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Noras Mails von Fabbri, Sandrine (eBook)

  • Verlag: Lenos Verlag
eBook (ePUB)
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Noras Mails

Nora liebt die Männer. In Zürich taucht sie ins exjugoslawische Milieu ein, in Paris treibt sie sich in zwielichtigen Bars herum. Ihrer Freundin schickt sie regelmäßig Mails, in denen sie von ihrem Leben erzählt, von ausschweifenden Abenden, ihren Liebhabern für eine Nacht, dem tragischen Tod ihres Freundes, des Schriftstellers Guillaume Dustan. Aber Nora beobachtet auch die Gesellschaft, die sie umgibt, sie erlaubt sich spitzzüngige Kommentare und entwirft ein Bild ihrer Welt, die aus dem Tritt geraten ist. Hin- und hergerissen zwischen Selbstironie und Verzweiflung, versucht sie zu überleben und ihrer Angst durch Schreiben, Sex und Wodka zu entkommen. - Sandrine Fabbri, deren aus dem Französischen übersetzter Roman "Dieses endlose Schweigen" 2011 im Lenos Verlag erschien, schreibt hier erstmals in deutscher Sprache. Sandrine Fabbri, geboren in Genf, war Theaterkritikerin des "Journal de Genève & Gazette de Lausanne", dann Feuilletonkorrespondentin von "Le Temps" in Zürich. Später arbeitete sie als freischaffende Journalistin und Übersetzerin (Lukas Bärfuss, Sibylle Berg) in Zürich und Paris. Heute lebt Sandrine Fabbri in Genf. www.sandrinefabbri.com.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783857875595
    Verlag: Lenos Verlag
    Größe: 4541 kBytes
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Noras Mails

Datum: Sonntag, 1. Februar 2004, 02:51

Betreff: Mandragore

Ma chérie

Ich war zu dieser Party eingeladen

Vorgestern

Wusste nicht

Ob hingehen oder nicht

Du weisst

Meine grosse Liebe

Auf dem schwarzen Kissen

Vor dem Kamin

Ist meine grosse Liebe gestorben

Auf diesem schwarzen Kissen

Vor dem Kamin

Sitze ich jetzt

Das Feuer brennt

Meine Liebe ist schon eingeäschert

Mandragore

Meine Katze

Die Einzige die mich nie enttäuscht hat

Jeden Tag fand ich sie schöner

Bis zum letzten

Bis vor zehn Tagen

Am 22. Januar hat sie diesen schönen ruhigen

Tod gehabt

Zu Hause

Umgeben von Freunden

Wie ich es mir gewünscht hab

Dank Nicola

Einen Freund zu haben

Der Tierarzt ist

Ist sehr wichtig

So wird der Tod anders

Jetzt ruht Mandragores Asche im Genfersee

Also

Ich sass auf diesem schwarzen Kissen

Vor dem Kamin

Wo sie gestorben ist

Und wusste nicht

Ob hingehen oder nicht

Zu dieser Party

Vielleicht doch lieber nicht allein

Auf dem schwarzen Kissen

Vor dem Kamin

Bleiben

Vielleicht lieber hingehen

Zwei Wodkas trinken

Dann zurück nach Hause

I'm not in the mood

Anyway

Gleichzeitig

Sprach meine innere Stimme

Du wirst saufen

Um zu vergessen

Heute hast du einen guten Grund

Zu saufen

Dann wirst du sicher nicht zu Hause schlafen

Oder doch

Aber nicht allein

Aha

So sprichst du

Du

Meine innere Stimme

Man wird schon sehen

M. hat mich abgeholt

S. und D. wohnen jetzt am Ende der Welt

In der Hohlstrasse

Ich nenne sie

Die Höllestrasse

Im fünften Stock ohne Lift

Wohnen S. und D.

Dafür grosse Attikawohnung mit Dachterrasse

Da oben hast du 360 Grad Sicht

Einschliesslich Züriberg Üetliberg Zügen Autos

Du siehst die Hardbrücke

Gleich links nach der Hardbrücke

Liegt diese Bar

Wo die Leute meines Landes meines Exlandes verkehren

Im Gebäude gibt's eine Bar

Wo die Portugiesen verkehren

Also

360 Grad Sicht

Nur

Es riecht nach Blut

Ja

Nach Blut

Weil der Schlachthof gegenüber ist

Wie man auf dieser Dachterrasse in der Sonne liegen kann

Keine Ahnung

S. sagt

Sowieso isst du Fleisch

Ja klar

Aber ich schlafe nicht in meinem Sarg

Obwohl

Das könnte ich schon

In meinem Sarg schlafen

Meine ich

Ich wäre nicht die Erste

Remember Sarah Bernhardt

Nur

Nicht mit einer verwesenden Leiche

Mandragore ist schon eingeäschert

Auf der Dachterrasse riecht's nach Blut

Wie man da einfach leben kann

Fragst du

Noch mal

Keine Ahnung

Meine Freunde finden es urban und politically correct

Gegenüber dem Schlachthof mit den Ausländern

Zu wohnen

So hip

Bei mir wohnen auch Ausländer

Nur

Reiche Ausländer

Neben dem Schlachthof

Gibt's einen riesigen Parkplatz

Und auf dem riesigen Parkplatz

Gibt's Secondhandautos

Es schneite

Aber sie waren da

Die Männer

Du musst es dir vorstellen

Freitagnachts

Es schneit

Aber sie sind da

Die Kosovo-Albaner

Um sich die Autos anzuschauen

Die Höllestrasse Verkehr Züge Autos

Kühe im Schlachthof

Kosovo-Albaner auf dem Parkplatz

Portugiesen in der Bar

Jugos in der anderen Bar

Seitdem ich in Zürich lebe

Bin ich nie hierhergekommen

Ich weiss auch warum

Als Kind kam ich oft

Eine Schwester

Meiner Grossmutter

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