text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Oh Tapirtier von Dury, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.06.2015
  • Verlag: Conte Verlag
eBook (ePUB)
6,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Oh Tapirtier

'Die Frau streute die Fotos vor mir auf den Tisch und sagte: 'Diese Waffe. Haben Sie die gebaut?' Mit einer gewissen Genugtuung bejahte ich. 'Was haben Sie damit bezweckt?' Ich sagte: 'Keine Ahnung. Männer machen manchmal solche Sachen.'' Zehn heiße Tage im Juni 2007. Am Rande des G8-Gipfels in Heiligendamm wird ein Polizeihubschrauber abgeschossen. Fünf Polizisten sterben. Die Täter werden im Antiglobalisierungslager vermutet. Frank Schütz macht sich auf die Suche nach Leo Fetzner. Mit ihm hatte er vor Jahren die DK1 gebaut, eben jene kuriose Kanone, die nun in der Tagesschau als Tatwaffe präsentiert wird. Fetzner ist die Schlüsselfiguer, sein ehemaliger Uniprof, Freund und Rivale. Er hatte Frank seinerzeit zur Tapiraktion verleitet. Die Ereignisse kippen das fragile Gleichgewicht seines Lebens. Mit der Polizei auf den Fersen macht er sich auf die Reise in die Vergangenheit: die Ereignisse an der Startbahn West, die Jahre als Student und Autonomer in Berlin, die unerfüllte Liebe zu Eva, Fetzners Frau. Zehn Tage, die alles verändern werden. Andreas Dury, geb. 1961, wuchs im pfälzischen Dahn auf. Er studierte Philosophie, Geschichte und Germanistik in Tübingen, München und Berlin und absolvierte eine Ausbildung als Programmierer. Heute arbeitet er selbstständig als Autor, in der Erwachsenenbildung und als Softwareentwickler. Er ist Vorstandsmitglied des VS-Saar. Zahlreiche Veröffentlichungen, v.a. '... als ich in die Stadt kam', (Erzählungen, 1999), 'Schachtelkäfer' (Roman, 2003). 1999 Georg-K.- Glaser-Preis, 2003 Martha-Saalfeld- Preis und Buch des Jahres Rheinland-Pfalz, 2005 Sonderpreis beim Sketch- und Geschichtenwettbewerb Dillingen a.d. Donau. Außerdem war Andreas Dury mit seinem Roman "Oh Tapirtier" für den Pfalzpreis für Literatur 2010 nominiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 350
    Erscheinungsdatum: 26.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783941657496
    Verlag: Conte Verlag
    Serie: Conte Roman Bd.23
    Größe: 2820 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Oh Tapirtier

Kapitel 1
Freitag, 8. Juni 2007

Hubschrauber sind wie Tiere. Besonders, wenn das Motorengeräusch ausgeblendet ist. Der Hubschrauber sieht aus, als handle es sich um ein flugfähiges Tier, vielleicht um eine schrecklich große Libelle. Und in diesem Film gibt es keinen Ton. Kein Sprecher mischt seine Stimme in diese Bilder, die in schlechter Qualität, vielleicht mit einer Handykamera aufgenommen, über den Bildschirm flimmern. Die Erinnerung springt sofort zu Nine/Eleven , dem elften September 2001, als zu Beginn der Nachrichtensendungen noch vor der ersten Meldung ein Amateurvideo abgespielt wurde, das jeden Kommentar übertraf. Aber das hier sind nicht die Twin Towers. Das ist die deutsche Ostseeküste, Heiligendamm oder irgendein Ort in der Nähe. Das braucht den Fernsehzuschauern niemand mehr zu sagen. Seit Tagen sieht man diese Gegend jeden Abend, man ist schon daran gewöhnt und weiß sofort: Beim Gipfeltreffen der acht mächtigsten Staatsmänner der Welt ist etwas passiert.

Dabei ist zunächst nur ein Gutshof zu sehen, davor ein Hubschrauber mit laufendem Rotor. Staub wirbelt auf, die Büsche, die den Landeplatz einrahmen, biegen sich weg vom Zentrum des Sturms. Langsam hebt er ab, nach unten geneigt der dicke Kopf mit der schönen runden Glasfront, die sich bis in den Fußraum wölbt, sodass der Pilot nach unten sehen kann. Einen Moment lang scheint er in der Luft stehen bleiben zu wollen, ein paar Meter erst vom Boden weg, aber dann kippt er zur Seite und sein kraftvoller Rotor wuchtet ihn, rasch höher steigend, in eine Kurve und in die Richtung, in die gerade eben noch sein Schwanz gezeigt hat. Der Hubschrauber fliegt mit leicht gesenktem Kopf auf die Kamera zu. Dann geschieht es. Man kann nicht erkennen, was. Es ist, wie wenn ein Stier vom Bolzenschuss getroffen wird. Da gibt es nichts zu erkennen, außer der Tatsache, dass es aus und vorbei ist. Genau so ergeht es diesem Hubschrauber. Er stürzt ab. Es dauert keine zwei Sekunden, bis er auf dem Boden aufkommt. Der sich weiter drehende Rotor sorgt dafür, dass er wie ein Knallfrosch noch ein paar Sprünge macht, bevor sich seine Kontur in einem rasch auflodernden und stark rußenden Feuer verliert.

Nun erst setzt die Stimme eines Kommentators ein und man hört, dass es kein gefährlicher Einsatz gewesen sei, zu dem fünf Männer - ein Pilot, ein Dolmetscher und drei hohe Polizeioffiziere - in diesem fast nostalgisch anmutenden Fluggerät aufbrachen. Es sollte ein letzter Rundflug über den Einsatzort sein.

Es war ein Freitag. Immer wieder brachten sie diesen Film und immer mehr Fakten wurden den Fernsehzuschauern bekannt gegeben. Der Ort, an dem das Unglück geschah, hieß Linstow. Dort waren während der Zeit des Gipfeltreffens in einem ehemaligen Gutshof, den man nach der Wende zu einem Hotel umgebaut hatte, Sicherheitskräfte einquartiert. Bei dem Hubschrauber handelte es sich um eine BO 105. Früher war sie überall im Einsatz, beim ADAC , beim Bundesgrenzschutz, bei der Bundeswehr. Ihre militärische Version soll ein Exportschlager gewesen sein. Aber diese hier, die da vor einem umgebauten Gutshof in Linstow in Flammen aufgeht und brennend über die Wiese hüpft, immer wieder, dürfte eine der letzten gewesen sein, die sie bei der Polizei noch gehabt hatten.

Ich verbrachte den Abend allein vor dem Fernseher und trank Wein. Ich konnte mich gar nicht satt sehen an diesem Film und je öfter ich ihn sah, desto besser konnte ich mich an mein Hubschrauberquartett erinnern. Ich hätte den Hubschraubertyp auch ohne die Unterrichtung durch die Kommentatoren erkannt. Damals, in meiner Kindheit, war er noch ganz neu. Jetzt war seine Zeit um, er wurde ausgemustert und durch den Nachfolger ersetzt, den EC 135. Ich erinnerte mich gerne an die BO 105, die mir fast wieder so ans Herz wuchs wie damals, obwohl sie gegen die großen Stecher, beispielsweise die Chinook mit ihren zwei Rotor

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen