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On se left you see se Siegessäule Erlebnisse eines Stadtbilderklärers von Birr, Tilman (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.03.2012
  • Verlag: Manhattan
eBook (ePUB)
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On se left you see se Siegessäule

Do you speak Tourist? Lachtränen-komisch und unverzichtbar für jeden Reisekoffer

Tilman Birr ist jung, und er braucht das Geld. Kurz entschlossen heuert er als Stadtführer - in Berlin "Stadtbilderklärer" genannt - auf einem Ausflugsschiff an und stürzt sich in den Dschungel der Berliner Tourismusbranche. Er kämpft mit Bayern, die nicht Deutsch sprechen, trotzt Sturm und Hagel sowie erbosten Senioren und macht aus gelangweilten fränkischen Schülern eine fanatisierte Masse begeisterter Berlinfreunde. Bald bringt ihn nichts mehr aus dem Konzept, und er findet sogar Antworten auf die wichtigsten Fragen jedes Berlintouristen: Warum hat Hitler die Mauer gebaut? War Berlin wirklich die Hauptstadt Russlands? Wieso wurde eine Brücke nach Martin Semmelrogge benannt? Und wann war eigentlich Horst Tappert Bundespräsident?

Tilman Birr begann seine Bühnenkarriere als Lesebühnenleser und Poetry Slammer. 2002 gründete er die 'Lesebühne Ihres Vertrauens' in Frankfurt am Main. Seit 2008 ist er als Kabarettist und Musiker im deutschsprachigen Raum unterwegs. Für seine Bühnenprogramme wurde Tilman Birr mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter dem Förderpreis des Deutschen Kabarettpreises 2013. Sein Debüt als Autor legte er mit 'On se left you see se Siegessäule' vor. Er lebt in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 12.03.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641073398
    Verlag: Manhattan
    Größe: 501kBytes
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On se left you see se Siegessäule

Wo war ich jetzt?

D as Skript bestand aus zwanzig Seiten Fließtext. Seit meiner Führerscheinprüfung hatte ich nichts mehr auswendig lernen müssen. Außerdem hatte sich meine Konzentrationsfähigkeit seit der Einführung von Youtube, Wikipedia und StudiVZ auf den Stand eines Fünfzehnjährigen zurückentwickelt.

Es begann mit einer allgemeinen Einführung. Erste Erwähnung Cöllns 1237, Berlins 1244. Vereinigung zur Doppelstadt, Aufstieg unter den Hohenzollern.

"Die Stadt Berlin bestand im 19. Jahrhundert praktisch nur aus dem Bezirk Mitte. Erst die Reichsgründung von 1871 gab Berlin einen städtebaulichen Impuls, der sich auch an den Straßennamen ablesen lässt. Die preußische Annexion Elsass-Lothringens nach dem Krieg von 1870/71 reflektiert sich in der Namensgebung der Straßen im südlichen Prenzlauer Berg: Colmarer Straße, Straßburger Straße, Metzer Straße, Hagenauer Straße und so weiter. Deshalb nennt man dieses Viertel Elsässer Viertel."

Elsässer Viertel, nie gehört. Es sagt ja auch niemand "Weniger-bekannte-Flüsse-Viertel" zu der Gegend in Friedrichshain, in der Weichsel-, Kinzig-, Fulda- und Finowstraße liegen. Im holländischen Zoetermeer gibt es ein Apfelviertel. Golden Delicioushof, Cox Orangehof, Jonagoldhof. Wer denkt sich so was aus? In Hamburg gibt es eine Käfersiedlung, und es würde mich nicht überraschen, wenn es irgendwo ein Hundeviertel gäbe. Terriersteig, Collieweg, Golden-Retriever-Straße. Nur eine Schäferhundstraße gibt es dort wahrscheinlich nicht, weil das zu sehr nach Nazi riecht. Klingt aber schon geil: Ich wohne in der Schäferhundstraße, Ecke Kruppstahlallee. Blutstraße, Ecke Bodenstraße. Da könnte man ein ganzes Naziviertel bauen. Blondschopfstraße, Ecke Blauaugenweg. Endsiegallee, Ecke Tausendjähriges-Reich-Straße. Wir-haben-dem-Führer-ewige-Treue-geschworen-Boulevard, Ecke Anschlussstraße. Dann muss es da aber auch irgendwo eine Guido-Knopp-Straße geben. Vielleicht als Ringstraße um das ganze Viertel herum.

Apropos Ringstraße: Wenn ich irgendwann in die Position kommen sollte, eigenmächtig die Benennung von Straßen bestimmen zu können, dann würde ich mir eine Ringstraße suchen und sie abschnittsweise nach Mitgliedern der Familie Herder benennen: nach dem Botaniker Ferdinand Gottfried von Herder, dem Geologen Sigismund August Wolfgang von Herder, dem Verleger Bartholomä Herder und natürlich dem Dichter Johann Gottfried Herder. Über die Grenzen der Region hinaus würde diese Straßenfolge als "Herderringe" bekannt werden, und meine Stadt würde zur Pilgerstätte für tausende spätpubertierende Rollenspieler in Lendenschurz und mit Trinkhorn am Gürtel. Kneipen mit pseudokeltischen Schriftarten auf grünen Schildern würden sich dort ansiedeln, die Met ausschenken und in denen man sich mit "Wohlan" begrüßt. Hobbits würden dort Stramme Mäxe vertilgen, Zwerge mit den Ausweisen ihrer großen Brüder Bier kaufen, und kahlrasierte Orks aus Hoyerswerda (Heizungsbauer, abgebrochen) würden sich betrinken und Ärger machen, während die zartfühlenden Elben (Soziale Arbeit an der Fachhochschule) langohrig daneben stünden und melancholisch den Kopf schüttelten wie ein Indianer, der mit ansehen muss, wie auf den Gräbern seiner Ahnen ein Einkaufszentrum gebaut wird.

Wo war ich jetzt? Ach ja, Stadtplanung und 1871. Also weiter im Text. 1920 Erweiterung Berlins auf heutige Grenzen. Krieg, Mauerbau, Mauerfall. Folgt kleine Brückenkunde: Monbijoubrücke ist nagelneu, nach altem Vorbild rek

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