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Oh Ali! von Aram, Kurt (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
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Oh Ali!

Kurt Aram, Pseudonym für Hans Fischer ( 28. Januar 1869 in Lennep, 10. Juli 1934 in Berlin) war ein deutscher Journalist und Schriftsteller, der unter diesem Namen schrieb. Bis zu seiner Amtsniederlegung 1900 war er unter seinem bürgerlichen Namen Pfarrer in Herborn. Er war Redakteur beim Berliner Tageblatt, Mitherausgeber der Literaturzeitschrift März und verfasste eine Reihe von Romanen, die allgemein zur Unterhaltungsliteratur gezählt werden. (Auszug aus Wikipedia)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 236
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956768095
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 396 kBytes
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Oh Ali!

Erstes Kapitel

Die Hauptstadt des persischen Gouvernements, das im Norden nur durch den Araxes daran gehindert wird, mit russisch Transkaukasien zusammenzufließen wie Milch und Sahne, zählte etwa zehntausend Einwohner. Sie beanspruchten aber einen Raum, der in Europa für Zweihunderttausend hätte ausreichen müssen. Fast jedes Haus war von den ihm zugehörigen Blumen-, Gemüse- und Weingärten umgeben, die eine gemeinsame Mauer umfriedete. So konnte man auf einem guten Pferd zwei volle Stunden reiten, um die Stadt zu durchqueren, und sah dabei fast nur Mauern, hinter denen kleinere oder größere Baumgruppen neugierig zu dem Reiter hinüberblickten. Im Sommer versanken die Pferdehufe in feinem Staub, der unter ihnen in dicken gelben Wolken aufwirbelte, den Pferde-, Esel- und Kamelmist beizte. Im Winter zogen die Hufe Roß und Reiter nur mühsam durch den zähen Schlamm, der sie durchaus festhalten wollte, um nicht ganz auf jede Gemeinschaft mit dem Leben verzichten zu müssen. Den eigenen Füßen vertraute sich außerhalb der Mauern nur selten jemand an. Auch die Ärmsten besaßen einen Esel, der für sie die Beine rühren mußte, wenn sie draußen zu tun hatten.

Im Westen grenzte das Gouvernement an die Türkei. Aber Mutter Natur hatte vorsorglich einen hohen und wilden Gebirgszug zwischen die beiden Länder gelegt, ohne welchen sich Perser und Türken längst ausgerottet hätten. So sehr liebten sie sich. Auch bevölkerte sie diesen mächtigen Schutzwall noch mit Kurden, die weder Persern noch Türken wohlgesinnt sind. Den Sommer über treiben sie ihre Schafherden von Süden nach Norden durch die Berge, den Winter über rasten ihre gut bewaffneten Trupps, wo der erste Schnee sie gerade überrascht. Erst bei Tauwetter wandern sie weiter dem Araxes zu; und wie die Herden keinen Grashalm ungerupft lassen, so auch ihre Hirten keinen Perser oder Türken, der ihnen über den Weg kommt und kein stärker bewaffnetes Geleit mit sich führt. Vom Araxes wenden sie sich dann wieder südwärts. Stoßen sie dabei auf Trupps, die nach Norden unterwegs sind, so gebrauchen sie, wenn zwischen ihnen nicht besonders feierliche Verträge bestehen, fleißig die Flinten, um die Zahl der gegnerischen Hirten zu vermindern und so ihre eigenen Herden zu vergrößern.

Da die Stadt von der russischen Grenze nur drei und von der türkischen sogar nur eine Tagereise weit entfernt ist, und da die Karawanenstraße von Trapezunt am Schwarzen Meer nach Täbris, der Hauptstadt Nordpersiens, dicht an ihren Mauern vorbeiführt, so leben auch zahlreiche russisch-armenische Handelsleute, einzelne Türken und wohlhabende Kurden in ihr. Diese, die ihre engeren Stammesgenossen am besten kennen, haben sich am östlichen Ende der Stadt möglichst weit fort von den Bergen angesiedelt. Die russischen Armenier hingegen zwang die mohammedanische Übermacht, sich ganz im Westen der Stadt bei ihren persischen Glaubensgenossen niederzulassen, damit sie feindliche Überfälle aus den Bergen zuerst auszuhalten und abzuwehren hätten. Die Masse der einheimischen Perser hatte sich möglichst breit dazwischen gebettet.

Die natürliche Folge von alledem war, daß die Armenier ihren westlichen Stadtteil ganz festungsmäßig ausbauen mußten. Ihre einstöckigen, langgestreckten Häuser lagen nicht friedlich inmitten ihrer Gärten, sondern mit der Rückseite hart an den hohen Mauern, das Gesicht und alles Leben mit seinen Fenstern und Veranden nach innen gekehrt. Als Zugang gab es in den dicken Umfassungsmauern, die reichlich mit Schießscharten versehen waren, nur je ein niedriges schmales Tor aus schweren Holzbohlen, stark mit Eisen beschlagen. Die flachen Dächer konnten jederzeit durch lange Laufbretter miteinander verbunden werden, so daß man besonders bedrohte Stellen sofort mit bewaffneten Männern besetzen konnte; und die Gassen zwischen den hohen Mauern waren so eng, daß man sie zwar leicht von den Schießscharten unter Feuer halten konnte, aber in den Gassen

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