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Nikolai Gogol - Die besten Geschichten von Gogol, Nikolai (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.11.2020
  • Verlag: Anaconda Verlag
eBook
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Nikolai Gogol - Die besten Geschichten

Eine Nase entweicht ihrem Besitzer und geht promenieren; ein verarmter Maler findet jede Menge Golddukaten im Rahmen eines Porträts; die Anschaffung eines neuen Mantels wird einem Kopisten zum Verhängnis - in den Geschichten von Nikolai Gogol geschehen seltsame und auch zunehmend unheimliche Dinge. Wie sich zeigt, hat dabei der Teufel gern seine Finger im Spiel. Gogol war ein Meister im Spiel mit Wirklichkeit und Phantastik. Dieser Band enthält die Novellen »Der Newski-Prospekt«, »Die Nase«, »Das Porträt«, »Der Mantel« und »Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen«.

Produktinformationen

    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 09.11.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641276508
    Verlag: Anaconda Verlag
    Größe: 1031 kBytes
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Nikolai Gogol - Die besten Geschichten

DER NEWSKI-PROSPEKT

Es gibt nichts schöneres als den Newski-Prospekt, wenigstens in Petersburg nicht: Für Petersburg bedeutet er alles. Welcher Glanz fehlt noch dieser schönsten Straße unserer Hauptstadt? Ich weiß, dass keiner von den blassen und beamteten Einwohnern Petersburgs diese Straße gegen alle Kostbarkeiten der Welt eintauschen würde. Nicht nur der Fünfundzwanzigjährige, der einen wundervollen Schnurrbart und einen prachtvoll genähten Rock besitzt, sondern auch der, auf dessen Kinn weiße Stoppeln sprießen und dessen Kopf so kahl ist wie ein silbernes Tablett, ist vom Newski-Prospekt entzückt. Und erst die Damen! Oh, den Damen ist der Newski-Prospekt noch angenehmer! Und wem ist er nicht angenehm? Kaum hat man den Newski-Prospekt betreten, so atmet man nichts als müßiges Herumschlendern. Wenn man sogar ein wichtiges, unaufschiebbares Geschäft vorhat, so vergisst man es, sobald man auf dem Newski ist. Dies ist der einzige Ort, wo die Menschen nicht von irgendeiner Notwendigkeit getrieben erscheinen, nicht vom Geschäftsinteresse, von dem das ganze Petersburg ergriffen ist. Der Mensch, dem man auf dem Newski-Prospekt begegnet, scheint weniger Egoist zu sein, als einer, den man in der Morskaja-, Gorochowaja-, Litejnaja-, Mjeschtschanskaja- und in jeder anderen Straße trifft, wo Gier und Habsucht auf allen Gesichtern ausgeprägt sind, die vorbeigehen und in Equipagen und in Droschken vorbeijagen. Der Newski-Prospekt ist die wichtigste Verkehrsader von ganz Petersburg. Ein Bewohner des Petersburger oder des Wyborger Stadtteils, der seinen Freund, welcher im Peski-Stadtteil oder am Moskauer Tor wohnt, schon seit mehreren Jahren nicht besucht hat, kann sicher darauf rechnen, dass er ihm auf dem Newski-Prospekt begegnet. Kein Adressbuch und keine Auskunftsstelle können so zuverlässige Nachrichten geben wie der Newski-Prospekt. Der Newski-Prospekt ist allmächtig! Er ist die einzige Zerstreuung für das an Spaziergängen so arme Petersburg! Wie sauber sind seine Bürgersteige gekehrt, und, mein Gott, wie viel Füße hinterlassen auf ihm ihre Spuren! Der plumpe schmutzige Stiefel des gedienten Soldaten, unter dem selbst das Granitpflaster zu bersten scheint, das winzige, wie Rauch leichte Schuhchen der jungen Dame, die ihr Köpfchen den glänzenden Schaufenstern zuwendet, wie die Sonnenblume der Sonne, der rasselnde Säbel des von Hoffnungen erfüllten Fähnrichs, der in ihn eine scharfe Spur kratzt - alles lässt ihn die Macht der Kraft und die Macht der Schwäche fühlen. Wie schnell wechseln hier die fantastischen Bilder im Laufe eines einzigen Tages ab! Wie viel Veränderungen muss er in vierundzwanzig Stunden erleiden! Fangen wir mit dem frühen Morgen an, wo ganz Petersburg nach heißen, frisch gebackenen Broten riecht und von alten Weibern in zerrissenen Kleidern und Mänteln wimmelt, die die Kirchen und die mitleidigen Passanten überfallen. Um diese Stunde ist der Newski-Prospekt leer: Die dicken Ladenbesitzer und ihre Kommis schlafen noch in ihren holländischen Hemden oder seifen sich ihre edlen Wangen ein oder trinken Kaffee; die Bettler versammeln sich vor den Türen der Konditorei, wo der verschlafene Ganymed, der gestern mit den Tassen Schokolade wie eine Fliege herumgeflogen ist, ohne Halsbinde, mit einem Besen in der Hand erscheint und ihnen ausgetrocknete Kuchen- und Speisereste hinwirft. Durch die Straßen zieht arbeitendes Volk; manchmal sieht man hier auch einfache russische Bauern, die in kalkbeschmierten Stiefeln, die selbst der Katharinenkanal, der wegen seiner Sauberkeit berühmt ist, nicht abwaschen könnte, zur Arbeit eilen. Um diese Stunde sollen sich Damen hier lieber nicht zeigen, denn das russische Volk wendet gern so kräftige Ausdrücke an, die sie wohl auch nicht im Theater zu hören bekommen. Manchmal sieht man hier auch einen verschlafenen Beamten mit einer Aktentasche unter dem Arm, den der Weg nach seinem Departement zufällig über den Newski führt. Man kann mit Bestimmtheit sagen, dass um diese Tag

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