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Nordwald von Resch, Nikolaus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.06.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Nordwald

Der Roman erzählt in Auszügen die Geschichte der Region um das Dreiländereck Österreich-Tschechien-Deutschland, deren Grundzüge geprägt sind von Wäldern und bäuerlichen Gesellschaftsstrukturen. Der Erzähler tritt in Gestalt eines älteren Mannes auf, der Aufgrund psychischer Veränderungen imstande ist, zumindest in seiner Vorstellung, sich an die Lebensgeschichten seiner Vorfahren zu erinnern. Nach der Einweisung in eine Pflegeanstalt und der darauffolgenden Flucht aus derselben, findet er sich zusammen mit zwei Freunden in einer abgelegenen Hütte im Hochwald wieder. Dort werden die Erinnerungen der drei Männer lebendig - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verknüpfen sich. Anhand der Schicksale der drei Freunde werden mehr oder weniger bedeutende historische und zeitgeschichtliche Ereignisse aus der Region erzählt. Der Protagonist wird zum Beispiel, in Form seiner Ahnen, zum Ideengeber für den Schwarzenberg schen Schwemmkanal, er ist am Raub eines Altares aus einem Kloster beteiligt, hilft bei der Festsetzung einer berüchtigten Schmuggler- und Räuberbande, und begegnet und beeinflußt Adalbert Stifter. Im Gedanken stellt er Betrachtungen zur Entwicklung seiner ländlichen Heimat, auch unter dem Einfluß globaler Vorgänge, in Bezug auf Landwirtschaft, Architektur oder Gesellschaft an. Die zweite Hauptfigur erlebt nach dem zweiten Weltkrieg am eigenen Leib die Vertreibung der Minderheiten aus Böhmen, die russische Besatzungszeit im Mühlviertel, und die Errichtung und den Fall des Eisernen Vorhangs. Er symbolisiert den Bauernstand, die Bescheidenheit und die Naturverbundenheit, macht aber auch deutlich, daß die Entwicklung von kognitiver und emotionaler Intelligenz keine Frage von Bildung und sozialem Umfeld ist. Der Dritte ist ein an Demenz erkrankter Jugendfreund des Erzählers, an dessen Schicksal sich die zerstörerische Kraft gesellschaftlicher Zwänge ablesen läßt. Themen wie Vertreibung, Flucht und soziale Integration, ökologische und wirtschaftliche Fragen, Bildung, Kunst und Medien, Liebe und Haß, bilden die Hintergründe für die Gedanken und Taten der Hauptfiguren, die eingebunden sind in die rauhe Landschaft des Böhmerwaldes. Die im Roman erwähnte Personen sind frei erfunden, den historischen Ereignisse liegen aber zum Teil tatsächliche Ereignisse zugrunde.

Geboren 1974 und aufgewachsen in einer kleinen Gemeinde im oberösterreichischen Mühlviertel. Besuch der örtlichen Volksschule und anschließend des Realgymnasiums, mangels Studierfreudigkeit allerdings nur für fünf Jahre. Anschließend Landflucht und technische Lehre, Präsenzdienst, danach verschiedene kurzfristige berufliche Beschäftigungen, schließlich für diverse größere und kleinere Rundfunkanstalten gestalterisch und redaktionell tätig, in weiterer Folge selbstständiger Filmschaffender. Zwischendurch die Geburt dreier Nachkommen, und in Folge die Rückkehr ins Landleben. Aktuell vorrangig mit Kindererziehung und als Sozialarbeiter beschäftigt. Nebenbei nach wie vor gelegentlich als Mediengestalterr und Fotograf tätig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 355
    Erscheinungsdatum: 14.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741210914
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 584kBytes
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Nordwald

Drei Könige

Es waren einst, vor langer Zeit, drei Könige, die trafen sich auf einem Berggipfel, an dem ihre Königreiche aneinanderstießen.
Diesen Gipfel krönte ein mächtiger Felsblock, in den drei Sessel für die Herrscher gehauen waren. Dort sitzend berieten sie über die Geschicke ihrer Länder - so besagt die Legende.
Doch die Wahrheit ist eine andere.

