hatte sie Zeit genug, ihr neues Zimmer zu studieren: die buckligen, schiefen Wände mit den winzigen Öffnungen darin, die sich Fenster nannten, die krummen Balken, die sich bogen, als hätte von den früheren Hausbewohnern jemand schrecklich gelogen, und den Putz, der wie eine picklige weiß-blasse Haut das ganze Zimmer einhüllte.

Sie hasste dieses neue alte Zimmer, genau wie sie das ganze neue alte Haus hasste, auf das die Eltern so stolz waren. Wie waren sie nur auf die Idee gekommen, dass sich Jana hier wohl fühlen konnte? Sie, die ihr ganzes bisheriges Leben in der Großstadt verbracht hatte.

Es ging ihr schlecht in diesem Dorf, in dem wahrscheinlich mehr Tiere als Menschen lebten. "Kuhkaff", so hatte sie Neuendorf insgeheim getauft, denn manchmal hörte sie irgendwo in der Nähe das Muhen der Kühe. Obwohl Jana nicht ein einziges Mal durch das Dorf gegangen war, meinte sie genau zu wissen, wie es da zuging. Sie hatte sich in der Fantasie ihr Bild von dem Ort gemalt: öde Felder, auf denen Traktoren lärmten, dazwischen die Dorfstraße, an der alte windschiefe Häuser standen, Hühner, die um die Wette gackerten mit tratschenden Bäuerinnen in Schürze und Gummistiefeln. Dazu der Geruch nach ewiger Arbeit. Und nach Kühen und Schweinen. An die Kinder wagte sie kaum zu denken. Sie stellte sie sich verdreckt in abgewetzten Klamotten vor, kleine kauzige Hinterwäldler, die noch nie was von Computern, DVD- oder MP3-Playern gehört hatten.

Apropos Kinder. Morgen würde sie das erste Mal ihre neuen Mitschüler sehen. Bei dem Gedanken daran machte sich wieder der prall gefüllte Luftballon in ihrem Bauch bemerkbar. Nur dass irgendjemand die Wut darin gegen Angst ausgetauscht hatte. Jana schaute Hilfe suchend zu Jack. Sein Poster hatte sie aus der Stadtwohnung gerettet und wieder über ihrem Bett angebracht – hier in dem neuen alten Zimmer. Jack ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Er war ein mutiger Pirat, der scheinbar nie Schiss hatte. Jana wusste, dass man solche Wörter eigentlich nicht sagt. Aber Angst, die so groß ist, ist nun mal Schiss.

Das Mädchen wünschte sich, genau so unerschrocken zu sein wie Captain Jack Sparrow

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.