text.skipToContent text.skipToNavigation

Old School von Niven, John (eBook)

  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)

15,99 €

9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Old School

Die Alten schlagen zurück

Susan und Julie sind gerade 60 Jahre alt geworden. Sie leben in einem kleinen Dorf in Südengland und sind seit der Schulzeit miteinander befreundet. Susan führt ein bürgerliches Hausfrauendasein, Julie lebt in einer Sozialwohnung und arbeitet als Aushilfe in einem Pflegeheim. Als Susans Ehemann Barry tot aufgefunden wird, offenbart sich, dass er ein surreales Doppelleben führte und Susan einen finanziellen Scherbenhaufen hinterlassen hat. Um nicht in die Altersarmut abzurutschen, greifen sie zu einer radikalen Lösung.

John Niven, geboren in Ayrshire im Südwesten Schottlands, spielte in den Achtzigern Gitarre bei der Indieband The Wishing Stones, studierte dann Englische Literatur in Glasgow und arbeitete schließlich in den Neunzigern als A&R-Manager einer Plattenfirma, bevor er sich 2002 dem Schreiben zuwandte. 2006 erschien sein erstes Buch, die halbfiktionale Novelle Music from Big Pink über Bob Dylan und The Band in Woodstock; 2008 landete er mit dem Roman Kill Your Friends - einer rabenschwarzen Satire auf die Musikindustrie - einen internationalen Bestseller. Es folgten die Romane Coma, Gott bewahre, Das Gebot der Rache, Straight White Male und Old School. John Niven schreibt außerdem Drehbücher. Er lebt derzeit in Buckinghamshire, England.

Produktinformationen

    Größe: 615kBytes
    Reihe (Teil): Heyne Hardcore
    Herausgeber: Heyne
    Untertitel: Roman
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 400
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783641158477
Weiterlesen weniger lesen

Old School

EINS

So viel Blut , dachte Susan Frobisher. So viel Blut .

Sie stand vor der Küchenzeile, von oben bis unten mit Blut besudelt. Blutspritzer überzogen die Arbeitsfläche, ihre Schürze und ihr Gesicht. Die große Schüssel vor ihr war voll davon. Der Horrorfilm-Aspekt der Szene wurde vom strahlenden Weiß der Küche noch verstärkt. Sie hatten sie erst letztes Jahr neu einbauen lassen. Klassischer Landhausstil. Mit allem, was dazugehört: ausziehbare Kühlschubfächer auf Kniehöhe, ein Abfallzerkleinerer, einer dieser flexiblen Wasserhähne mit Spiralfederschlauch, wie man sie aus Kochsendungen kennt, und sogar ein eingebauter Weinhumidor. Nicht dass Barry und sie noch sonderlich viel tranken, aber es sah einfach schick aus. All die reifbeschlagenen Flaschen, aufgereiht wie Bomben im Abwurfschacht. Die Küche war von Emperor Kitchens auf der Havering Road. Barry hatte einen sehr guten Preis bei ihnen ausgehandelt, wie er es immer tat. Er liebte es zu handeln.

Susan betrachtete sich in der spiegelnden Rauchglastür des Weinkühlers und war - von den Blutspritzern mal abgesehen - zufrieden mit dem, was sie sah. Obwohl sie auf die sechzig zuging, hatte sie noch immer einen jugendlich frischen Teint, wache Augen und eine straffe Figur. Ihr Haar war schon seit fast zehn Jahren grau. Trotzdem hing ihr Julie ständig damit in den Ohren, es färben zu lassen, wenngleich die Tage, in denen Julie dieses "Vergnügen" gehabt hätte, lange vorüber waren ...

Durch die doppelt verglasten Fenster ging ihr Blick in den Garten, wo der Tau in der Morgensonne verdunstete. Zumindest in der Hälfte, die so früh im Mai schon in der Sonne lag. Endlich hatte der Frühling es bis nach Dorset geschafft. Susan steckte den kleinen Finger in die Schüssel mit Blut und schleckte ihn ab. Mmmh. Was die Konsistenz anging, war sie sich noch nicht sicher. Denn die musste auf den Punkt genau stimmen.

War das der Fall, sagte ihr großer Held Tom Savini, der Meister der Spezialeffekte, "lassen sich Trugbilder erzeugen, die so realitätsnah sind, dass sie dem Zuschauer vorgaukeln, er habe Dinge gesehen, die er gar nicht gesehen hat". Horrorfilme waren Susans kleine Schwäche. Barry hielt überhaupt nichts davon, eigentlich von Filmen ganz allgemein. "Nichts als Blödsinn", spottete er. "Alles an den Haaren herbeigezogen!" Er stand auf Dokumentationen. Bevorzugt Kriegsdokumentationen. Susan hatte alles von Savini gesehen - Freitag der 13. , Brennende Rache , Zombie . Wenn Barry lange arbeiten musste, machte sie es sich bei einer Tasse Tee mit einer DVD gemütlich.

Wie aufs Stichwort trat Barry Frobisher in die Küche. An seiner Krawatte nestelnd, musterte er das blutige Gemetzel. "Was zum Teufel ..."

"Die Konsistenz stimmt noch nicht ganz", erklärte Susan. "Zu dünn."

"Sieh dir diese Sauerei an!"

"Das kann leider nicht warten. Ich muss noch zum Einkaufen, heute Nachmittag zu Julies Geburtstagsessen und heute Abend zur Generalprobe."

"Herrje! Kannst du dieses Blutzeug nicht einfach kaufen?"

"Dafür haben wir kein Budget, Schatz."

Die halb geknotete Krawatte noch immer lose um den Hals hängend, ging Barry zur Kaffeekanne und nahm sich unterwegs eine Tasse vom Frühstückstisch, den sie stets am Vorabend deckten, bevor sie zu Bett gingen. "Ich weiß nicht, was du daran findest, Susan. Ich weiß es wirklich nicht."

Er nahm eine Scheibe kalten Toast aus dem Ständer und beschmierte sie dick mit Butter. Frühstücksflocken wären die bessere Wahl , dachte Susan. Barrys Taille schob sich allmählich über den Hosenbund. Als sie zuletzt bei Marks & Spencer waren, um was zum Anziehen zu finden, musste sie ihm eine Hose mit Bundweite 56 kaufen. Sie wollte erst gar nicht wissen, wie sich dieses Essverhalten auf seine Arterien auswirkte. Neuerdings hörte Susan ihn morgens vor Anstrengung leise stöhnen, wenn er sich aus

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.