Die drei Männer waren weder Könige noch Fürsten. Zuerst war da ein Steinmetz, dann ein einfacher Bauer, und der dritte war ein Heilkundiger, ein Kräutersammler. Natürlich hatte jeder sein eigenes kleines Reich, aber keiner von ihnen herrschte darüber, keiner verfügte über Untertanen.
Der Bauer hatte zwar einen Bruder, der zugleich sein Knecht war, den er aber nicht knechtete. Sie lebten zusammen und teilten sich die Arbeit.
Der Steinmetz war ebenfalls weit davon entfernt ein König zu sein. Vielmehr war seine Frau es, die zu Hause das Zepter in der Hand hielt. Der Steinmetz begnügte sich mit seinem Hammer.
Das Reich des Heilers war der Wald. Und der duldete ohnehin keinen Herrscher über sich.
Man mag sich jetzt die Frage stellen, woher ich das wissen will, wie ich mir anmaßen kann, eine uralte Legende zu berichtigen, wo sich diese Begebenheit doch lange vor meiner Zeit zugetragen hat. Nun, ich war einer von den Dreien, war gewissermaßen dabei, wenn auch nicht körperlich anwesend, zumindest nicht mit jenem Körper den ich heute besitze. Klingt kompliziert. Ist es auch.

Um zu erklären wie es dazu kam, müßte ich in mehreren Wissenschaften bewandert sein. In der Psychologie etwa, oder in den Künsten der Medizin, in der Biologie, in der Chemie, vielleicht auch in schwer zu definierenden Grenzwissenschaften, oder in allen zugleich. Nun ist das aber ohnehin so eine Sache mit den Wissenschaften. Ich persönlich halte ja nicht all zu viel davon. Da wird erforscht und erklärt, manchmal widersprechen sich die einzelnen Wissenschaften, auftretende Lücken werden mit Thesen aufgefüllt, es wird gestritten und diskutiert, romantische Mythen und Legenden werden unter dem Mikroskop gnadenlos seziert und entzaubert. Das gleißende Neonlicht der Wissenschaft tilgt die Schatten aus dem Bild, macht es flach und plättet die Dimensionen. Vor allem dann wenn es um den Menschen geht, der ja, so vermutet die Wissenschaft, aus mehr als nur aus Muskelmasse und Knochen, aus organischem Material also, besteht, sondern auch eine Seele besitzt. Und da fangen schon die Probleme an. Denn eine Seele hat noch keiner fotografiert, vermessen oder gewogen. Irgendwie kriegt man so eine Seele nicht recht zu fassen, bringt sie einfach nicht dazu sich in ein Reagenzglas zu zwängen oder sich ein paar Elektroden aufkleben zu lassen. Schade eigentlich. Für die Wissenschaft zumindest.
Sagen wir also, der Einfachheit halber, die Seele ist das was die Wissenschaft nicht versteht. Immerhin aber wissen wir heute, dank der Wissenschaft, daß es die Seele überhaupt gibt - sie wurde sozusagen anerkannt und genehmigt.
Früher war die Seele ja etwas rein Spirituelles, etwas das in den Himmel aufgefahren ist wenn s mit dem physischen Dasein vorbei war. Da hat s die Seele ja eigentlich besser erwischt als so manch andere Erfindung. Immerhin hat sie sich aus der Antike in die Neuzeit herüberretten können. Das können ja nicht viele Dinge von sich behaupten.
Heute gibt s ja fast schon sowas wie einen Seelenboom. Die Seele ist eben zeitlos modern. Man denke an den Wirtschaftszweig Esoterik, oder an die ganzen Kriege die im Namen der Religionen geführt werden. Was Religion mit der Seele zu schaffen hat, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht zu erklären, das würde zu weit führen.
Immerhin aber sehen wir, daß gerade die Seele, obwohl wissenschaftlich nie nachgewiesen, etwas erstaunlich Beständiges ist. Und etwas Kompliziertes. Aber egal. Ich bin ja ohnehin in keiner der genannten Wissenschaften ausreichend geschult, um etwas von solchen Dingen zu verstehen

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